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Alice Weidels Abgang : AfD inszeniert sich als Medienopfer

  • -Aktualisiert am

AfD-Vertreterin Alice Weidel bei der ZDF-Sendung „Wie geht’s Deutschland“ am Dienstagabend in Berlin Bild: dpa

Die AfD-Politikerin Alice Weidel verließ die ZDF-Wahlrunde mit Marietta Slomka fluchtartig. Weidel fühlte sich von der Moderatorin unfair behandelt. Doch hat sie dafür einen Grund? Ein Kommentar.

          Journalisten halten sich manchmal für den Nabel der Welt. Zurzeit bekommen sie für diese Schwäche große Bestätigung. Vor allem wenn sie als Moderatoren vor einer Kamera stehen. Sie werden für alles und jedes verantwortlich gemacht. Das begann am vergangenen Sonntag mit der Kritik an der Gesprächsführung beim Kanzlerduell. Das habe nur einen Sieger namens AfD gehabt, so die häufig zu lesende Kritik. Die vier Moderatoren hätten den Themen Flüchtlinge und Integration zu viel Raum gegeben.

          Im Zentrum des Räsonnierens steht der Sat.1- Moderator Claus Strunz. Sein Vergehen? Er gab dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz die Gelegenheit, die sinnentstellende Interpretation eines Zitates vor sechzehn Millionen Zuschauer aus der Welt zu schaffen. Nutzt das der AfD?

          Deren Spitzenkandidatin Alice Weidel war einen Tag später im „Fünfkampf“ in der ARD zu erleben. Sie durfte sich sogar als Moderatorin versuchen. Alle Teilnehmer konnten einem Vertreter der politischen Konkurrenz eine Frage stellen. Ihre richtete sie an Sahra Wagenknecht von den Linken. An Medienpräsenz mangelt es Alice Weidel nicht. Am Dienstagabend ging es für sie im ZDF bei „Wie geht’s, Deutschland?“ weiter, moderiert von Marietta Slomka. Die Sendung verlief unspektakulär, die Polemik hielt sich in Grenzen. Nur einmal sorgte Alice Weidel für Irritation. Sie forderte Marietta Slomka auf, sie „endlich ausreden“ zu lassen: „Ansonsten kann ich mir das hier sparen.“

          Studiogäste aller Parteien bei der ZDF-Sendung „Wie geht’s Deutschland“ am 5. September 2017
          Studiogäste aller Parteien bei der ZDF-Sendung „Wie geht’s Deutschland“ am 5. September 2017 : Bild: dpa

          Die Moderatorin hatte nur einen kritischen Einwand bezüglich einer von Weidel zitierten Statistik formuliert. Darauf konnte die AfD-Politikerin antworten, von andauernden Unterbrechungen konnte nicht die Rede sein. Es gab keinen Anlass, sich über die Moderation oder rüden Tonfall zu beklagen. Als der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer Weidels Umgang mit „Rechtsradikalen“ wie ihrem Parteifreund Björn Höcke kritisiert hatte, verließ Alice Weidel das Studio. In einer Pressemitteilung tat sie hernach ihre Beweggründe kund. Sie warf der Moderatorin „Parteilichkeit und fehlende Professionalität“ vor. Marietta Slomka habe sich mit der „frechen Intoleranz und der plumpen Argumentation von SPD und Grünen gemein gemacht“. Dies sei „eines öffentlich-rechtlichen Senders unwürdig“, die ZDF-Moderatorin habe ihre „persönlichen Animositäten ausgelebt“. Das sei ein Grund mehr, die „Zahlung des Rundfunkbeitrages zu verweigern“.

          Wie wenig stichhaltig Alice Weidels Beschwerde ist, dürfte jedem Zuschauer vor Augen getreten sein. Nichts an ihren Vorwürfen stimmt. Alice Weidel suchte vielmehr das Weite, als es um Rechtsradikalismus ging und es thematisch für sie prekär wurde. Der Eklat war billig inszeniert. Die AfD will lieber über die Medien anstatt über die Rechtsradikalen diskutieren. Das kann man so wollen, aber eines sollte sich die AfD selbst verbieten: Das Publikum derart dreist für dumm zu verkaufen. Es war ein groteskes Schauspiel. Alice Weidel sollte es einmal mit politischen Argumenten versuchen.

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