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Amazons TV-Pläne : Punkrock für das Fernsehen

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Serie „Transparent“ mit Jeffrey Tambor: Amazon will „die besten Serien zeigen“, sagt Studio-Leiter Roy Price. Bild: dpa

In nur zwei Jahren haben die Amazon Prime Studios eine ganze Reihe beachtlicher Projekte aus dem Boden gestampft. Nun nimmt man den deutschen Markt ins Visier – und Woody Allen unter Vertrag.

          Aus der Nähe wirkt er weich, und beim Lachen schnellt seine Stimme nach oben. Dabei ist Roy Price ein gefürchteter Mann unter den Medienmachern und Senderchefs. Price leitet die Amazon Prime Studios. In ihnen entstehen Serien wie „Transparent“, „Hand of God“, „Tumble Leaf“ - und wird bald Woody Allen für Amazon seine erste Fernsehserie auflegen. Mit welchem Tempo aus dem Nichts ein Studio entstanden ist, das solche Projekte vorlegen kann, wundert selbst Price immer noch. „Wir haben erst vor gut zwei Jahren losgelegt“, sagt er, denkt aber schon einen Schritt weiter.

          Sein nächstes Ziel ist es, nicht nur Serien für den eigenen Streamingdienst zu produzieren, sondern auch zu verkaufen. Etwa an etablierte Fernsehsender. Dass die Leute in Deutschland nur Serien nach gewohntem Strickmuster sehen wollten, hält er für einen Mythos. Price, der sich gerne im weißen Unterhemd unter einer schwarzen Lederjacke zeigt, will ganz andere Saiten aufziehen. „Wir von Amazon sind Punkrock. Wir machen das neue Ding. Als Newcomer ist es genau das, was du tun musst. Wir sind der Sid Vicious der TV-Networks.“ Den deutschen Markt hat er fest im Blick. „Wir werden eine deutsche Serie drehen“, sagt er. „Egal, was das mit uns macht.“ Allein schon, um allen Bedenkenträgern zu beweisen, dass sie falschlägen.

          Eine Serie muss Staub aufwirbeln

          Warum es unbedingt Deutschland als Experimentierfeld sein soll, erklärt Amazons Europa-Chef Jay Marine: Amazon Prime verkaufe sich hierzulande so gut wie kaum irgendwo auf der Welt. „Wir wollen hier also auch das beste Subscription-Programm anbieten“, sei die Folgerung. Was das Beste ist, entscheidet Roy Price. Er habe noch nie ein Programm aus finanziellen Gründen gemacht, sagt er. Natürlich müsse eine Serie Zuschauer finden. Aber sie solle auch Staub aufwirbeln. „Wenn die Leute nur schauen, aber nicht darüber reden, ist das für uns uninteressant“, sagt er. Umgekehrt will er nichts zeigen, was nur Kritiker begeistert.

          Gefürchteter Mann unter Medienmachern und Senderchefs: Roy Price

          Unter diesen Vorzeichen lasten hohe Erwartungen auf Woody Allen. Man habe sich zunächst zufällig in Los Angeles getroffen, erzählt Price. „Als wir eine Idee hatten, traf ich ihn in seiner Bar in New York.“ Schnell sei die Sache klar gewesen. Jetzt schreibe Allen an den Drehbüchern. Die sechs bis zehn Folgen umfassende Serie soll schon von 2016 an zu sehen sein.

          Wenn Roy Price über das kommende Jahr redet, kommt er aus dem Schwärmen ohnehin nicht mehr heraus. Ein gerade abgedrehter Spike-Lee-Film werde auf Sendung gehen. Außerdem habe gerade Sony für Amazon die Serie „Mad Dogs“ fertiggestellt. Christina Ricci hat bei Amazon angeheuert, Steve Conrad dreht den Film „Patriot“, der Musiker Flea von den Red Hot Chili Peppers und Shaquille O’Neal werden in „High Stand“ dabei sein, und dann ist da noch „Man in the High Castle“, eine Ridley-Scott-Produktion, die das Gedankenspiel weiterführt, dass Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen und Amerika besetzt hätten. Amazon investiert, Amazon will „die besten Serien zeigen“, wie Price sagt. Die Zuschauer werden entscheiden, ob das gelingt.

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