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Big Data : Was Google wirklich weiß

Zur Sonne, zur Freiheit: So sieht sich Google selbst. Bild: AFP

Schon lange fordern Datenschützer, dass Google offenlegt, was es über seine Nutzer weiß. Nun hat ein Unternehmen sechs Links zusammengestellt. Sie zeigen, wie umfassend Googles Zugriff ist.

          Das Verhältnis zwischen Google und seinen Nutzern ist eine Einbahnstraße. Google weiß jeden Tag mehr über seine Nutzer, die Nutzer kaum etwas über Google. Man kann zahlreiche Dienste des Unternehmens in Anspruch nehmen und dabei Daten hinterlassen, sie aber nicht mehr zurücknehmen. Schon lange fordert die Netzgemeinde deshalb mehr Transparenz vom Silicon-Valley-Riesen ein. Google reagierte darauf 2009 mit der Einrichtung des „Dashboards“, auf dem Nutzer nachvollziehen können, welche Informationen das Unternehmen über sie gesammelt hat und aus welchen Diensten sie sich speisen. Nun hat der Speicherdienst „Cloud Fender“ außerdem sechs nützliche Links zusammengestellt:

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          1. Was denkt Google über mich?
          Auf Grundlage der Daten, die Google sammelt, versucht das Unternehmen ein Personenprofil jedes Nutzers zu erstellen: Wie alt, welches Geschlecht, welche Interessen? Damit bietet Google dann personenbezogene Werbung an. Auf dieser Seite kann jeder nachschauen, welche Annahmen Google über ihn getroffen hat, und die Personalisierung abschalten.

          2. Wonach habe ich bei Google gesucht? 
          Google merkt sich jede Suchanfrage und außerdem jeden Click auf eine Werbeanzeige. Einzelne Anfragen lassen sich löschen. Außerdem können Nutzer die Erfassung kurzzeitig stoppen.

          3. Wo habe ich mich aufgehalten?
          Handys, die mit Android-Betriebssystem laufen, übermitteln regelmäßig Positionsdaten an Google. Nutzer können ihr Bewegungsprofil jederzeit einsehen und auch löschen – dann aber funktionieren Dienste, die mit diesen Daten arbeiten, etwa die Stauwarnung bei Google Now, weniger präzise.

          4. Mit welchen Geräten nutze ich Google?
          Google hält nicht nur fest, mit welchen Geräten ihre Nutzer Google benutzen, und ob es sich zum Beispiel um einen Windows-Computer oder Mac-Laptop handelt. Auch die IP-Adressen und der ungefähre Standort des Geräts sind hier verzeichnet.

          5. Welche Apps greifen auf meine Google-Daten zu?
          Alle Apps, denen man gestattet hat, auf die Daten von Google zuzugreifen, sind hier aufgelistet. Der Zugriff lässt sich widerrufen.

          6. Nach welchen Videos habe ich bei Youtube gesucht?
          Ein Bild sagt so viel wie tausend Worte, und deshalb speichert Google ebenfalls, welche Suchanfragen Nutzer bei der Videoplattform „Youtube“ hinterlassen haben.

          Die Links sind nicht neu, zeigen in ihrer Gesamtheit aber wie umfassend Google über seine Nutzer informiert ist. Googles Zugriff lässt sich an einem Alltagsbeispiel verdeutlichen: Angenommen, jemand möchte sich mit einem Geschäftspartner in Berlin zum Essen treffen. Der Betreffende sucht bei Google nach passenden Restaurants, schreibt anschließend eine E-Mail, und navigiert sich am Abend mit Google-Maps durch das Großstadtdickicht. Zwischendurch schaut er sich im Zug noch ein paar Youtube-Videos an. Google kann all diese Informationen nicht nur vertikal verknüpfen und herausfinden, was an jenem Tag passiert ist, sondern auch horizontal, und mit der Vergangenheit abgleichen. Es weiß, ob die Weinkarte in diesem Jahr erlesener ist als letztes Jahr, ob der Betreffende eher auf- oder absteigt; ob er sich während der Zugfahrt zur Entspannung Katzenvideos anschaut, oder lieber den letzten öffentlichen Vortrag seines Geschäftspartners. Kaum verwunderlich, dass sich die Amerikaner inzwischen stärker vor dem Datenmonopol Googles fürchten als vor dem der Geheimdienste.

          Wie viel der Internetgigant weiß, hängt allerdings von den Privatsphäre-Einstellungen ab. Wer nur bei einem der Dienste auf einen anderen Anbieter ausweicht, kann die Konturen seines Persönlichkeitsprofils unter Umständen verwischen. Nachdem er seine Daten eingesehen hatte, twitterte ein Nutzer kürzlich: „bin laut Google mind. 65 Jahre alt. Scheinen nicht viel über mich zu wissen… zum Glück!“ Ob er sich da mal nicht täuscht.

          Big Data : Nutzen und Risiken der Datenflut

          Quelle: FAZ.NET

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