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ARD-Film „Lehrer am Limit“ : Guten Morgen, Frau Reschke

Lehrer sein - dagegen ist moderieren ein Pappenstiel: Anja Reschke Bild: NDR/Dirk Uhlenbrock

Was Lehrer aushalten und was sie leisten müssen, das wollte die NDR-Moderatorin Anja Reschke am eigenen Leib erfahren. Sie unternahm eine Abenteuerreise in die Bildungsrepublik Deutschland.

          Anja Reschke, die Moderatorin des NDR-Magazins „Panorama“ und von „Wissen vor 8“, hat eine Grenzerfahrung gemacht. Sie hat als Lehrerin volontiert, in Hamburg-Wilhelmsburg, an einer Gesamtschule, „wie es sie in Großstädten dutzendfach gibt“, wie es in ihrem Film heißt, der heute Abend im Ersten läuft. „Lehrer am Limit“ heißt ihr Stück, und darum geht es: um die Überforderung, die es bedeutet, Schülern, die ganz unterschiedliche, oft genug gar keine Voraussetzungen mitbringen, Schulstoff zu vermitteln und fit zu machen für eine Gesellschaft, die sich noch nicht darauf verständigt hat, wie groß diese Aufgabe ist.

          Im Unterricht geht es rund

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Aufgabe liegt jenseits dessen, was Lehrer früher zu leisten hatten. Sie haben es heute mit Kindern zu tun, denen lernen, in die Schule gehen, sich konzentrieren schwerfällt. 22 Kinder sitzen in der sechsten Klasse, die Anja Reschke besucht, sechs haben massive Lernschwierigkeiten und brauchten eigentlich Einzelbetreuung. Nur zu Beginn des Unterrichts scheint die Welt noch in Ordnung, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Lehrerinnen brav begrüßen: „Guten Morgen, Frau Zimmermann, guten Morgen, Frau Reschke.“ Schon bald danach geht es rund. Um bestimmte und um unbestimmte Artikel geht es. Eine Aufgabe, die in fünf Minuten zu bewältigen wäre, hat die Klasse auch nach zwanzig Minuten noch nicht hinter sich gebracht.

          Die Resistenz einiger sprengt den Unterricht für alle, die Schüchternen, Wissbegierigen geraten an den Rand. Ein Schüler spielt mit seinem Handy, bekommt eine „Auszeit“ – er soll ins nächste Zimmer zu den Sozialpädagogen gehen -, ignoriert aber jeden Tadel und lässt sich von der Lehrerin nichts sagen. Annehmen, das wird Anja Reschke klar, will dieser junge Mann von den Lehrerinnen nichts. Und Sanktionen haben sie nicht zur Hand, schlechte Noten bewirken nichts, Sitzenbleiben wurde in Hamburg abgeschafft. Und es soll ja auch gar nicht darum gehen, Druck auszuüben, sondern die Kinder fürs Lernen zu öffnen. Leicht gesagt, schwer getan, eine Herkulesaufgabe, für die es Nerven aus Stahl braucht.

          Faule Säcke?

          Die Eltern kümmern sich nicht, von den Lehrern wird erwartet, dass sie Sozialarbeit leisten – im Unterricht und auch noch danach, in ihrer Freizeit, wenn es zum Hausbesuch geht, um herauszufinden, warum ein Schüler so selten zum Unterricht erscheint. Das Schulmaterial eignet sich nicht für den Unterricht, die Lehrerinnen müssen sich selbst etwas zusammenkopieren. So sieht er aus, der Schulalltag in Deutschland, von dem Bildungspolitiker landauf, landab nicht Notiz nehmen. Hehre Ziele werden formuliert (Inklusion), alle sollen etwas lernen, niemand soll verloren gehen. Doch leisten sollen das die Lehrerinnen und Lehrer, von denen es zu wenige gibt und von denen zu viel erwartet wird. Hat Gerhard Schröder - da war er noch Ministerpräsident in Niedersachsen - nicht  einmal von Lehrern als „faulen Säcken“ gesprochen? Jede Wette: Der Ex-Kanzler, Ad-hoc-Wahlkämpfer und Berater russischer Konzerne wäre nach einer halben Stunde in einer Klasse wie derjenigen, die Anja Reschke besucht, fix und foxi und platt und eines Besseren belehrt.

          Kämpferisch, aber ausgebrannt, eben „am Limit“, so wirken die Lehrer/-innen, die Anja Reschke in ihrer Reportage begleitet. „Kann man alle gesellschaftlichen Herausforderungen einfach in Schulen abladen?“, fragt sie am Ende. Kann sich unsere Gesellschaft leisten, Kinder einfach aufzugeben?
          Man kann es nicht, aber es geschieht. Lehrer und Schüler wissen ein Lied davon zu singen.
           

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