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Amerikanische Literaturbeilagen Da waren's nur noch zwei

02.02.2009 ·  Schwere Zeiten für Amerikas Intellektuelle: Zeitungen wie die „Washington Post“ streichen ihre gedruckten Literaturbeilagen. Vom Auflagenschwund und sinkenden Werbeeinnahmen hart getroffen, können und wollen sie sich diese nicht mehr leisten.

Von Jordan Mejias, New York
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Schon zu Zeiten, als die legendäre Katharine Graham noch die Geschicke der „Washington Post“ bestimmte, war „Book World“, die jeden Sonntag erscheinende Literaturbeilage, ein Zuschussunternehmen. Das störte Mrs. Graham jedoch nicht im Geringsten. Der Rang einer Zeitung, befand sie, werde nicht zuletzt von ihren Buchrezensionen bestimmt. Daran soll es auch in Zukunft nicht ganz fehlen.

Statt in einem separaten, oft bis zu dreißig Seiten umfassenden Beiheft im Tabloidformat müssen die Leser künftig aber nach Buchkritiken in „Style & Arts“ und „Outlook“ suchen, zwei Zeitungsbüchern, die sich bisher nicht um Bücher kümmerten. „Book World“ wird eingestellt. Die „Washington Post“, wie andere amerikanische Zeitungen von Auflagenschwund und sinkenden Werbeeinnahmen hart getroffen, will dem Buch die Sonderstellung, die es jenseits aller wirtschaftlichen Erwägungen hatte, nicht länger zugestehen.

Man verweist aufs Internet

Für Amerikas intellektuelles Leben könnte das verheerend sein. Denn nach der Einstellung der „Book World“ bleiben als Literaturbeilagen nur noch die „New York Times Book Review“ und ein achtseitiges Heftchen, das der Sonntagsausgabe des „San Francisco Chronicle“ beiliegt. Die „Los Angeles Times“ hatte ihre angesehene „Book Review“ im vergangenen Sommer zum letzten Mal herausgebracht und ihre Leser damit vertröstet, dass sie über Bücher weiterhin in anderen gedruckten Teilen der Zeitung und in ihrer Onlineausgabe informiert würden.

Auch die „Washington Post“ verweist nun aufs Internet, wo ein Archiv all ihrer Buchkritiken untergebracht ist und darüber hinaus Nachrichten aus dem Verlagswesen ihren Platz finden und literarische Ereignisse im Raum Washington angekündigt werden sollen. Allerdings wird die Zahl der auf Papier erscheinenden Rezensionen, wie Chefredakteur Marcus Brauchli nicht eben ermutigend einschätzt, um mindestens ein Viertel sinken.

Kaum Respekt mehr für das Buch

Als Trostpflaster verabreicht Brauchli auch den Hinweis, die Buchkritiken dürften in „Style & Arts“ und „Outlook“, die einen größeren Leserkreis als „Book World“ ansprächen, nicht nur neue Leser, sondern viel mehr Leser finden. Zudem sollen Verlage, die ihr Werbebudget heutzutage lieber für verkaufsfördernde Plazierungen in Kettenbuchhandlungen ausgeben, mit neuen journalistischen Umgangsformen gegenüber Romanen wie Sachbüchern zurück in die Zeitung gelockt werden.

So mag die „Washington Post“ demnächst mit Artikeln aufwarten, die weniger einzelne Titel besprechen, als Geschichten über thematische Trends und literarische Verknüpfungen mit dem Zeitgeschehen erzählen. Das alles kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Buch, zwischen Kindle und Sony Reader ohnehin auch elektronisch in seiner Existenz bedroht, in den finanziell gebeutelten Zeitungen nicht mehr mit der Nachsicht und dem Respekt rechnen kann, die nötig wären, um es jeder Kosten-Nutzen-Rechnung zu entziehen.

Die „Book World“ wurde von der „Washington Post“ einst in den fernen sechziger Jahren ins Leben gerufen, musste dann im Wirtschaftsabschwung des Jahres 1973 ihren eigenständigen Auftritt einbüßen, gewann ihn jedoch im folgenden Jahrzehnt wieder. Eine dritte Geburt wird es für sie aber wohl nicht mehr geben.

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