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Bezahlstrategie Mit „Bild“ in einem Boot

Der Axel-Springer-Verlag inszeniert sich als Avantgarde der digitalen Zukunft und als Retter der Demokratie. Politiker suchen seine Nähe. Man sollte ihm dennoch nicht auf den Leim gehen.

© dpa „Bild“-Chefredakteur Diekmann wohnt jetzt in einer App

Die Rettung der deutschen Demokratie liegt nun auf den Schultern der Axel Springer AG. Konkret hängt sie davon ab, ob in Zukunft genug Menschen Geld dafür ausgeben werden, die „Bild“-Zeitung zu lesen.

Es ist nicht der Springer-Verlag, der die These in dieser Steilheit formuliert. Es ist der vermeintlich linke Publizist und Verleger Jakob Augstein. In der Wochenzeitung „Der Freitag“, deren Besitzer, Geschäftsführer und Chefredakteur er ist, hat er einen Leitartikel verfasst, in dem er Springer dafür preist, der „Kostenlos-Kultur im Netz den Garaus machen“ zu wollen. Wenn es jemanden gebe, dem das gelingen könne, dann sei es dieses Unternehmen: Wir alle sollen die Daumen drücken. Denn ohne zahlende Leser gebe es keinen guten Journalismus. Und ohne Journalismus keine Demokratie.

Der Kostenlos-Kultur-Killer heißt „BILDplus“. Vom 11. Juni an wird „Bild“ einen Teil ihrer Online-Inhalte nicht mehr frei anbieten. Wer sie lesen will, muss ein digitales Monatsabo abschließen oder eine gedruckte „Bild“-Zeitung kaufen, in der ein individueller Code steht, der einen Tag lang Zugang zu den digitalen „Bild“-Attraktionen gewährt.

Die Zukunft des deutschen Journalismus

Das klug ausgedachte Konzept, in dem sich Print und Online gegenseitig stützen sollen, ist ein interessantes Experiment, von dem auch die Springer-Verantwortlichen sagen, dass es viele Unbekannte enthält. Niemand kann vorhersagen, wie groß tatsächlich die Bereitschaft der Menschen ist, für bestimmte „Bild“-Inhalte im Netz zu bezahlen - und welche Inhalte das wären. Die Bereitschaft, für eine gedruckte „Bild“ zu zahlen, sinkt seit fünfzehn Jahren: Von 4,5 auf 2,5 Millionen ist die Auflage in dieser Zeit gefallen.

Springer ist entschlossen, alles zu versuchen, um die Menschen dazu zu bringen, im Netz für journalistische Inhalte zu zahlen. Bei der „Welt“ und den Regionalzeitungen des Verlages gibt es verschiedene Versuche mit Bezahlschranken. Aus der „Bild“-Zeitung ein Medium zu machen, das sich im Netz nicht nur durch Werbe-, sondern auch durch Vertriebserlöse finanziert, ist eine ungleich größere Herausforderung.

Vielleicht hängt angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Blattes für Springer sogar die Zukunft des Unternehmens davon ab. Aber Jakob Augstein, der auch Minderheitsgesellschafter beim „Spiegel“-Verlag ist, geht einen Schritt weiter: „Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein“, schreibt er. „Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage.“

Qualität und Quanität

Aus seinem Text spricht der Frust eines enttäuschten Verlegers. Das Internet, schreibt Augstein, untergrabe den Journalismus und die Demokratie. „Der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.“

Was möchte uns Augstein mit diesen Worten sagen? Die Leser konnten früher Qualität und Quantität noch unterscheiden, aber dann kam das Internet, hat alles kaputt gemacht, und nun haben sie es vergessen? Und die Verlage bringen es ihnen wieder bei, indem sie Geld nehmen? Und daran, dass etwas etwas kostet, erkennen die Leser wieder, was Qualität ist? Und der Vorreiter bei diesem Prozess ist die „Bild“-Zeitung?

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