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BBC Die Aktivisten haben ihre Agenda

27.01.2009 ·  Bisher hieß es, die BBC berichte im Gaza-Krieg einseitig für die palästinensische Seite. Einen Spendenaufruf für die Bewohner von Gaza will sie dennoch nicht senden. Doch der Druck, um Hilfe für die Palästinenser zu werben, wächst. Nun steht der Sender zwischen den Fronten.

Von Gina Thomas, London
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Mehr als hundertzwanzig Abgeordnete aller Parteien haben in einem Antrag ihren Protest gegen die Weigerung der BBC bekundet, einen Spendenaufruf für die notleidenden Menschen in Gaza zu senden. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt hält an ihrem Beschluss fest und verweist darauf, dass sie ihre Glaubwürdigkeit als unparteiische Berichterstatterin beeinträchtigte, würde sie den Aufruf des Desasters Emergency Committee, des Dachverbands führender britischer Hilfsorganisationen wie Oxfam und des Roten Kreuzes, ausstrahlen. Es bestehe die Gefahr, „dass man dies so interpretieren könnte, als ob wir einen politischen Standpunkt in einem laufenden Konflikt einnehmen würden,“ sagte der BBC-Generaldirektor Mark Thompson.

Den Vereinbarungen zwischen den Medien und dem seit 1963 aktiven DES zufolge müssen für die Sendung eines Aufrufes drei Kriterien erfüllt werden: die dringliche Notwendigkeit humanitärer Hilfe, hinreichend öffentliche Wahrnehmung und Sympathie für die humanitäre Krise und die Gewährleistung, dass die Hilfe die Bedürftigen erreicht. Daran hat die BBC Zweifel.

Die Zuschauer beschweren sich

Beim Sender sind mehr als 15 500 Beschwerden eingegangen. Regierungsmitglieder, Kirchenvertreter und Prominente haben in den Chor der Empörung eingestimmt, und vor der BBC-Zentrale in der Londoner Stadtmitte haben Demonstranten ihre Bescheinigung der Rundfunkgebühr verbrannt. Auch die Leitartikler der großen Zeitungen bedauern die Ablehnung fast einhellig. Michael Lyons, Vorsitzender des BBC-Aufsichtsrates, moniert, dass die Kritik von offizieller Seite einer „unangemessenen Einmischung in die redaktionellen Unabhängigkeit“ nahekomme. Obwohl auch der Sender Sky es ablehnte, den von ITV, Channel 4 und Channel 5 ausgestrahlten Aufruf zu zeigen, richtet sich der Zorn vor allem gegen die BBC.

Das erklärt sich zum einen aus der verbreiteten Verdrossenheit über die BBC, zum anderen aus dem Eindruck, dass die BBC in ihrer Dokumentierung des Nahostkonflikts keineswegs neutral geblieben ist. Ihre linksliberale Anschauung kommt immer wieder unter Beschuss. Vor zwei Jahren stellte eine eigene Untersuchung eine „angeborene liberale Tendenz“ fest. In seinen 2007 veröffentlichten „Confessions of a peformed BBC-Producer“ hat Antony Jay, unter anderem Autor der erfolgreichen Serie „Yes Minister“, kritisiert, bei der BBC herrsche ein Gefühl der moralischen Überheblichkeit vor. Es habe eine Ideologie geschaffen, die „nicht auf Beobachtung und Schlussfolgerung“ basiere, „sondern auf Glauben und Doktrin“. Im Gespräch unter Kollegen habe man so selten Gegenargumente gehört, „dass wir unser Gruppendenken für die Meinung aller Rechtdenkenden hielten“.

Aktivisten sind keine objektiven Beobachter

Jene, die der BBC Voreingenommenheit vorwerfen, zeigen sich jetzt ob der Besinnung auf die Unparteilichkeit besonders verblüfft, zumal die Rundfunkanstalt sich in der Vergangenheit politisierte Hilfsappell wie den „Make Poverty History“-Appell zu eigen machte. Dabei heißt es in den Richtlinien, dass „diejenigen, die Kampagnen verwenden, bedenken sollten, dass Aktivisten eine Agenda haben und allgemein nicht als objektive Beobachter einer Situation betrachtet werden sollten: Wohltätigkeitsarbeiter zum Beispiel.“ Kritiker spotten, der BBC-Chef Thompson poche auf den Ruf der Objektivität, den der Sender längst verspielt habe.

Dennoch pflichten gerade sie der Ablehnung des Aufrufes bei und verweisen auf die parteilichen Stellungnahmen von Hilfsorganisationen wie Oxfam und Christian Aid. Letztere hat Premierminister Brown aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass die EU Gespräche mit Israel über den Aufbau von bilateralen Beziehungen abbreche. Oxfam forderte während der israelischen Militäraktion, dass „die internationale Gemeinschaft nicht zur Seite treten und der israelischen Führung erlauben darf, unter Missachtung des internationalen Rechts massive und unverhältnismäßige Gewalt gegen die Zivilbevölkerung von Gaza zu verüben“. Zudem wird auf die Sabotage von Hilfskonvois durch Hamas hingewiesen. Diese Vorgänge, so sticheln die Kritiker der BBC, seien der aufgebrachten Öffentlichkeit unbekannt, nicht zuletzt, weil der Sender über sie nicht berichte. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt sei in ihrem eigenen Netz gefangen.

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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