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Montag, 13. Februar 2012
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Al Dschazira Die ganze Welt im Blick

16.11.2006 ·  Amerika, Somalia, Rußland, Iran - „Al Dschazira International“ hat seine Korrespondenten in mehr als 20 Länder entsandt. Der Sender will nicht Sprachrohr von Al Qaida sein, sondern Konkurrent von CNN, BBC und Fox News.

Von Rainer Hermann, Istanbul
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Seit Tagen lief schon die Uhr auf dem Bildschirm. Am Mittwoch um 12 Uhr Londoner Zeit verdrängt sie dann das Logo von Al Dschazira dann die Uhr, und aus dem Nichts tauchte die Jahreszahl 1996 auf. Damals begann der arabischsprachige Sender „Al Dschazira“ zu senden und brach das damalige staatliche Informationsmonopol der arabischen Regierungen. Dann ist die Jahreszahl 2006 zu sehen, denn am Mittwoch ging auch der englischsprachige Bruder „Al Dschazira International“ an den Start und stellt sich dem Wettbewerb mit Nachrichtensendern wie BBC, CNN und Fox News.

Gleich zu Programmbeginn wollen die Verantwortlichen den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Sie sind es leid, als Sprachrohr von Usama Bin Ladin und Al Qaida abgekanzelt zu werden. In einer Einblendung wirft der letzte Informationsminister Saddam Husseins Al Dschazira vor, im Dienste der amerikanischen Angreifer „Falschmeldungen“ über die militärische Lage zu verbreiten. In der nächsten Sequenz klagt der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld den Sender an, was er tue sei „bösartig, ungenau, und nicht entschuldbar“. Dann ist das Denkmal vor dem Sitz von Al Dschazira für die Journalisten zu sehen, die bei der Ausübung ums Leben kamen, wie Tariq Ayyub, der 2003 bei einem amerikanischen Angriff auf das Studio von Al Dschazira in Bagdad getötet wurde. Trotz solcher Angriffe, sei weiter gesendet worden, heißt es stolz.

„Eine neue Ära für Fernsehnachrichten“

„Es ist der 15. November, der erste Tag einer neuen Ära für Fernsehnachrichten“, verkündet eine Stimme aus dem Hintergrund. Dann fährt die Moderatorin Shiulie Ghosh in der Sendezentrale Doha nach einem Kameraschwenk durch das große und farbenprächtige Studio in Doha selbstbewußt fort. „Wir bauen auf dem Erbe des berühmten Journalismus von Al Dschazira auf, und wir bringen eine frische Perspektive in der Berichterstattung über die Ereignisse der Welt.“

Ihr Kollege Sami Zeidan kündigt die ersten Live-Berichte an. Sie beginnen in Palästina, wo der Sender, einschließlich Israel, allein fünf Korrespondenten beschäftigt. Der Beitrag werde der Frage nachgehen, wie die Menschen in Gaza überleben - „nach den Sanktionen, der Belagerung und den Beschießungen“. Zuvor wird noch schnell gemeldet, wie Israel auf die Kassem-Rakete reagiert, die aus Gaza auf eine israelische Stadt abgefeuert worden ist.

Direktschaltung nach Darfur und Teheran

Schon die ersten Stunden sollen dem Zuschauer das Gefühl vermitteln, die ganze Welt im Blick zu haben - nicht nur den Westen und den unruhigen Nahen Osten. Nur soll die Blickrichtung eine andere sein. Als ein wichtiges Ziel nennt Waddah Khanfar, der Generaldirektor der Muttergesellschaft Al Dschazira Network, daher den Informationsfluß Richtung Süden zu lenken.

Es folgen Korrespondentenberichte und Direktschaltungen aus der ganzen Welt, und vor allem aus dem Süden: Aus Darfur und Teheran, wo über die Frage diskutiert wird, ob der iranische Staatspräsident wirklich den Schlüssel für den Frieden in Nahost in der Hand hat. Zu Wort und ins Bild kommen die Korrespondenten in Zimbabwe, Somalia und Kongo.

Berichte über Bushs Treffen mit Putin

In Brasilien wird über eine Region berichtet, in der es besonders viele Selbstmorde gibt, aus Rußland über den Besuch des amerikanischen Präsidenten. In Afghanistan untersucht der Korrespondent die Frage, wo die Gelder für den Wiederaufbau versickert sind. Ein Bericht aus dem Irak schildert schließlich den täglichen Überlebenskampf der Bevölkerung. Dazwischen gibt es Meldungen über einen Tsunami mit zwei Metern hohen Wellen, der auf den Norden Japans zurollt.

Es sei ein Nachrichtensender mit einer wahrhaften globalen Perspektive also, sagt im Studio in Doha Mike Hanna, der frühere CNN-Korrespondent in Jerusalem. Am ersten Tag berichtete Al Dschazira aus mehr als 20 Ländern mit seinen Korrespondenten. Insgesamt unterhält der Sender rund um die Welt 60 Büros. Die vier wichtigsten Studios wechseln sich rund um die Uhr bei der Berichterstattung ab. Auf Doha folgt London, dann Washington und schließlich Kuala Lumpur.

Keine Lizenz in Amerika

Nigel Parsons, der englische Generaldirektor des neuen Senders, ist überzeugt, daß es einen Markt für seine Nachrichten gibt. Man werde zum Verständnis des Weltgeschehens eine neue Perspektive beisteuern. In der arabischen Welt war immer wieder die Hoffnung zu hören, wenigstens hier bald auf Augenhöhe mit den Großen des Westens zu sein.

Immer wieder war der Start hinausgeschoben worden, der schon vor der Fußballweltmeisterschaft geplant war. Offiziell war von technischen Problemen bei der Abstimmung der vier Sendestudios die Rede. Für die Verzögerung gab es auch andere Gründe. Noch immer hat der Sender in den Vereinigten Staaten keine Lizenzen für die Ausstrahlung über Satellit oder Kabel. Sehen können ihn die Zuschauer in Nordamerika daher nur per Breitband auf ihren Computern.

Konkurrenz

Ein Kommentar von Wolfgang Günter Lerch

Als seinerzeit der arabische Sender Al Dschazira („Die Insel“, gemeint ist die Halbinsel der Araber) in Doha, der Hauptstadt Qatars, auf Sendung ging, bedeutete dies für die einförmige Medienwelt Arabiens einen großen Fortschritt. An die Stelle gesiebter, vorgestanzter Nachrichten, ideologischer Kommentare und serviler Hofberichterstattung gegenüber dem jeweiligen Despoten trat ein bis dahin ungekannter Pluralismus. So konnten Araber, um nur dieses Beispiel zu nennen, plötzlich israelische Politiker in Live-Gesprächen sehen und vernehmen.

Durch die Ausstrahlung makabrer Bilder und radikaler Töne hat der Ruf des Senders allerdings gelitten. So ist nicht alles, was der ägyptische Prediger Yusuf al Qaradawi freitags in dem Sender zum besten gibt, mit pluralistischer Gesinnung und Freiheit zu vereinbaren. Nun ist Al Dschazira auch auf englisch zu empfangen. Das bedeutet eine Konkurrenzansage an die großen englischsprachigen Medien des Westens. Offenbar will Al Dschazira dem Westen die mediale Deutungshoheit nun auch auf dessen eigenem Territorium streitig machen. Man wird genau beobachten, was und wie gesendet wird.

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr