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Anonymous Barrett Brown : Märtyrer der Pressefreiheit oder Krimineller?

  • -Aktualisiert am

„Free Barrett Brown“: Mit Plakaten wie diesem fordern die Unterstützer des Hackers seine Freilassung. Bild: Free Barrett Brown

Barrett Brown galt als Sprecher des Hacker-Kollektivs Anonymous. Seit zwei Jahren sitzt er in Untersuchungshaft. Ihm drohen etliche Jahre Gefängnis. Warum eigentlich? Eine Spurensuche.

          Zwei Jahre, drei Monate, vier Tage. So viel Zeit in Untersuchungshaft hat, in Deutschland jedenfalls, zuletzt nur eine Person verbracht: Beate Zschäpe. Der Mann, der in den Vereinigten Staaten so lange in U-Haft sitzt, hat niemanden getötet oder verletzt. Er hat Texte geschrieben und Videos veröffentlicht. Sein Name ist Barrett Brown.

          Bis er verhaftet wurde, arbeitete Brown als Journalist und Autor. Als Edward Snowden sein Geld noch auf Hawaii verdiente, recherchierte Brown schon zu staatlicher Überwachung. Manchen galt er als neuer Hunter S. Thompson. Er schrieb Artikel für den „Guardian“ und für „Vanity Fair“, nahm Heroin und sich selbst ziemlich wichtig. 2012 wurde er verhaftet. Seither führt „Reporter ohne Grenzen“ den Dreiunddreißigjährigen als einzigen Journalisten, der in Amerika seiner Arbeit wegen inhaftiert ist. Ist er das?

          Anonymous' Gesicht

          Brown war nicht nur Journalist, er war auch Aktivist. Er galt als das Gesicht des Hacker-Kollektivs Anonymous, als Namhafter der Namenlosen. Er sah sich als „leitender Stratege“ des Kollektivs, der mitentschied, wen man online angriff, wann und warum. Oft wühlte er sich durch Daten, die von den Hackern erbeutet wurden. Deshalb und wegen eines Drohvideos steht er nun vor Gericht. Browns Geschichte ist ein Teil dessen, was manche als „Hackerkriege“ bezeichnen und er selbst als Informationskrieg: den Kampf Amerikas gegen Whistleblower, Informanten, Journalisten. Die Frage ist, ob Brown in diesem Krieg Kombattant war oder Zivilist.

          Anonymus-Demonstranten mit den typischen Guy Fawkes-Masken

          Wer ihn das fragen will, muss in einen Vorort von Dallas fahren, zur Bundesstrafanstalt Seagoville, einem riesigen Backsteinkomplex, umgeben von haushohem Stacheldraht. Im Gefängnis angekommen, öffnen sich, mit lautem Klacken der Metallriegel, die beiden Türen der Sicherheitsschleuse. In einem abgetrennten Bereich des Besucherraums sitzt Brown. Er trägt, wie alle hier, Orange. Sein Schädel ist fast kahlrasiert. Zum ersten Mal in seinem Leben ist Brown tatsächlich anonym. Die Begrüßung ist karg, aber das muss bei ihm nichts heißen. Er hält sich seine Arroganz als Markenzeichen. Kaum ist das Diktiergerät angeschaltet, legt er los. Er ist ein notorisch-texanischer Nuschler, was ihm allerdings hilft, die Fülle seiner Gedanken in angemessener Geschwindigkeit abzufeuern. Die Polizisten, die ihn festnahmen, nennt er Lügner. Das FBI „borderline-faschistisch“. Etablierte Journalisten: korrupt. Das ist die moralische Reiseflughöhe, die er im Gespräch kaum je verlässt. „Wenn meine Akten erst mal freigegeben sind, schreibe ich meine Geschichte auf“, sagt er. Bis das so weit ist, muss man es selbst tun.

          Satire zum Kreationismus

          Brown wird 1981 in Dallas geboren und wächst bei seiner Mutter auf. Sie meditiert mit ihm und schenkt ihm ein Notizbuch, in dem er seine Träume aufschreiben soll. Als junger Mann nimmt ihn sein Vater zu sich, ein Unternehmer. Sie gehen nach Tansania, Brown lernt schießen und jagen. 2000 kehrt er in die Staaten zurück und studiert ein paar Semester Kreatives Schreiben in Austin. In seinem ersten Buch, „Eine Horde Dodos“ von 2007, zerlegt er den amerikanischen Kreationismus satirisch in seine Einzelteile. Die Rezensenten jubeln, vergleichen ihn mit Mark Twain.

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