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ZDF-Krimi „Helen Dorn“ : Konsequent gegen andere, aber nicht gegen sich selbst?

  • -Aktualisiert am

Wer steckt hinter dem Anschlag? Helen Dorn (Anna Loos) ermittelt im Fall des Jugendrichters Werner Kleinert (Heino Ferch, rechts). Bild: ZDF und Willi Weber

In der ZDF-Reihe „Helen Dorn“ gerät ein Jugendrichter in Gefahr, nicht nur wegen seiner Fälle. „Gnadenlos“ hat alles für einen spannenden Krimi, doch dann gerät die Geschichte auf Abwege.

          Sobald das Gespräch auf jugendliche Straftäter kommt, werden zwei Positionen gegeneinander in Stellung gebracht – die derjenigen, die auf strafrechtliche Konsequenz pochen, und die der Mahner, die Strafen für kontraproduktiv halten und eher auf Prävention setzen. Der Jugendrichter, den sich Mathias Schnelting für die neue Folge der Krimireihe „Helen Dorn“ ausgedacht hat, will zu den Erstgenannten zählen. Hätte er einen anderen Beruf, würde man sagen: Er macht keine Gefangenen. Werner Kleinert (Heino Ferch), den die Minimalhaarlänge und das schnittige Auftreten als harten Hund kennzeichnen, ist konsequent.

          Die junge Frau beispielsweise, die auf der Anklagebank sitzt wie die Unschuld vom Lande, aber wiederholt durch Kaufhausdiebstähle auffiel, kassiert nach einer Standpauke Kleinerts sechs Monate Jugendarrest und fünfzig Sozialstunden. Das ist mehr als erwartet, der Verteidiger hatte mit Verweis auf den mittlerweile arrangierten Ausbildungsplatz um Milde gebeten. Aber nur Konsequenz wirke, schreibt ihm Kleinert hinter die Ohren.

          Bevor es interessant wird

          Dass er ob solcher Entscheidungen eine Flut von Hassmails bekommt, nimmt der Richter gelassen. Nach Dienstschluss will er sich damit gar nicht belasten. So sitzt er mit seiner Familie im Designer-Haus mit den großen Glasfenstern, durch die nun allerdings ein Molotow-Cocktail fliegt. Die Scheiben splittern genau in dem Augenblick, in dem sich Kleinerts Tochter Lisa (Caroline Hartig) über die Hausregel hinwegsetzt, bei Tisch nicht über Vaters Arbeit zu reden, und ihn seiner unverrückbaren Prinzipien wegen in die rechte Ecke zu stellen versucht. Zu Schaden kommt Gott sei Dank niemand.

          Diese Exposition könnte zu einem spannenden Kriminalfall führen, zumal die Polizei mit einem Anschlag auf den Richter rechnete und einen von Kleinert verurteilten Intensivtäter zur Fahndung ausschrieb. Das Buch des neuen, „Gnadenlos“ betitelten Falls der Düsseldorfer LKA-Ermittlerin Helen Dorn (Anna Loos) gibt aber leider nur vor, sich mit jugendlichen Straftätern und den Erfahrungen eines Jugendrichters zu befassen.

          Denn kaum ist das Thema auf dem Tisch, und das im wahrsten Sinne des Wortes – der Vater der LKA-Beamtin bringt bei einer Stulle Brot fachliche Einwände gegen „Richter Gnadenlos“ vor –, lenken uns Buch und Regie (Alexander Dierbach) auch schon weg von den womöglich rachsüchtigen Gegnern des Richters, zu denen ein Stricher und ein Drogenabhängiger gehören, dem Kleinert das Sorgerecht für seine Tochter entzog, auf eine andere Fährte.

          Eine Krankenschwester, die sich um Vater Dorn kümmern muss, formuliert es für Begriffsstutzige: „Jeder Mensch hat Geheimnisse.“ Für ganz Schwerfällige wiederholt die Kommissarin den Satz bei einer Dienstfahrt ins Bergische Land, wobei die Kamera von Markus Schott auch hier die Möglichkeit nutzt, einem konventionellen Krimi etwas Stil einzuhauchen. So bringt uns der Film bei, dass das Privatleben eines Jugendrichters interessanter ist als seine Arbeit. Die gute Nachricht lautet: Auch knallharte Richter haben ein Herz.

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