14.05.2008 · Die Machthaber verschwenden viel Energie darauf, Reporter und Hilfsorganisationen aus Burma fernzuhalten. Statt ihrem Volk zu helfen, beweisen sie eine gefühllose Gleichgültigkeit gegenüber Menschen, die alles verloren haben. CNN-Korrespondent Dan Rivers berichtet von seinem Versteckspiel in Burma.
Von Dan Rivers, BurmaDass wir in Gefahr waren, wurde mir klar, als unser bemerkenswert mutiger Kontaktmann erzählte, die Militärregierung habe die Hotels angewiesen, alle Ausländer zu melden. Wie wir erfuhren, hatte man einen meiner Berichte gesehen. Es hieß, sie suchten gezielt nach mir. Anfangs war ich skeptisch, doch bald wurde mir klar, dass die Regierung trotz der größten humanitären Krise in der Geschichte Burmas viel Zeit und Energie darauf verwandte, mich daran zu hindern, über die Katastrophe zu berichten. Ein Kollege von der BBC war schon am Flughafen zurückgeschickt worden, offenbar sollte ich der nächste sein.
Wir trafen Vorkehrungen, um nicht entdeckt zu werden. Wir beschlossen, möglichst oft das Fahrzeug zu wechseln, nie länger an einem Ort zu bleiben und immer in Bewegung zu sein. Als wir in die am stärksten betroffenen Gebiete des Deltas kamen, stellte ich fest, wie ernst es die Junta mit ihren Nachstellungen meint.
Meine Kollegen hatten angehalten, um einen Staatsbediensteten zu fragen, ob die Straße vor uns frei sei. Ich versteckte mich in einem Restaurant. Der Beamte sagte, die Straße nach Labutta sei passierbar, doch dann erschien ein Zollbeamter und begann, alle Passfotos mit einem Bild von mir zu vergleichen, das sie offenbar einem Bericht bei CNN entnommen hatten.
Im Fußraum unter einer Decke versteckt
Mein Team stellte sich ahnungslos. Das Verhör dauerte gut eine Stunde, schließlich ließ man mein Team frei, weil man meinte, sie hätten etwas mit Hilfsaktionen in der Region zu tun. In der Zwischenzeit lief ich durch die Straßen. Jemand fragte mich halb im Scherz, ob ich von der CIA sei. Ich lachte nur nervös.
Wir schlugen uns auf unbefestigten Straßen durch, bis wir an einer Brücke einen Kontrollposten bemerkten. Ich versteckte mich im Fußraum des Wagens unter einer Decke. Die Polizisten an der Brücke schickten uns zurück, weil der Beamte in der Stadt noch einmal mit uns sprechen wolle. Uns war klar, die Behörden wussten nun, dass wir ein Fernsehteam waren, auf der Rückfahrt gelangten wir zu der Überzeugung, dass wir direkt ins Gefängnis fuhren.
Zigaretten und ein paar Schokoriegel
In einem letzten Versuch, dem zu entgehen, bogen wir in einen Dschungelpfad ab, der zum Fluss führte. Wir versteckten den Wagen und überredeten Dorfbewohner, uns mit zwei kleinen Booten über den Fluss zu bringen. Als wir das Dorf verließen, hielt uns ein Mann barsch an. Er sprach aufgeregt in ein Walkie-Talkie und sagte uns, wir dürften nicht weitergehen.
Die Polizei erwarte uns bei unserem Wagen. Man brachte uns zurück. Die Polizisten waren zunächst verärgert, doch besänftigende Worte, Zigaretten, Wasser und ein paar Schokoriegel beruhigten die Lage ein wenig.
Sie bestanden darauf, unsere Pässe zu kontrollieren. Meine größte Sorge galt den einheimischen Mitgliedern unseres Teams, denen Gefängnis und Schläge drohten. Ich zeigte meinen Pass, aber dabei gelang es mir, die Finger auf dem ersten Vornamen und dem Familiennamen zu halten. Meine beiden mittleren Namen gab der Polizist per Funk weiter. Schließlich ließ man uns frei, und wir konnten nach Rangun zurückkehren.
Gefühllose Gleichgültigkeit gegenüber Menschen
Da ich die anderen durch meine Anwesenheit in Gefahr brachte, beschloss ich, das Land zu verlassen. Ich saß schon im Flugzeug, als ich eine letzte Überraschung erlebte. Der Flugbegleiter sagte mir, die Beamten der Grenzkontrolle wollten mich noch einmal überprüfen. An der Kontrollstelle stand ein halbes Dutzend Polizisten, Geheimdienstleute und Soldaten.
Sie fotografierten alles, was ich bei mir hatte, und durchsuchten mich peinlich genau, selbst meine Schuhe und Strümpfe. Zum Glück hatte ich alle Bänder und Fotos weggeworfen. Da der Flug bereits Verspätung hatte, bat der Flugbegleiter die Beamten ungeduldig, doch endlich zu entscheiden, ob ich wieder an Bord durfte. Nach einigen Minuten gaben sie widerwillig nach.
All das vermittelt nur einen schwachen Eindruck von der Intoleranz des Regimes. Dass die Generäle unabhängige Berichterstattung über eine Naturkatastrophe nicht ertragen, zeugt von ihrem Verfolgungswahn. Wenn die Machthaber so viel Energie darauf verschwenden, Reporter, Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen fernzuhalten, statt ihrem heimgesuchten Volk zu helfen, beweisen sie eine gefühllose Gleichgültigkeit gegenüber Menschen, die alles verloren haben, und fällen damit das Urteil über sich selbst.