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ARD-Film „Stille“ Ein Mann, ein Berg, kein Echo

Star-Talkmaster auf Selbstfindungstrip: Der Film „Stille“ ist ein Missverständnis. Denn es wird ununterbrochen geredet - vor allem von Jan Fedder.

© NDR/Bernhard Berger Waldschrat wider Willen: Jan Fedder als Harry Cliewer

Es ist sicher nicht leicht, einen Film über die Stille zu drehen. Es gibt ja nicht viel, was dem Medium Fernsehen ferner läge als die völlige Abwesenheit von Tönen und Stimmen. Und doch kann man sich durchaus vorstellen, wie ein Film über Stille aussehen würde, auch ein Spielfilm. Man brauchte nicht nur Schauspieler, die so gut sind, dass sie allein durch Mimik und Gestik Stimmungen erzeugen können, man brauchte vor allem ein Drehbuch, das ihnen den Raum für diese Gesten zugesteht.

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Aber dieser Raum ist nicht da. Ob das daran liegt, dass der für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Christian Jeltsch die Romanvorlage von Tim Parks missverstanden hat, oder ob der für die Musik zuständige Stefan Bernheimer einfach dachte, er zeige mal, was er so für ein Repertoire hat, lässt sich kaum sagen und ist auch nicht entscheidend. Denn offensichtlich kam niemand der Beteiligten (also auch nicht die Redaktion, die diesen Film abgenommen hat) auf die Idee, dass man in einem Film, der „Stille“ heißt, nicht die ganze Zeit reden kann.

So aber geschieht es. Der formidable Jan Fedder, der in der Rolle des feisten Star-Talkmasters Harry Cliewer zumindest in den ersten zehn Minuten zeigen darf, was er kann, muss sich schon bald in nicht enden wollenden Selbstgesprächen üben. Kaum hat er das Buch in der Hand, das sein verlorener Sohn Alex (Florian Bartholomäi) über das verkorkste Leben mit dem erfolgreichen Vater geschrieben hat, kommen ihm Zweifel. Spät kommen sie, aber mit Macht.

Backflashs und pathetische Musik

Seine nächste Sendung nutzt er, um sich bei den Zuschauern „recht herzlich“ zu entschuldigen. Wofür genau, bleibt zunächst unklar, aber alsbald wird deutlich, dass er wohl alles meint - seine gesamte Talkmaster-Existenz mit ihren dümmlichen Witzen und seichten Gesprächen. Dann packt er seine Koffer und flieht nach Südtirol, wo seine verstorbene Tochter Angela (Anna Fischer) einst bei einem Selbstfindungstrip so etwas wie Frieden fand. Auf den hofft nun auch der Vater.

Aus dieser Reise in den Süden hätte eine schöne Geschichte werden können: ein Mann, ein Berg, kein Echo. Aber der Film unterbricht sich selbst durch unzählige Rückblenden, die viel zu ausführlich erzählen, wie es überhaupt so weit kam. Da sehen wir die tadellose Iris Berben in der Rolle der langjährigen Lebensgefährtin Amanda, die sich einst lieber einen Liebhaber nahm, als sich zu trennen. Wir sehen die Tochter auf dem Totenbett. Wir sehen die Tochter und den Sohn als kleine Kinder, die sich vor den streitenden Eltern in Sicherheit bringen. Wir sehen viele Details aus einem Leben, von dem wir uns schon dachten, dass es so oder so ähnlich ausgesehen hat. Aber was wir nicht sehen, das ist, was uns viel mehr interessiert hätte: Wie lebt einer mit diesen Erinnerungen? Und wie sieht er dann aus?

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Dass vor allem Jan Fedder, aber auch Iris Berben in der Lage gewesen wären, diese Geschichten auch ohne die Hilfe von Backflashs und pathetischer Musik zu erzählen, lässt sich in ganz wenigen Momenten dieses Films erahnen. Mehr als diese Ahnung gesteht uns „Stille“ (Regie und Kamera: Xaver Schwarzenberger) aber leider nicht zu.

Stille läuft am 13. Februar um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.

 
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