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Texte statt Videos : ARD gibt zweifelhafte Online-Studie heraus

Bild und Ton sind nicht genug, Text soll es sein: Mikrofone bei einer Pressekonferenz Bild: dpa

Die Öffentlich-Rechtlichen machen der Presse online Konkurrenz. Eine Studie soll belegen, warum das sinnvoll ist – und verbiegt dafür die Realität.

          Zu den Beratungen der deutschen Medienpolitik über den neuen Rundfunkstaatsvertrag und insbesondere die Frage, wie ARD und ZDF künftig ihre Online-Auftritte gestalten können, hat die ARD beim Institut „Goldmedia“ eine Studie in Auftrag gegeben, die zu einem Ergebnis kommt, das den Wünschen des Auftraggebers voll und ganz entspricht. Es lautet: Internetnutzer wollen, dass die ARD mehr Text anbietet. Es gebe „ein deutliches kommunikatives Bedürfnis der Nutzer von ARD-Angeboten, welches explizit einen Abruf journalistischer Texte beinhaltet“. Der „Anteil der öffentlich-rechtlichen Angebote am Online-Informationsmarkt“, heißt es weiter, sei „im Vergleich zu Presseangeboten gering. Eine verschärfte Wettbewerbssituation zwischen Pressemedien und den Online-Angeboten der ARD lässt sich nicht feststellen.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wäre dem so – dass ARD und ZDF der Presse im Internet mit ihren Informationsangeboten gar keine Konkurrenz machten –, hätte sich der seit Jahren andauernde Streit zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den Verlagen erledigt, wobei man hinzusagen muss: Es streiten sich Verlage und ARD, das ZDF setzt mit seinen Online-Auftritten stärker auf das bewegte Bild. Und es hätte sich auch die bislang bestehende Klausel im Rundfunkstaatsvertrag erledigt, dass die Online-Portale der Öffentlich-Rechtlichen einen „Sendungsbezug“ aufweisen müssen und nicht „presseähnlich“ sein dürfen. Fiele die Klausel, könnte die ARD texten, wie sie will.

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          Allerdings fußt die Behauptung der Goldmedia-Studie, ARD und ZDF seien für die Presse im Netz keine Konkurrenz, nicht auf den tatsächlichen Zugriffszahlen und Reichweiten der Seiten im Netz, sondern auf der Befragung von 1604 Nutzern von Informationsangeboten. Dadurch, so die Goldmedia-Ausarbeitung, könne gezeigt werden, „welche Wettbewerbsposition die ARD im Online-Informationsmarkt besitzt“. Ergebnis der Befragung: Die Mehrheit der Interviewten informiert sich täglich oder fast täglich bei Nachrichtenangeboten, Social-Media-Plattformen sind wichtig, und gefragt sind nicht Videos, sondern Texte. Die Marktanteile von ARD und ZDF am Online-Informationsmarkt seien – laut der Befragung der 1604 repräsentativ Ausgesuchten – gering: 9,5 Prozent bei der ARD, acht Prozent beim ZDF, die Presse komme insgesamt auf einen Marktanteil von 52,8 Prozent.

          Diese Einschätzung – aufgrund einer Umfrage die Marktverhältnisse bestimmen zu können – ist allerdings erstaunlich. Denn es gibt ja Zugriffszahlen, an denen man ablesen kann, wie viele Nutzer Online-Informationsportale haben. Nach der am meisten beachteten Rang- und Messfolge der IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern), die auch Zeitungs- und Zeitschriftenauflagen erhebt, liegt „Bild.de“ mit mehr als 330 Millionen „Visits“ für die Online-, Mobile- und App-Nutzung vorn (dies ist die Zahl vom März dieses Jahres, die auch bei Goldmedia aufgeführt wird). Es folgen mit großem Abstand „Spiegel.de“ und die Angebote anderer Pressehäuser.

          ARD und ZDF tauchen in der Rangliste nicht auf, weil diese sich auf Angebote beschränkt, die Werbung enthalten. Doch weist die ARD ihre Zahlen selbst aus und gibt damit einen Hinweis, wie die Kräfteverhältnisse wirklich (und nicht einer Umfrage nach) sind: Demnach kam das ARD-Netzwerk im Juni auf 229,8 Millionen Visits, ARD Online auf 132 Millionen, ARD.de auf 37 Millionen und tagesschau.de auf 69 Millionen. Mit diesen Zugriffszahlen würde die ARD im Vergleich mit den Presseangeboten auf dem Online-Informationsmarkt in den Top Ten landen und nicht unter „ferner liefen“. Insbesondere tagesschau.de hat dank der im Mai eingeführten neuen App einen großen Sprung gemacht und seine Zugriffszahlen verdoppelt – woran man erkennen kann, dass die Presseverlage diese Konkurrenz sehr zu Recht fürchten. Was die Goldmedia-Studie gekostet hat, ist übrigens Geheimsache. Auf die Frage danach hieß es: „netter Versuch“.

          Quelle: F.A.Z.

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