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Veröffentlicht: 26.03.2013, 20:04 Uhr

Adenauers „Freies Fernsehen“ Der Bundeskanzler hatte es satt

Das ZDF feiert fünfzigjähriges Bestehen. Dabei ist der Sender nicht das „Zweite“: Die abenteuerliche Geschichte von Adenauers Fernsehen in „Tele-Sibirsk“.

von Wolfgang Brenner
© dpa Auch Heinz Erhardt, der beliebteste Komiker jener Zeit, hätte im neuen Sender ein eigenes Comedy-Format bekommen

„Schreiben Se, dass der Kanzler es satthabe!“, empfahl Konrad Adenauer im Sommer 1960 einem Journalisten. Ursache des Ärgernisses war das deutsche Fernsehen.

In der Bundesrepublik gab es damals nur die zehn Jahre zuvor gegründete ARD. Sie sendete ihr festes Programm seit 1954. Seitdem ärgerte sich der Kanzler darüber, dass Fernsehen Ländersache war. Er machte sich an die Umgestaltung der deutschen Fernsehlandschaft. Die Wirtschaft wurde ermuntert, den Aufbau eines zweiten Programms anzugehen. Im Dezember 1958 gründete eine Gruppe privater Interessenten die „Freies Fernsehen GmbH“. Am 8. Dezember 1959 bot Staatssekretär Felix von Eckardt dem Konsortium eine Bürgschaft von zwanzig Millionen Mark an. Aus den zwanzig Millionen wurden schnell 124 Millionen. 124 Millionen Mark, die in keinem Bundeshaushalt auftauchten.

Aufgrund der Bürgschaft erklärten sich fünfzehn Geldhäuser unter Führung der Deutschen Bank bereit, dem in Frankfurt beheimateten „Freien Fernsehen“ die benötigten Finanzen zu beschaffen. Fehlten noch die Macher: Leistungsträger aus dem Bonner Regierungsapparat ließen sich für die Programmarbeit beurlauben. Der Rundfunkreferent im Bundespresseamt, Bruno Six, wurde kaufmännischer Produzent. Der Staatssekretär im Postministerium, Friedrich Gladenbeck, trat in die Geschäftsführung des „Freien Fernsehens“ ein, ebenso der Pressesprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Heinz Schmidt.

Hohe Gehälter für die Überläufer

Programmdirektor wurde Ernest Bornemann, der sich Ende der sechziger Jahre als Sexualberater einen Namen machen sollte. Der Chefredakteur Konrad Kraemer war ein „Zeitungsmann ohne Fernseherfahrung“, wie der Leipziger Medienforscher Rüdiger Steinmetz (“Auf dem Weg zum dualen System“) schreibt. Unterhaltungschef wurde Helmut Schreiber, der von der Münchner Bavaria kam, wo er bis 1945 Produktionschef war. Schreiber - dem großen Publikum besser als „Zauberer Kalanag“ bekannt - hatte wegen seiner engen Verbindung zu Hitler und Goebbels nach dem Krieg Probleme gehabt, beruflich wieder Fuß zu fassen. Kalanag war unter den Exoten beim „Freien Fernsehen“ die schillerndste Figur. So hatte er eine Weile als Mittelsmann zwischen alliierten Stellen und ehemaligen SS-Leuten fungiert, die sich gegen Informationen zum Verbleib des gesuchten NS-Goldschatzes freies Geleit erhofften. Als er mit seinem Zaubertheater eine Welttournee unternahm, deren Finanzierung unklar war, geriet er selbst in Verdacht, etwas mit dem Verschwinden von NS-Hinterlassenschaften zu tun zu haben.

Leiter des Vormittagsprogramms wurde Peter von Eckardt, der Sohn von Adenauers Pressesprecher Felix von Eckardt, der das „Freie Fernsehen“ erst ins Rollen gebracht hatte. Sohn Peter war schon einmal im Schatten des Vaters aufgestiegen, als er deutscher Statthalter einer New Yorker Werbefirma wurde, die für 650.000 Mark im Jahr im Auftrag der Bundesregierung das Deutschlandbild in den Vereinigten Staaten pflegte.

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