http://www.faz.net/-gqz-8vht4

ARD-Bauernschwank : Allein auf weiter Flur

  • -Aktualisiert am

Felix (Christoph Schechinger, rechts) zieht nach einer gescheiterten Karriere als DJ wieder zu seinem Vater Johannes (Ernst Stötzner) aufs Land. Bild: ARD Degeto/Thorsten Jander

In harten Zeiten heißt es Durchhalten: Die ARD verarbeitet die Krise der Landwirte mit „Zwei Bauern und kein Land“ in einer urigen Komödie, verliert die Probleme aber nicht aus dem Blick.

          Zuletzt keulten sie mit Vierhebern aufeinander ein, die Politik und der Nährstand. Auf die manierlich gerüttelreimten Bauernregeln der Bundesumweltministerin - „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“ - antwortete der Deutsche Bauernverband rhythmisch leicht wackelig: „Schließt der Bauer Hof und Stall, brachten Umweltauflagen ihn zu Fall.“ Der Hintergrund ist ernst, schließlich geben immer mehr Kleinbauern ihre Höfe auf. Schuld ist vor allem der unerbittliche Konkurrenzkampf, den nur Großbetriebe und Agrarkonzerne gewinnen können.

          Es wäre leicht, einen deprimierenden Film über dieses Thema zu produzieren. Aber es erfordert einiges an Talent, das Bauernsterben in einer urigen Komödie zu verarbeiten, ohne die Probleme aus dem Blick zu verlieren. Eine der ersten Szenen von „Zwei Bauern und kein Land“ ist tatsächlich Mais auf weiter Flur, durch den sich ein Landwirt in verboten rustikaler Schrottlaube fräst, um einer Polizeikontrolle zu entgehen: Dieses eine Mal gewinnt der Hamster.

          Balance zwischen Tragik und Komik

          Die Autoren Jakob Hein und Robert Krause haben ihr trotziges Heugabelmärchen in einem mecklenburgischen Provinznest angesiedelt. Das Geheimnis ist eine Art dramaturgische Fruchtfolge: Auf jeden ökonomischen Rückschlag folgt eine freche Selbstbehauptung. Die beherzte Regie von Sibylle Tafel kontrastiert in passender Weise farb- und sonnensatte Bilder, die der Wellness-Optik üblicher Landromanzen folgen, mit einer Handlung, die eigentlich von Ausweglosigkeit handelt.

           Die Dorfpolizistin Marie (Theresa Scholze) hat ein Auge auf Felix geworfen.

          Manches romantische Zugeständnis an den leichten Unterhaltungsfilm gibt es dann doch, aber über diese Momente tragen einen die wunderbaren Schauspieler locker hinweg, allen voran Ernst Stötzner als herrlich verstockter Bauer Johannes und die wie immer traumsicher über den schmalen Grat zwischen Tragik und Komik balancierende Katharina Thalbach als Bürgermeisterin und des Bauern resolute Immer-noch-Ehefrau. Diese, Katrin mit Namen, hat sich zwar von ihrem wirtschaftlich längst erledigten Mann getrennt, doch ignoriert Johannes halbwegs erfolgreich den einen wie den anderen Umstand, hält als knorriger Charmeur und als des Dorfes letzter Kleinbauer wacker durch, bis dann eines Tages die Hydraulikpumpe des Mähdreschers den Geist aufgibt und das Schicksal zuschlägt.

          Bauernschläue trifft Investorengerissenheit

          Just an diesem Tag nämlich wird Felix (Christoph Schechinger), der landflüchtige Sohn von Johannes und Katrin, aus dem Gefängnis entlassen, ein ebenbürtiger Dickschädel. Der hat es als DJ zu nichts gebracht und zieht ohne große Worte einfach wieder beim Vater ein, repariert unter folgenreicher Mithilfe der hübschen Dorfpolizistin (Theresa Scholze) den defekten Mähdrescher und mäht und mäht und mäht.

          Er weiß freilich nicht, dass der Acker, den er da wegfrisiert, gar nicht mehr der Familie gehört. Johannes nämlich hat just an diesem Morgen - Die Schulden! Das schrottreife Arbeitsgerät! Der Sohn! - die Reißleine gezogen und sein Land an den einzigen Großbauern des Dorfes (Hans-Uwe Bauer) verkauft, einen gerissenen Fuchs, der auch noch Fuchs heißt und zufälligerweise immer schon scharf auf Katrin war. Weil der neue Besitzer keine Anstalten macht, das gekaufte Land zu bewirtschaften, wittert Hannes, den ein Leben als Rentner nicht erfüllen würde („Wir wollen doch nicht den Rest unseres Lebens vor dem Fernseher verbringen“), eine letzte, nicht ganz legale Chance. Nun trifft Bauernschläue auf Investorengerissenheit, und schließlich hat die vielgescholtene große Politik einen ungewohnt sonnenüberglänzten Auftritt.

          Dass der Handlungsbogen allzu komplex wäre, lässt sich kaum behaupten. Im Vordergrund steht hier aber auch etwas anderes: eine köstlich kauzig und zugleich anrührend sensibel gespielte Verneigung vor allen Kämpfernaturen, die auch dann nicht aufgeben, wenn das Spiel kaum noch zu drehen ist. Realitätsverweigerung als Chance, das mag nur im Märchen funktionieren, aber eine schöne Botschaft ist es doch: Wer für uns die Ähren drischt, den killt auch diese Krise nicht.

          Weitere Themen

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Topmeldungen

          Mays Position nach dem Deal : Der Brexit macht einsam

          Premierministerin Theresa May verliert immer mehr Rückhalt. Nicht nur ein geordneter Brexit, auch ihre eigene Zukunft steht jetzt auf dem Spiel. Kann sie das verkraften?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.