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ARD-Vorsitzende zieht Bilanz : Auftrag erfüllt?

„Vielen Dank, dass sie uns so intensiv begleitet haben“: Karola Wille gibt den Vorsitz der ARD nach zwei Jahren turnusgemäß ab. Bild: dpa

Wenn die ARD eine Pressekonferenz hält, bleibt manches offen, auch wenn die Vorsitzende Karola Wille Bilanz zieht: Was ist mit Jörg Kachelmann? Wie viel kosten die Fußballrechte? Und: Was ist eigentlich der Auftrag der Sender?

          In den Duktus von Pressekonferenzen der ARD hat sich Florian Hager, der Geschäftsführer des öffentlich-rechtlichen Internetangebots „funk“, schon ganz gut eingefunden. Dieser Duktus besteht darin, nach langen Vorträgen über die Erfolge des Senderverbunds auf Nachfragen auf ebenso freundliche wie umständliche, gern auch langatmige Weise nicht zu antworten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Auf die Erkundigung nach der Aktion „Scheisswerbung“ zum Beispiel, mit welcher „funk“ in kurzen Videofilmen für sich warb. Die Filme des mit 45 Millionen Euro pro Jahr aus dem Rundfunkbeitrag finanzierten Netzwerks machen sich über die Werbung der anderen in aggressiver Weise lustig. Was zumindest insofern nicht ohne Ironie ist, als auch ARD und ZDF Werbung machen – im Radio, im Vorabendprogramm des Ersten und bei Fußballübertragungen. Als Wink mit dem Zaunpfahl konnten die Aktion „Scheisswerbung“ aber vor allem jene empfinden, die ihre journalistischen Produkte – auch – über Werbung finanzieren. Das aber sei nicht intendiert gewesen, sagt Florian Hager auf der Pressekonferenz der ARD am Mittwoch in Leipzig, und die Verlage habe man auch nicht gemeint: „Verleger sind keine Gegner.“ Was die Eigenwerbung mit der „Scheisswerbung“ gekostet hat, will Hager indes nicht verraten.

          Damit folgt er dem Beispiel von Volker Herres, dem Programmdirektor des Ersten, der auf zwei Fragen eine klare Antwort schuldig bleibt. Die eine lautet, ob es bei der Deckelung des Sportrechte-Etats von 250 Millionen Euro pro Jahr bleibt, wo die ARD doch die Rechte am DFB-Pokal, der Bundesliga, der EM, der WM und neuerdings der umstrittenen „Nations League“ (für angeblich 120 Millionen Euro) hält? 250 Millionen Euro seien der „Durchschnittsetat“ in den kommenden vier Jahren, sagt Herres und verweist auf die Mifrifi (mittelfristige Finanzplanung). Angesprochen auf den Fall des vom Vorwurf der Vergewaltigung gänzlich freigesprochenen Wettermoderators Jörg Kachelmann, sagt Herres: „Wir mussten auf seine Dienste verzichten.“ Ob man diese nun, nachdem Kachelmanns Geschichte geklärt ist und ein Zivilgericht abermals die Falschbeschuldigung festgestellt hat, wieder in Anspruch nehmen könne? Kachelmann sei für die ARD nicht tätig, und er sehe nicht, dass man jemand anderen für ihn rauswerfen solle, sagt Herres. Er habe „großen Respekt“ vor Kachelmanns Schicksal. Der Moderator habe kein Auftrittsverbot, man werde ihn behandeln wie jeden anderen auch, „es gibt keinerlei Vorwürfe in seine Richtung“. Das war und ist freilich gar nicht die Frage, die lautet vielmehr, ob die ARD mit Blick auf den Moderator nicht so etwas wie eine moralische Verpflichtung habe und wie die Antwort auf Kachelmanns öffentliches Ersuchen um eine „letzte“ Wetteransage von ihm ausfalle.

          Dass Herres bei dieser Gelegenheit den Spieß herumdreht, spricht für sich und ist charakteristisch für das Ritual (in dessen Liveübertragung wir uns zugegebenermaßen mit etwas Verspätung eingeschaltet haben). Es haftet ihm etwas Politbürohaftes an, man muss zwischen den Zeilen lesen oder sich mit Ungefährem zufriedengeben und sich in die eigentümliche Sprache erst einmal hineinhören. Was sagt die ARD-Vorsitzende Karola Wille auf die Frage, wie der Senderverbund zur Haltung der Politik stehe, den Rundfunkbeitrag stabil zu halten? Sie verweist auf eine löchrige Formulierung der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die Bundesländer seien bemüht, den Rundfunkbeitrag „relativ“ stabil zu halten, und sagt: „Welcher Beitrag 2021 dem Auftrag entsprechen würde“, lasse sich heute noch nicht sagen. Dass es auf den „Auftrag“ (und dessen Reichweite) ankommt, hat die Rundfunkpolitik inzwischen begriffen. In den nächsten Wochen werden wir erfahren, ob sie den über die Jahre immer unbestimmteren Grundversorgungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen neu definiert und wo das hinführt – zu einem höheren Rundfunkbeitrag und dem Apparat, den wir kennen, oder zu etwas anderem.

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          „Vielen Dank, dass Sie uns so intensiv begleitet haben“, sagt die ARD-Vorsitzende Karola Wille zum Schluss. An ihr hat es am wenigstens gelegen, dass die ARD nach wie vor einen, sagen wir mal, etwas statuarischen Eindruck macht und in der Auseinandersetzung mit den Verlagen um das Verbot „presseähnlicher“ Angebote im Internet nicht ansatzweise das Signal sendet, sie wolle den Standpunkt ihrer Kontrahenten überhaupt nur verstehen. Vom 1. Januar an konzentriert sich Karola Wille wieder auf ihren Job als Intendantin des MDR. Den Vorsitz der ARD übernimmt Ulrich Wilhelm, der Intendant des Bayerischen Rundfunks. Seine Zeit als Sprecher der Regierung Merkel in den Jahren 2005 bis 2010 wird als glanzvolle Kommunikationsleistung gerühmt. Auf seine Zeichensetzung darf man gespannt sein.

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