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Doku über Album der Beatles : Das Vermächtnis der Pilzköpfe wahren

  • -Aktualisiert am

Ein Standbild aus der Doku: Die Beatles in ikonographischer Uniform, daneben Howard Goodall. Bild: © Apple Corps Ltd.

Dieses Album ist eine Legende, ein Stück Pop-Geschichte. Eine Doku nimmt sich nun der Produktion von „Sgt. Pepper“ an, schafft neue Einblicke, wärmt aber auch alte Ansichten auf.

          Die zweite Hälfte der sechziger Jahre wird gerne als Goldenes Zeitalter der Popmusik gesehen. Eine ganze Reihe von Bands und Musikern hatte in dieser Zeit ihre Hochphase, zahlreiche Alben wurden veröffentlicht, die ganze Genres prägten. Glaubt man der Dokumentation „Sgt. Pepper’s Musical Revolution“ ist das Bild ein anderes: Vor der Veröffentlichung von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles war alles anders als danach. Und zwar nur wegen dieses Albums.

          Anlass für den Film ist der fünfzigste Jahrestag des Erscheinens von „Sgt. Pepper“ – in Deutschland kam die Platte am 30. Mai 1967 heraus. Durch die Geschichte führt Howard Goodall, ein britischer Komponist, der auch Film- und Fernsehmusik, unter anderem für Stücke mit Rowan Atkinson, produziert hat. Er beleuchtet das Album unter vier Ansätzen: Musik, Produktion, Texte und die Biographien der Bandmitglieder. Für ihn ist „Sgt. Pepper“ ein musikalisches Kaleidoskop der Innovation. Durch ungewöhnliche Instrumente, aufwendig kreierte neue Sounds und eigens entwickelte Studiotechnik habe „Sgt. Pepper“ neue Maßstäbe gesetzt.

          Trailer : „Sgt. Pepper’s Musical Revolution“

          Goodalls praktischer Ansatz klingt stets schlüssig, und er trägt seine Argumente charmant vor. Doch ist er auch etwas einseitig. Er lässt nämlich keine Kritik an den Beatles zu. Das zeigt sich etwa, wenn er versucht, bei den Songs „Lucy in the Sky with Diamonds“ und „Strawberry Fields Forever“ (das gar nicht zum „Sgt. Pepper“-Album gehört), jegliche Anspielung auf Drogen auszuschließen. Es gehe allein um Kindheitserfahrungen und Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“. Soll heißen: Die Beatles brauchten keine Drogen, haben auch nie welche genommen. Diese Schönfärberei passt zu einer Poprezeption, die darauf hinausläuft, dass „Sgt. Pepper“ zu groß, zu wichtig ist, als dass man es auch kritisch betrachten dürfte. Es ist eine Legende.

          Zu hören gibt es in der Dokumentation neben selten gespielten Originalaufnahmen oder Takes vieler Songs der Platte auch Gesprächsaufnahmen aus dem Studio, die sehr erhellend sind. Goodall macht den musikalischen Entstehungsprozess nachvollziehbar, er dechiffriert, was welcher der vier Beatles zu „Sgt. Pepper“ beigetragen hat. Dass „Sgt. Pepper“ ein „einzigartiges“ Werk ist, wird niemand bestreiten. Jeder Musikstil war erlaubt, Elemente aus Rock, Folk und indischer Musik kommen vor – ein „Konzeptalbum“ sondergleichen. Dass so etwas noch nie dagewesen sei, darf man allerdings bezweifeln. noch mehr lobpreisen zu können. Noch vor der Veröffentlichung von „Sgt. Pepper“ wurde die Musikwelt durch Alben wie „Blonde on Blonde“ von Bob Dylan oder „Pet Sounds“ der Beach Boys, das im Übrigen maßgeblicher Ansporn für „Sgt. Pepper“ war, bereichert.

          Aus Großbritannien kam „The Village Green Preservation Society“ der Kinks, ebenfalls ein Konzeptalbum, das sich mit dem Alltag der britischen Nachkriegsgesellschaft auseinandersetzte – genau wie viele Songs von „Sgt. Pepper“, etwa „She’s Leaving Home“. Dass die Beatles mit „Rubber Soul“ und „Revolver“ selbst schon genauso gute, wenn nicht bessere Alben veröffentlicht hatten, wird hier ebenfalls unter den Tisch gekehrt. „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ wurde auf Platz eins der Liste der besten 500 Alben aller Zeiten des „Rolling Stone“ gewählt. Es ist das Konsens-Album, dessen Ruf es zu wahren gilt. Die Dokumentation von Francis Hanly hat kein anderes Ziel. Er hat den musikhistorischen Tunnelblick und tut sich damit keinen Gefallen.

          Quelle: F.A.Z.

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