17.12.2007 · Dreißig Jahre werden die „Tagesthemen“ am 2. Januar alt, und alt sehen sie, was ihre Stellung im Kosmos der Fernsehnachrichten betrifft, auch aus. Doch nicht nur die Claims der Hauptnachrichten erodieren, auch die der großen Sender an sich.
Von Michael HanfeldDie „Tagesthemen“ haben Grund zu feiern, und auch wieder nicht. Dreißig Jahre wird die Sendung am 2. Januar alt - und da wären wir auch schon beim richtigen Stichwort. Die „Tagesthemen“ sehen „alt“ aus -, wenn es um ihre Stellung im Kosmos der Fernsehnachrichten geht. Zwar hält sich der Zuspruch beim Publikum zwischen zwei und 2,2 Millionen Zuschauern, doch der Marktanteil sinkt, bislang liegt er dieses Jahr im Schnitt bei zehn Prozent. Die Zeiten, in denen man die „Tagesthemen“ gesehen haben muss, sind lange vorbei.
Allerdings haben nicht nur die „Tagesthemen ein Problem, der Konkurrenz geht es nicht anders. Beim „heute-journal“ des ZDF ist der Marktanteil in den vergangenen zwei Jahren von 13,5 Prozent auf 12,1 Prozent gesunken. Doch erodieren nicht nur die Claims der Hauptnachrichten, auch die der großen Sender an sich. Ende dieses Jahres werden sie weniger Zuschauer auf sich versammeln denn je. Die ARD wird mit einem Anteil von 13,4 Prozent abschließen, das ZDF mit 12,8 Prozent. Die dritten Programme der ARD halten sich mit 13,3 Prozent (zuvor 13,5) sehr gut, die Privatsender weniger: RTL landet bei 12,5 Prozent, Sat.1 bei 9,6 und Pro Sieben bei 6,5 Prozent.
Es wird immer schwerer für die großen Vier
Den fernsehimmanenten Grund dafür hat Anfang des Monats eine Studie der Firma Seven One Media - des Werbezeitenvermarkters von Pro Sieben Sat.1 - benannt, die das Gegenteil beweisen wollte: Das Angebot im Fernsehen zersplittere, aber die Nutzung bleibe stabil, hieß es. Von sechshundert frei empfangbaren Programmen kämen 559 auf den Marktanteil von zusammen ein Prozent. Dreieinhalb Prozent entfielen auf Abosender, die übrigen 95,5 Prozent auf insgesamt 41 verschiedene Sender. Die Conclusio: Der digitale Wandel gehe „an der großen Mehrheit der Zuschauer vorbei“.
Schaut man genau hin, sieht man, wie vage der Befund ist. Unter den besagten 41 Sendern fällt es den großen vier - ARD, ZDF, RTL, Sat.1 - oder sechs - nehmen wir die Dritten und Pro Sieben hinzu -, immer schwerer, ihre mit großem Aufwand eroberten Positionen zu halten. Einem kleinen Sender wie Vox dagegen gelingt es, mit einem schlanken, gezielt auf eine spezielle Zuschauerschaft zugeschnittenen Programm zu wachsen. Der Sender nimmt mit einem Jahresmarktanteil von 5,7 Prozent einen Rekord und die Konkurrenz von Pro Sieben direkt ins Visier.
Bei den „Tagesthemen“ sind die Probleme auch hausgemachter Natur. Im Augenblick wissen nur Eingeweihte, wann die Spätnachrichten im Ersten beginnen und wer sie moderiert. Und denken wir nur an die quälend-allabendlichen Kommentare! Die ARD hat das Erste - das sieht man jetzt deutlich - zu Tode reformiert.
Auf den neuen Programmdirektor Volker Herres kommt viel zu. Doch werden ihm bei der Bilanz 2008 die Fußball-EM und die Olympischen Spiele, die ARD und ZDF zeigen, helfen. Das Jahr 2006 war nicht zuletzt wegen der Fußball-WM für ARD und ZDF ein noch recht erfolgreiches.