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Berliner Zeitung Ein Aufstand aller Redakteure

14.02.2008 ·  Die Krise im Berliner Verlag ist eskaliert, und zwar zu einem richtigen Aufstand: Die Redaktion der „Berliner Zeitung“ hat dem Chefredakteur und Geschäftsführer sowie dem Eigentümer des Verlags das Misstrauen ausgesprochen.

Von Michael Hanfeld
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Die Krise im Berliner Verlag ist eskaliert, und zwar zu einem richtigen Aufstand. An diesem Donnerstag hat die Redaktion der „Berliner Zeitung“ dem Chefredakteur und Geschäftsführer, Josef Depenbrock, und dem Eigentümer des Verlags, dem britischen Finanzinvestor David Montgomery, das Misstrauen ausgesprochen. Depenbrock solle zurücktreten und Montgomery solle sich einen neuen Käufer für die „Berliner Zeitung“ suchen, fordern die Redakteure in zwei offenen Briefen. Zuvor, so die Redaktion, habe Depenbrock einen weiteren massiven Sparkurs angekündigt, um die Umsatzrendite auf achtzehn bis zwanzig Prozent zu erhöhen. Ein Stellenabbau sei nicht ausgeschlossen.

Montgomery und Depenbrock als sein Emissär hatten dem Berliner Verlag, zu dem neben der „Berliner Zeitung“ der „Berliner Kurier“ gehört, schon zuvor einen rigiden Sparkurs und maximale Renditeziele von bis zu zwanzig Prozent verordnet. Montgomery hatte den Berliner Verlag in seine BV Deutsche Zeitungsholding eingegliedert und das Zusammenwachsen mit der „Hamburger Morgenpost“ betrieben, die er ebenfalls gekauft hatte. Deren Chefredakteur Matthias Onken allerdings war ihm angesichts des rigiden Sparregiments im vergangenen Herbst von der Fahne gegangen.

Eine unmissverständliche Forderung

Der Redakteursausschuss der „Berliner Zeitung“ wiederum hatte angekündigt, den Chefredakteur Depenbrock zu verklagen, weil dieser von seiner Doppelposition an der Spitze der Redaktion und als Geschäftsführer nicht lassen will. Die Redakteure sehen darin einen klaren Verstoss gegen das Redaktionsstatut, das die Trennung von Redaktion und Verlag gebietet. Der Finanzinvestor Montgomery, der sich mit seiner Gesellschaft Mecom inzwischen in ganz Europa ein Zeitungsreich zusammengekauft hat, erklärte zugleich frohgemut, dass die Zeitung als alleiniges Geschäftsmodell ausgedient habe (siehe auch: David Montgomery im Gespräch: „Die Süddeutsche Zeitung passt zu uns“).

Die Redaktion der „Berliner Zeitung“ fordert Montgomery nun in ihrem offenen Brief auf, seine „aktuelle Geschäftspolitik zu überdenken“. Sollte seine Mecom außer Stande sein, eine langfristige und publizistisch kohärente Geschäftsstrategie vorzulegen, „fordern wir, im Interesse der Zeitung und ihrer Leser, nach einem neuen, geeigneten Eigentümer“ zu suchen. Dem Chefredakteur Depenbrock erklären die Redakteure, dass sich nach zwei Jahren seiner Amtsführung sämtliche Befürchtungen bestätigt hätten. Er sei entweder „nicht Willens oder nicht in der Lage“, die Redaktion angemessen zu führen. Es habe sich gezeigt, was seine Doppelfunktion mit sich bringe: „Wir haben einen Chefredakteur, der die Belange der Redaktion gegenüber dem Verlag nicht wahrnimmt.“ Ihre Forderung formulieren die Redakteure unmissverständlich: „Herr Depenbrock, wir haben das Vertrauen in Sie verloren. Treten Sie zurück!“

Depenbrock wurde das Schreiben der Redakteure persönlich überbracht, an Montgomery ging es per Fax. Ausgelöst worden war der Schritt durch die morgendliche Redaktionskonferenz, auf der bekannt wurde, dass der Vorsitzende des Redakteursausschusses die Zeitung verlässt, weitere Redakteure sind auf dem Sprung. Ob ihre Stellen wenigstens neu besetzt würden, schien der Chefredakteur nicht bestätigen zu wollen. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Die Redakteure beriefen eine Vollversammlung ein und formulierten ihr Misstrauen. Der Chefredakteur Depenbrock war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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