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Amazon-Film : Abgefüttert, aber wie!

Geklickt wie Sau: Die Amazon-Internetseite Bild: dpa

Der Hessische Rundfunk gewinnt einen Gerichtsprozess um den kritischen Film „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“. Die Reportage hatte den Online-Giganten im letzten Jahr heftig in die Schlagzeilen gebracht.

          Für den Hessischen Rundfunk gestalten sich die juristischen Auseinandersetzungen um den Film „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“, der vor knapp einem Jahr im Ersten lief, weiterhin erfolgreich. Das Oberlandesgericht Hamburg, so teilte der Sender am Dienstag mit, sei der Auffassung des HR gefolgt und habe eine Berufung des ehemaligen Amazon-Dienstleisters CoCo Job Touristik als unbegründet erachtet. Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht habe in der heutigen Verhandlung auf die Aussichtslosigkeit der Berufung hingewiesen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Daraufhin habe die Firma die Berufung zurückgezogen. Die CoCo Touristik, die für die Unterbringung von Amazon-Leiharbeitern zuständig war, hatte sich gegen den in dem Film zitierten Satz „Abgefüttert wie die Schweine“ gewendet. Diese Formulierung sei eine zulässige Meinungsäußerung, für die es ausreichend belegbare Hinweise gegeben habe, so der HR.

          Für den Satz gibt es Zeugen

          Der Film „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“  handelte vom Umgang mit Leiharbeitern bei dem amerikanischen Onlineversand. Dabei ging es auch um die Wohnverhältnisse und die Verpflegung der Arbeiter. Den von der CoCo Job Touristik angegriffenen Satz hatten die Filmautoren aus einer E-Mail zitiert, in der sich ein Zeuge dergestalt über Missstände geäußert hatte. Schon das Landgericht Hamburg hatte dem Hessischen Rundfunk im vergangenen Juni den Satz als zulässig zitierte Meinungsäußerung von Zeugen gestattet. Man habe die Vorwürfe zudem durch die Aussagen zweier weiterer Zeugen untermauert, hatte der HR seinerzeit mitgeteilt. Die einstweilige Verfügung, die zunächst gegen den Film ergangen war, hatte das Landgericht Hamburg aufgehoben.

          Der Film, so der HR,  dürfe also weiterhin unverändert gezeigt werden. Der Sender hatte sich zwischenzeitlich auch mit Erfolg gegen eine Presseerklärung der Anwälte der CoCo Job Touristik zur Wehr gesetzt, in der davon die Rede war, der HR habe „eine Manipulation freiwillig eingeräumt“.

          Die Autoren des Films, Diana Löbl und Peter Onneken, sind für ihr Stück inzwischen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Sie erhielten den Deutschen Wirtschaftsfilmpreis, den Helmut-Schmidt-Preis und den Friedrich-Vogel-Preis für Wirtschaftsjournalismus. Nach seiner Ausstrahlung im ersten ARD-Programm im Februar vor einem Jahr mit rund zwei Millionen Zuschauern hatte sich „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon in der ARD-Mediathek mit 2,4 Millionen Abrufen zum Renner entwickelt.

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