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Doku über Eric Carle : Was denn, schon satt?

Wer kennt sie nicht? „Die kleine Raupe Nimmersatt“ brachte Eric Carle 1969 heraus. Das Buch wurde millionenfach verkauft und in mehr als sechzig Sprachen übersetzt. Bild: Gerstenberg Verlag

Die Geschichte der Raupe Nimmersatt kennt jeder. Den Mann, der sie erfunden und Dutzende anderer Bilderbücher gezeichnet hat, nicht: Arte stellt den Autor Eric Carle vor.

          Natürlich beginnt es mit der „Raupe Nimmersatt“, dem weltweit bekannten und millionenfach verkauften Bilderbuch, das ausgiebig gezeigt und von seinem Schöpfer auch vorgelesen wird. Und gäbe es da nicht ganz zu Beginn auch das Versprechen, dem Künstler „über die Schulter“ schauen zu dürfen, würde man dieser knapp halbstündigen Dokumentation vermutlich nicht mehr besonders aufmerksam zuschauen. Denn der Arte-Film, für dessen Buch und Regie Mathias Frick verantwortlich zeichnet, bleibt lange im Erwartbaren: Nach der ausgiebigen Raupe-Nimmersatt-Schau sehen wir den Künstler Eric Carle auf dem heimischen Sofa und draußen in der Natur, eine Stimme aus dem Off erklärt, dass dessen Bücher „Kinder zum Träumen und Selbsterfahren“ einlüden und dergleichen mehr.

          Tatsächlich scheint der Film besonders auf diesen enormen Erfolg zu bauen und setzt ihn immer wieder ins Bild: Kinder umschwärmen den Künstler und seine Bilder, sie strahlen ihn an, und er lächelt zurück, er weiß, was er wert ist und dass er „in der Lage war, eine ganze Generation zu beeinflussen“ – wie er zufrieden, aber ohne jedes Anzeichen von Einbildung oder Arroganz sagt. All das ist nett anzuschauen, führt auf die Dauer aber nicht besonders weit, eher so, als müsste dieser Annäherung an den Künstler immer auch die Begründung dafür eingeschrieben sein, warum man so einen Film überhaupt macht.

          Der 1929 geborene Autor Eric Carle mit dem Bilderbuch, das ihn berühmt gemacht hat.
          Der 1929 geborene Autor Eric Carle mit dem Bilderbuch, das ihn berühmt gemacht hat. : Bild: dpa

          Dabei ist die Antwort ganz einfach, und der Film gibt sie auch, als er Carle nach einem knappen Drittel Laufzeit dann endlich in seinem Atelier zeigt. Wir sehen, wie er die farbigen Blätter vorbereitet, die er für seine Collagentechnik nutzt, wie er die Formen entwirft und auf Seidenpapier überträgt, das er beklebt und schließlich zusammenfügt. Und sympathischerweise mag Carle nichts von diesem Prozess ausdeuten. Stattdessen berichtet er von seinem deutsch-amerikanischen Lebensweg: Wie er, geboren in Syracuse, von seinen deutschstämmigen Eltern als Sechsjähriger im Jahr 1935 ausgerechnet nach Deutschland gebracht wurde – „politisch naiv“ nennt der Künstler, der demnächst seinen 88. Geburtstag feiern wird, seine Eltern. Und berichtet von dem autoritären Schulwesen, das er „gehasst und gefürchtet“ habe. 1952 folgte auf ein Kunststudium in Stuttgart endlich die Rückkehr nach Amerika, dann eine Zeit als Grafiker und schließlich die Erfolgsgeschichte des Bilderbuchillustrators, die mit dem in Zusammenarbeit mit Bill Martin entstandenen „Brauner Bär, wen siehst denn du“ anhebt.

          Sie geht einher mit einer gewachsenen Achtung für die Urheber von Kinderbüchern, die auch vor den Illustratoren nicht haltmacht. „Jahrelang haben wir Illustratoren die Originale weggeworfen, nachdem das Buch gedruckt war“, sagt Carle in diesem Film, und das ist tatsächlich inzwischen anders. Man muss dafür gar nicht bis nach Japan oder den Vereinigten Staaten schauen – in Troisdorf besteht seit 1982 ein entsprechendes Museum, das wächst und mit Sonderausstellungen zu den bedeutendsten Bilderbuchkünstlern auf sich aufmerksam macht. In London zeigt das „House of Illustrations“ seit drei Jahren ebenfalls, was für großartige Arbeiten auf diesem Feld entstanden sind.

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          Carle selbst hat mit seiner Frau eine entsprechende Einrichtung in Amherst gestiftet, die Dokumentation zeigt ihn auch hier und lässt die Kuratorin zu Wort kommen, leider nur mit der Beschreibung des Alleraugenfälligsten: Farben bestimmten das Werk des Künstlers, der ansonsten die „Reduktion auf das Wesentliche“ pflege. Auch Fricks Film beschränkt sich. Ob dabei das Wesentliche übrigbleibt, sei dahingestellt.

          Dokumentation : „Die Raupe Nimmersatt - Der Bilderbuchkünstler Eric Carle“

          Die Raupe Nimmersatt – Der Bilderbuchkünstler Eric Carle, am Sonntag, 11. Juni, um 11.30 Uhr auf Arte.

          Quelle: F.A.Z.

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