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Am Drehort des Films „Rommel“ : Die Tragödie eines Hamlet in Uniform

Bei den Dreharbeiten in La Roche-Guyon: Ulrich Tukur als Rommel mit Harry Prinz als General Geyr Bild: SWR/Teamworx/Walter Wehner

Ulrich Tukur spielt den Feldmarschall Erwin Rommel. Obwohl erst gedreht wird, gibt es schon Streit um den Film. Was für einen Rommel werden wir sehen? Ein Besuch am Drehort.

          Hier war einmal die Grenze des Abendlands. Vor elfhundert Jahren, in einer lang vergessenen Zeit, schützte die Felsenburg von La Roche-Guyon die Île-de-France vor den Angriffen der Normannen, die auf der anderen Seite der Seine ein selbständiges Herzogtum gegründet hatten, die Normandie. Der Abt Suger, der Chronist des Frankenreichs, nannte die Festung „grässlich“ und „ohne Noblesse“. Das hat sich geändert. Schon in der Renaissance wurde ein Schlösschen am Fuß des Sandsteinhügels angelegt, das sich später zur barocken Großanlage mit Marstall, Park und Dienstgebäuden ausdehnte. Nach den La Roches zogen die La Rochefoucaulds hier ein, die Sippe des berühmten Philosophen, und noch heute wohnt der jüngste Herzog von La Rochefoucauld in dem Schloss über dem liebevoll renovierten Städtchen, an einem der schönsten Flecken Frankreichs.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Nur einmal noch wurde hier ein Reich verteidigt, ein böses, kurzlebiges - im Frühjahr 1944, als in La Roche-Guyon der Generalfeldmarschall Erwin Rommel mit seinem Stab residierte, der Oberbefehlshaber der deutschen Heeresgruppe B, die den Angriff der Westalliierten auf die „Festung Europa“ abwehren sollte. Doch es gelang nicht, die Normandie wurde zum Brückenkopf der alliierten Armeen, und bevor Rommel seinen Traum umsetzen konnte, mit den Engländern und Amerikanern einen Waffenstillstand auszuhandeln, wurde er bei einem Tieffliegerangriff schwer verletzt und nach Deutschland zurückgebracht. Nur bruchstückhaft ist diese Geschichte in Büchern und Filmen bisher erzählt worden: Die Quellen sind unvollständig, und die Phantasie der Autoren reicht offenbar nicht hin, die fehlenden Teile des Bildes auszumalen. Bis jetzt.

          La Roche-Guyon, 22. September 2011. Rommel, sein Stabschef Hans Speidel, der aus Berlin angereiste Oberst Finckh und sieben weitere Offiziere speisen im Gobelinsaal des Herzogsschlosses. Es geht um die militärische Lage und die Verblendung Hitlers, seinen „Rausch“, wie Rommel es nennt. Binnen drei Wochen, sagt Rommel, würden die Alliierten die deutsche Front durchbrechen und in Richtung Reichsgrenze stürmen - „und wir können nur beten, dass die Angloamerikaner schneller sind als die Russen“. Das ist das Stichwort für Speidel und Finckh, die zu den Verschwörern des 20. Juli gehören. Rommel sei der geeignete Mann, den Krieg zu beenden, sagt Finckh, und Speidel ergänzt, wenn Hitler weiterkämpfen wolle, müsse man ihn eben erschießen - „wenn es keine andere Lösung gibt“. Rommel schluckt. Er zögert. Dann lacht er auf: „Speidel, Sie sind ja ein rauher Krieger!“ Und isst seine Suppe weiter.

          Die Invasion kommt dort, wo wir sie nciht erwarten: Hanns Zischler als Feldmarschall Runstedt (links), Erwin Rommel (Ulrich Tukur), General Guderian (Klaus J. Behrendt) und General Geyr (Harry Prinz)

          Ein Gespräch, das nicht klärend wirkte

          „Danke!“ ruft der Regisseur Niki Stein aus dem Nebenraum, und die Kamera Arthur Ahrweilers, die auf einem Dolly den Tisch umkreist hat, kehrt in ihre Ausgangsposition zurück. Frische Suppenteller werden aufgetragen, neue Kerzen in die Kerzenhalter gesteckt. Ulrich Tukur, der den deutschen Feldmarschall spielt, und die anderen Darsteller legen den Löffel aus der Hand und entspannen sich, bevor der nächste Take beginnt. Es ist eine der wichtigsten Szenen des Filmprojekts „Rommel“ - und eine der letzten, die in La Roche-Guyon gedreht wird, bevor das Team an die Kanalküste bei Calais weiterreist. Zwei Wochen lang hat die Produktion den Originalschauplatz am Seineufer genutzt. Die letzten zwölf Drehtage werden dann in Deutschland stattfinden, dort, wo der Film auch finanziert wird.

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