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Veröffentlicht: 21.12.2016, 11:06 Uhr

Big Data im Wahlkampf An ihren Daten sollt ihr sie erkennen

Wer die besseren Daten über die Bürger hat, gewinnt: So lautet die Annahme, seit Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde. Ist das „Microtargeting“ von Firmen wie „Cambridge Analytica“ wirklich entscheidend?

von Wolfie Christl
© dpa Wohnt hier ein Republikaner oder ein Demokrat? Wahlkampfhelfer wissen meist sehr genau, ob sich die Mühe eines Hausbesuchs lohnt.

Inwieweit lassen sich mit Big Data und maßgeschneiderten Werbebotschaften Wahlergebnisse beeinflussen? Diese Frage wird seit dem Wahlsieg Donald Trumps heftig diskutiert. Mit sogenanntem „Microtargeting“ haben die politischen Parteien in den Vereinigten Staaten die Menschen gezielt mit genau den Botschaften versorgt, die sie hören wollten, auf der Basis von Informationen über ihre politischen Präferenzen, Interessen und Verhaltensweisen. Nun wird diskutiert, welche Folgen sich daraus für die Zukunft der Demokratie ergeben.

Wurde die Wahl von Trump oder die Mehrheit für den Brexit allein durch die psychologischen Persönlichkeitsprofile der Daten-Firma Cambridge Analytica, die das für sich in Anspruch nimmt, ermöglicht? Natürlich nicht, dafür gibt es hundert Gründe. Aber haben sie eine Rolle gespielt? Die Antwort ist: Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, welche personalisierten Inhalte für die Wahlwerbung eingesetzt worden sind, welche Datenkategorien für die Auswahl der Zielgruppen verwendet, wie viele Menschen auf welchen Kanälen adressiert wurden – von Facebook über Werbung im Web und in mobilen Apps bis zu E-Mail und datenbasierten Skripts für Telefonanrufe und Hausbesuche. Außerdem wissen wir nicht, wie viele Menschen reagiert oder geklickt haben, und erst recht nicht, ob es einen Einfluss auf ihr Wahlverhalten gab.

Gezielte Verunsicherung der Konkurrenz

Jemand mit einer fundierten politischen Überzeugung kann natürlich auch mit Big Data nicht einfach so „umgedreht“ werden. Es gibt allerdings starke Indizien dafür, dass mit datenbasiertem Microtargeting die Wahlbeteiligung bei bestimmten Gruppen von Menschen systematisch erhöht oder reduziert werden kann. Dass damit also bei bestimmten Wählergruppen etwas mehr Motivation erzeugt wird und bei anderen etwas mehr Frustration. Und genau darum geht es heute oft bei Wahlen. Vor allem bei knappen Verhältnissen konzentrieren sich die Kampagnen darauf, die eigenen Wähler zu mobilisieren. Im Gegenzug wird versucht, die potentiellen Wähler der Konkurrenz gezielt zu verunsichern, damit sie der Urne fernbleiben. Und genau dafür könnte sich Microtargeting gut eignen.

Facebook hat diesbezüglich Experimente durchgeführt, ohne Wissen und Zustimmung der Nutzer. 2012 hat das Unternehmen bei 1,9 Millionen Nutzern die Reihenfolge und Gewichtung der angezeigten Inhalte so manipuliert, dass mehr „harte“ Nachrichten und weniger persönliche Postings wie Babyfotos zu sehen waren. Nach Angaben von Facebook hätte sich dadurch die Wahlbeteiligung bei dieser Gruppe um drei Prozent erhöht.

43902921 © AFP Vergrößern Bei jedem Klick wird unser Profil an Werbetreibende versteigert, und das können auch Parteien sein.

Bei einem anderen, besser dokumentierten Experiment hat Facebook sechzig Millionen zufällig ausgewählten Nutzern am Tag der Kongresswahl 2010 eine Box eingeblendet, die aufforderte, wählen zu gehen. Gleichzeitig konnten die Nutzer mittels Klick bekanntgeben, ob sie schon gewählt hatten, was wiederum ihren Freunden angezeigt wurde. Durch den Vergleich mit einer Kontrollgruppe schätzt das Unternehmen, dass durch das Einblenden dieser Funktion 340.000 Menschen zusätzlich gewählt hätten. Das sind nur 0,14 Prozent der Wahlberechtigten. Aber was, wenn die Auswahl der Nutzer für dieses Experiment nicht zufällig erfolgt wäre? Bei knappen Ergebnissen könnte Facebook wohl schon jetzt Wahlergebnisse drehen, und wir würden es nicht beweisen können.

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