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EM-Bildregie der Uefa : ARD und ZDF suchen einen Prügelknaben

Solche Bilder zeigt die Uefa nicht: Ein russischer Fan greift im Stadion einen Anhänger der Engländer an. Bild: Imago

ARD und ZDF beschweren sich über die Bildregie der Uefa bei der Fußball-EM. Die Klage ist scheinheilig. Mit einem Riesentross angereist, sollten die Sender sich selbst zu helfen wissen.

          Prügelnde russische Hooligans, die im Stadion von Marseille auf englische Fans losgehen? Ein kroatischer Flitzer, der nach Luka Mordics Treffer gegen die Türkei auf den Rasen stürmt, vorbei an Ordnern und Sicherheitsleuten? Wird nicht gezeigt. Das gibt kein gutes Bild ab vom Milliarden-Unternehmen Euro 2016. Teuer ins Fernsehen verkauft, soll die EM nur von ihrer Glanzseite zu sehen sein - zumindest, wenn es nach dem Willen ihres Veranstalters geht. Und nach dem Willen des europäischen Fußballverbands Uefa geht es.

          Vom Anpfiff bis zum Abpfiff liefert sie den Sendern die Bilder. Da kommt Krawall im Stadion nicht vor. Ist das nicht Zensur? ARD und ZDF sind mit der Bildauswahl nicht zufrieden und haben Beschwerde bei der Uefa eingelegt. Die nämlich ist als „Host-Broadcaster“, wie es so schön heißt - also als Gastgeber und Sender in Personalunion - nach Angaben der Sender vertraglich gehalten, „alle relevanten und die Öffentlichkeit interessierenden Bilder anzubieten“. Was aber ist relevant? Was von öffentlichem Interesse? Die Uefa sagt klipp und klar: „Wir wollen nicht, dass Szenen von Gewalt im Fernsehen zu sehen sind.“

          Die Uefa hat die Regie

          Also gibt es sie auch nicht zu sehen, zumindest solange das Spiel läuft und die Uefa die Bildregie führt. Nur vor und nach dem Spiel und in der Halbzeitpause können ARD und ZDF mit eigenen Bildern aufwarten und die „journalistisch relevanten Szenen zeigen“, die der ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz von der Uefa fordert. Die gerät jetzt vielleicht etwas unter Druck, verweist aber darauf, dass sie mit Bildern von Gewalttaten nicht noch Nachahmer anstiften wolle.

          Um jeden Preis den schönen Schein wahren? Das Argument überzeugt nicht wirklich. Man muss Gewalt nicht sensationalistisch abbilden, sollte aber auch nicht so tun, als gäbe es sie nicht. Die Uefa zeigt indes, dass sie am längeren Hebel sitzt und Herr der Bilder bleibt, welche die Sender bloß transportieren. Sie sind nicht journalistische Beobachter, sondern Mitveranstalter, deren Rechnung, sieht man vom Informationsdefizit ab, aufgeht: Das Spiel Deutschland gegen die Ukraine haben am Sonntag 26,5 Millionen Zuschauer gesehen. Beim Spiel Deutschland gegen Polen will das ZDF mit zehn eigenen Kameras im Stadion sein. Um journalistische Bilder zu liefern.

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          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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