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Arabische Reaktionen auf Norwegen Der Kreuzritter

27.07.2011 ·  Der „Kreuzzug gegen den Islam“, den der Attentäter Anders Breivik als Motiv angibt, bewegt die arabische Welt. Der Massenmörder liefert Extremisten die Bestätigung für ihre gebetsmühlenartig wiederholte These.

Von Joseph Croitoru
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In der arabischen Welt haben die revolutionären Umwälzungen und deren erste demokratische Früchte die Hoffnung keimen lassen, dass militante Islamisten sich künftig schwerer tun, Anhänger zu rekrutieren. Der Doppelanschlag in Norwegen könnte aber eine gegenteilige Entwicklung begünstigen. Denn der Massenmörder Anders Breivik, der sich als Tempelritter in Szene setzt, liefert den Extremisten die Bestätigung für ihre gebetsmühlenartig wiederholte These, dass sich der Westen auf einem Kreuzzug gegen den Islam befinde.

Tatsächlich dominiert dieser Aspekt auch die Berichterstattung arabischer Medien. Dort hatte man sich zunächst zu Recht darüber erregt, dass im Westen in den ersten Stunden nach den Schreckenstaten reflexartig muslimische Terroristen dafür verantwortlich gemacht wurden. Dementsprechend ähneln sich nun jene Hauptschlagzeilen der arabischen Presse, in denen Breiviks Aufrufe zum Kampf gegen die „Islamisierung“ Europas mit vielen Ausrufezeichen versehen sind. Von dem von ihm angestrebten „Kreuzzug gegen den Islam“ ist hier zwar wiederholt die Rede. Doch in den Redaktionen der arabischen Blätter, die vor allem mit den blutigen Vorfällen in den eigenen Ländern befasst sind, ist man sich der möglichen negativen Auswirkungen solcher Schlagzeilen bewusst.

Gegen den Islam - gegen den Marxismus?

So ist man sichtlich bestrebt, auch andere Beweggründe des norwegischen Terroristen hervorzuheben. Die in London erscheinende saudische „Al-Sharq Al-Awsat“ zitiert auf ihrer Titelseite den Täter mit der Aussage: „Mein Ziel ist der Kampf gegen den Islam und den Marxismus.“ Frommen muslimischen Lesern dürfte diese Schlagzeile und damit das Täterprofil befremdlich vorkommen, gilt doch gerade gesetzestreuen Muslimen nicht anders als den islamischen Fundamentalisten der Kommunismus als Erzfeind.

Video: Vater Breivik - "Anders hätte sich umbringen sollen"

Einen recht gemischten Eindruck vermitteln die Reaktionen saudischer Leser, die auf den Internetportalen einheimischer Regierungsblätter wie „Al-Medina“ oder „Al-Riyadh“ ihrem Entsetzen über das Massaker Luft machen. Einige sehen die Tat als logische Folge der, wie sie es bezeichnen, westlichen „Kampagne gegen den Islam“, die darauf ziele, friedliche Muslime zu Terroristen zu stempeln. Andere charakterisieren den Mörder als „Rassisten“, fordern seinen Tod oder hoffen, dass er bald zur Hölle fahre. Doch zumindest einem Leser von „Al-Riyadh“ kommt Breiviks Vorgehensweise recht bekannt vor.

Zwist zwischen den Religionen

Der Mann, konstatiert er, sei zweifelsohne ein Schüler von Al Qaida und der Taliban. Bei den Leserreaktionen taucht zudem ein Aspekt auf, der in der arabischen Berichterstattung immer wieder durchschimmert - die erklärte pro-israelische Haltung des Attentäters. Tatsächlich erscheint es manchem arabischen Leser plausibel, ihn als „rechten Christen, der wie ein jüdischer Extremist denkt“, einzustufen, dessen Ziel sei, Zwist zwischen den Religionen zu säen - genau das jedoch müsste von den Europäern mit noch schärferen Gesetzen gegen Rassismus verhindert werden.

Der Kolumnist Mustafa al Sawaf, der für die Zeitung „Felesteen“ der im Gazasteifen herrschenden palästinensischen Hamas schreibt, verurteilt den Terrorakt als antiislamisch und bringt ihn mit Europäern in Verbindung, die er als rassistisch ansieht. Über den Antimarxismus Breiviks verliert der Hamas-Kommentator kein Wort. „Felesteen“ hat nämlich den Marxismus gerade für sich als Feind wiederentdeckt. Gegenstand der jetzigen Hetzkampagne des Blatts sind linksorientierte palästinensische Organisationen, die angeblich den nationalen Versöhnungsprozess sabotierten.

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