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TV-Film „Für immer dein“ : Ein altes Paar kämpft um sein Glück

  • -Aktualisiert am

Hier fangen wir neu an: Craig (James Cormwell) und Irene (Geneviéve Bujold) haben noch Pläne. Bild: ARD Degeto

Irene und Craig wollen ihr Alter in Würde verbringen. Und so baut der alte Herr für seine demenzkranke Frau ein neues Haus. Dafür muss er vor Gericht aber erst einen Paragraphenreiter besiegen.

          Das muss die Sonnenseite des Provinzlebens sein: Tausende Meilen von den Sägewerken eines „Twin Peaks“ entfernt. Die Herbstsonne ruht auf den Feldern. Die Menschen sind freundlich und gut. Und Craig erst, dieser stattliche Mann, hat nie vergessen, dass die Frauen in New Brunswick von einem echten Kerl sowohl das Baumfällen wie das Süßholzraspeln erwarten. Er und Irene haben eine Glückssträhne, sagen sie gern.

          Dabei wächst die Schönheit dieses Sätzchens, je mehr die beiden über die sechs gemeinsam verbrachten Jahrzehnte nachdenken. Sie haben einen Hof mit Rindern und Hühnern, ein Händchen fürs Erdbeerzüchten, Freunde zum Kartenspielen und sieben Kinder obendrein. Ein auch im Alter noch von gegenseitigem Verlangen erfülltes Paar.

          Wir bauen uns ein Haus

          Trotzdem beginnen Craig und Irene, die im kanadischen Spielfilm „Für immer dein“ von James Cromwell und Geneviève Bujold gespielt werden, als sei dies der bedeutsamste Film ihrer Karrieren, ein bisschen dem alten Ehepaar zu ähneln, das sich in James Camerons „Titanic“ auf dem Kabinenbett so innig umschließt. Irene wird von Gedächtnisausfällen geplagt, sie altert schnell, stürzt. Das nahe Ende wird beiden bewusst, auch wenn das nicht heißt, dass die Glückssträhne vorbei ist.

          Lässt sich nichts vorschreiben: Craig (James Cromwell).

          In dieser mühseligen, von der demonstrativen Zuversicht, die der Kitt aller guten Beziehungen ist, kaum noch zu überdeckenden Lage entschließt sich Craig zum Bau eines neuen Hauses, das den Bedürfnissen seiner körperlich wie geistig schwächer werdenden Ehefrau besser entspricht als der alte, von steilen Treppen und einer Vielzahl von Räumen bestimmte Hof.

          Hier beginnen wir die Mehrdeutigkeit zu verstehen, die im englischen Originaltitel des Films hervortritt: „Still Mine“. Denn der großgewachsene Craig baut das Haus nicht nur, um Irene das Leben im Heim zu ersparen und sein Versprechen zu halten. Ginge es allein darum, hätte der Farmer auch den Ratschlag befolgen können, den Hausbau in Auftrag zu geben, finanziert durch ein verkauftes Stück Land. Vielleicht hätte er gemeinsam mit den Kindern, sehr nett und respektvoll geratenen Menschen, denen er nicht zur Last fallen will, bald auch über andere Lösungen für den würdevollen Zieleinlauf nachgedacht.

          Das Alter ist keine Zwangsjacke

          Stattdessen vergewissert sich der Siebenundachtzigjährige mit dem eingeschössigen Bau auch noch einmal der eigenen Gesundheit und, was noch wichtiger ist, der eigenen Selbständigkeit: „So wie ich das sehe, ist das Alter zwar ein Hindernis, aber keine Zwangsjacke.“ Er fährt mit dem Traktor hinaus in den Wald, fällt und schneidet die Bäume, baut das Haus mit den eigenen Händen. Er sei der Sohn eines Schiffsbauers, wirft er Skeptikern entgegen, er habe den Umgang mit Hölzern gelernt, wie ihn Generationen von Männern gelernt hätten. Ein stolzer kanadischer Held: „Seit wann sind wir ein Land von Bürokraten?“

          Der Mann von der Bauaufsicht, ein Schreibtischtäter, der schon bei der Fahrt zur Baustelle den Schutzhelm aufsetzt, besteht dennoch auf Pläne, Zertifikaten und gestempeltem Holz. Als Craig sich über den Baustopp hinwegsetzt, droht der Bürokrat dem Senior sogar mit einer Gefängnisstrafe. Die Gerichtsverhandlung ist die erste Szene des Films - und der Höhepunkt, auf den „Für immer dein“ hinauslaufen wird. Michael McGowans Film ist damit nicht bloß eine anrührende, die mittlerweile doch recht zahlreichen Filme zum Thema Demenz („An ihrer Seite“, „Still Alice“, „Honig im Kopf“) ergänzende Elegie über das Altern, die Furcht vor der Leere und die Liebe bis zum Tod. Er ist, ohne süßlich zu werden, ein Loblied auf jene, die das Gute im Gestern in sich tragen. Oder wie die „Globe and Mail“ über die wahre Geschichte schrieb, die dem Film zugrunde liegt: „Ein abschreckendes Beispiel für die unglaubliche Macht des Staates über den Einzelnen im Zeitalter der allgegenwärtigen Bürokratie.“ Der echte Craig Morrison, den der Regisseur als „Jimmy Stewart kind of guy“ erlebte, starb 2013 im Alter von 93 Jahren. Wenige Monate vor seiner Frau.

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