http://www.faz.net/-gqz-8v73u

Amerikas Presse : Harte Zeiten für Trump

„Democracy dies in darkness“: Mit dem Spruch soll der Amazon-Chef und Eigentümer der „Washington Post“ Jeff Bezos die Redakteure angespornt haben. Bild: dpa

Die „Washington Post“ und die „New York Times“ haben sich neue Werbesprüche ausgedacht. Darin sagen sie Donald Trump den Kampf an. Im Fall der „Post“ hat die Sache aber einen Haken.

          Die „Washington Post“ hat einen neuen Slogan. „Democracy dies in darkness“ lautet der Satz, mit dem die Zeitung einen Anspruch ausdrückt, wie man ihn pathetischer nicht formulieren kann. „Die Demokratie stirbt in der Dunkelheit“, das soll der Zeitungseigner, der Amazon-Gründer Jeff Bezos, im vergangenen Jahr vor Redakteuren gesagt haben, um sie anzuspornen, Licht ins Dunkel zu bringen, das sich mit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten nicht nur in den Augen der „Post“-Macher vergrößert hat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was für ein starker Satz vom Versandhauschef, für den er aber, wenn wir richtig nachgelesen haben, nicht das Copyright beanspruchen sollte. Das gebührt wohl eher Bob Woodward, dem legendären „Watergate“-Aufklärer, der bis heute für die „Post“ wirkt. Vor fünfundvierzig Jahren brachte er gemeinsam mit seinem Kollegen Carl Bernstein durch die Aufdeckung der Watergate-Affäre den damaligen Präsidenten Richard Nixon zu Fall.

          Licht ins Dunkel bringen: Donald Trump beschert der „Washington Post“ viele neue Leser und Abonnenten.
          Licht ins Dunkel bringen: Donald Trump beschert der „Washington Post“ viele neue Leser und Abonnenten. : Bild: AFP

          Und so wie die beiden damals scheint man bei der „Washington Post“ die Lage und die eigene Rolle im Hier und Jetzt zu sehen. Das Statement vermittle den Lesern auf prägnante Weise, „wer wir sind“, sagte eine Sprecherin der Zeitung. Des Spotts mancher Kollegen, die fragen, ob es nicht auch eine Nummer kleiner und mit etwas weniger Drama gehe, darf sich die Zeitung freilich sicher sein.

          Andererseits tut Donald Trump alles dafür, dass man ihn für den „Terminator“ der Demokratie in den Vereinigten Staaten halten kann, wenn er „die Medien“ nicht nur als seine Feinde und die seiner Regierung, sondern als „Feinde des Volkes“ ausgibt. Da ist er rhetorisch von Recep Tayyip Erdogan nicht mehr so weit entfernt. Insofern haben „New York Times“ und „Washington Post“ Grund zur Sorge und zugleich Grund zur Freude, weil ihnen dieser Trump massenhaft neue Leser und Abonnenten beschert, und sie tun auch gut daran, ihre Mannschaften zu verstärken, die in Sachen Weißes Haus recherchieren, dessen Hüter Pressekonferenzen offenbar nur abhält, um Journalisten zu beschimpfen und möglichst oft „Fake News“ zu brüllen.

          „Harte Zeiten“: Auch die „New York Times“ hat sich einen neuen Werbespruch ausgedacht.
          „Harte Zeiten“: Auch die „New York Times“ hat sich einen neuen Werbespruch ausgedacht. : Bild: AFP

          Noch schöner wäre es allerdings, wenn die Heilsbringer-Attitüde, mit der Jeff Bezos oder der Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der kürzlich wieder ein „Manifest“ veröffentlicht hat, auftreten, sich mit ihrem Geschäftsgebaren deckte. Mit blumigen Bekenntnissen für eine schöne, friedliche Welt, in der es allen bessergeht, warten die Bosse der Silicon-Valley-Konzerne jedes Mal auf, wenn sie ihre Produkte unter die Leute bringen. Dabei geht es in Wahrheit um die möglichst rechts- und datenschutzfreie und steuergünstige Ausbeutung der digitalen Existenz aller Menschen und die Eroberung neuer Märkte auf allen Kontinenten. Demokratische Verhältnisse sind da einerlei. Auch in dieses Dunkel gilt es Licht zu bringen, ohne Tunnelblick und mit „All the News that’s fit to print“, wie der „New York Times“-Verleger Adolph Ochs seinerzeit sagte. Offenbar gejagt von der „Post“, kam die „Times“ am Donnerstag mit ihrem neuen Spruch um die Ecke: „The Truth is . . . Hard . . . Hard to find . . . Hard to know . . . More important now than ever“. Harte Zeiten für Donald Trump.

          Trumps Chefstratege : Steve Bannon ruft zum Kampf gegen die Medien auf

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Immer Ärger mit Donald

          Amerikas Präsident unter Druck : Immer Ärger mit Donald

          Eigentlich sollte es eine Woche der Triumphe werden – doch dann ging die Alabama-Wahl schief und Donald Trump hat mal wieder Ärger an allen Fronten. Immerhin ein Projekt des amerikanischen Präsidenten steht kurz vor der Vollendung.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Trotz geplatztem Deal : Lufthansa greift nach der Lufthoheit

          Auch nach der gescheiterten Übernahme des Air-Berlin-Ablegers Niki baut die Lufthansa ihre Stellung aus. Der Bund steht dagegen heftig in der Kritik.

          Kryptowährung : Bulgarien ist Bitcoin-Großbesitzer

          Bulgarien besitzt Bitcoin im Wert von fast drei Milliarden Euro. Damit könnte das Land fast 20 Prozent seiner Staatsschulden bezahlen. Es gibt nur einen Haken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.