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ARD-Film „Krügers Odyssee“ : Im Karohemd nach Ithaka

  • -Aktualisiert am

Fritz Roth, Horst Krause und Jörg Gudzuhn (von links) spielen Gestrandete. Bild: ARD Degeto/Stephanie Kulbach

Klischees wie bei den alten Griechen: Der zweite „Krüger“-Film mit Horst Krause schickt seine Heroen im Rentenalter auf eine Odyssee durch Griechenland.

          Sage uns, Muse, wie schafft es diese brummelnde Wonnekugel bloß, den abgeschmacktesten Einfällen eine Aura des Märchenhaften zu verleihen? Horst Krause, Deutschlands bekanntester Hosenträgerträger, ist nicht nur der Star, sondern auch der Rettungsanker der nun offenbar zur Serie ausgewalzten „Krüger“-Bekehrungsfilme der ARD. Sein authentisches, in sich ruhendes Spiel wirkt wie ein begütigendes Herabschauen auf das altbackene Drehbuch, das abermals von Regisseur Marc-Andreas Bochert stammt (Mitarbeit Ulla Ziemann). Dank Krauses minimalistischer Komik bekommt die Dramaturgie aber meist die Kurve, und manchmal ist da sogar ein kleiner Zauber.

          Gesetzt ist der Kulturzusammenstoß. Nachdem Paul Krüger, ein misslauniger, jedoch herzensguter Rentner, vor drei Jahren in „Krüger aus Almanya“ seine Stammtisch-Vorurteile gegenüber Türken abbauen durfte – die Enkeltochter Annie plante die Ehe mit einem Osmanen –, sind dieses Mal die Griechen dran, diese „faulen Säcke“, wie es Frühschoppen-Kumpel Ecki (Jörg Gudzuhn) auszudrücken pflegt: „Den ganzen Tag in der Sonne liegen, aber immer schön die Hand aufhalten.“ Dem Dritten der angejahrten Bierphilosophen, Besserwisser Bernd (Fritz Roth), fällt immerhin auf, dass Eckis Existenz damit ebenfalls recht treffend umschrieben ist.

          Dass die drei Eckkneipenhelden bald Hellas unsicher machen, hat einen mühselig ausgedachten Grund: Die schwangere Annie (die anders als im ersten Film von Anna Hausburg gespielt wird, was angesichts der Schlichtheit der Rolle nicht weiter auffällt) will zum Schrecken ihrer türkischen Verwandtschaft in spe die Hochzeit platzen lassen, wenn nicht ihr Vater Harald (Harald Schrott), der sich noch vor ihrer Geburt in Griechenland aus dem Staub gemacht haben soll, dabei ist. So wird der Rentner-Suchtrupp losgeschickt, wie einst Telemach Odysseus ausfindig machen sollte.

          Schon bald erlebt das Trio Abenteuer mit verführerischen Sirenen, einem einäugigen Fährmann und Heroen der Gastfreundschaft. Niemand verübelt den Deutschen, stets etwas zu meckern zu finden. Gereist ist man mit leichtem Gepäck: Krügers Koffer enthält drei Handtücher und drei große Gläser Bockwurst. Die Handtücher dienen dem Schutz der wertvollen Ware. Tatsächlich entwickelt sich zum Running Gag, dass man im Lande Platons zwar überall zu Gastmählern geladen wird, aber immer nur Gemüse und Weichtiere auf den Tisch kommen, nie ein ordentlicher Grillteller Akropolis.

          Ein kleines Zugeständnis an den inneren Schweinehund

          Auch sonst bewahrheiten sich viele knuffige Klischees: Fähren und Busse fahren, wenn nicht Streik ist, nach Gefühl; die Männer schlürfen pausenlos Kaffee vor Traumkulisse; wo immer es hakt, ist bald ein Verwandter mit Eseln oder Traktor zur Stelle. Mit dem echten Krisengriechenland, in dem es medizinische Versorgung nur noch gegen Bargeld gibt, hat das nichts zu tun. Wir sehen farbsatte Postkartenbilder, die vom griechischen Tourismusverband stammen könnten. Im Karohemd stolpert Krüger durch die Idylle, Ecki blüht amourös auf und Funktionswesten-Bernd steuert Studienratswissen bei. Den Tiefpunkt markiert die Persiflage auf eine in die Jahre gekommene deutsche Aussteigerkommune – Sitzkreis der Sitzgreise –, bevor die Handlung rund um ein atemberaubend gelegenes Metéora-Kloster etwas luftiger wird.

          Man kann den Plot kaum anders als armselig nennen. Und doch funktioniert die Komik einigermaßen, zumal man mit dem finalen Pathos diesmal vorsichtiger war. Der sich in Haralds Einsiedelei anbahnende Familienkonflikt, der weitgehend, aber nicht restlos überwunden wird, hat inmitten des Kitschs etwas Glaubhaftes. Dazu passt, dass Krüger bei allem Charisma ein Patriarch bleibt, der seine Tochter (Floriane Daniel), die als Sozialarbeiterin – reichlich plakativ – arabischen Flüchtlingen beizubringen versucht, dass Frauen in Deutschland frei entscheiden dürfen, im Zweifel herumkommandiert. Auch die Unbelehrbarkeit der erleichtert in ihre Tristesse zurückgekehrten Tüddel-Senioren ist ein kleines Zugeständnis an den inneren Schweinehund. Es gibt nun mal niemanden, der diesen inneren Schweinehund besser verkörperte als Horst Krause.

          Krügers Odyssee läuft an diesem Freitag, 5. Januar, um 20.15 Uhr im Ersten.

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