18.03.2009 · Markus Schächter, der Intendant des ZDF, wittert eine Medienverschwörung gegen seinen Sender: Daher hat er die für März anstehende Wiederwahl des Chefredakteurs Brender vertagt. Doch es scheint, als kämpfe Schächter vor allem für sich selbst.
Von Michael HanfeldMarkus Schächter, der Intendant des ZDF, ist unter die Verschwörungstheoretiker gegangen. Eine Medienverschwörung gegen seinen Sender wittert er und will damit erklären, warum er die ursprünglich für den 27. März anstehende Wiederwahl des Chefredakteurs Nikolaus Brender vertagt hat auf den Sankt-Nimmerleins-Tag, oder besser gesagt: auf die Zeit nach der nächsten Bundestagwahl im Herbst.
„Auflagenstarke Blätter“ hätten für das vergangene Wochenende geplant, die Diskussion um Brender weiter zuzuspitzen, schreibt Schächter in einem Brief an die Mitglieder des Fernsehrats, die Schächter am vergangenen Freitag herzlich düpiert hatte. Denn kaum war die Sitzung ebenjenes Fernsehrats vorüber - sie endete mit einem Vertrauensbeweis für den Intendanten -, hatte der nichts anderes zu tun, als die Wahl auszusetzen, angeblich um „Schaden“ vom ZDF abzuwenden (Entscheidung über ZDF-Chefredakteur vertagt). Informiert hatte er nur seinen Verwaltungsratschef Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, den hessischen Regierungschef und stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden Roland Koch und den Vorsitzenden des Fernsehrats, Ruprecht Polenz (CDU).
Schaden von sich selbst abwenden
Dabei war und ist augenscheinlich, dass Schächter angesichts des Widerstandes im Verwaltungsrat „Schaden“ vor allem von sich selbst abwenden will. Doch wäre es gerade an ihm, seinen Sender vor den Zumutungen der Politiker zu verwahren, indem er nicht nur zu Brender steht („er ist und bleibt mein Kandidat“), sondern den Streit mit den Ministerpräsidenten in seinem Verwaltungsrat annimmt, vor allem mit dem hessischen Regierungschef Roland Koch, der sich mit fadenscheinigen Begründungen gegen Brender gewendet hatte (Im Gespräch: Roland Koch über den Fall Brender) und sich Anfang dieser Woche in einem Zeitungsinterview unbeirrt zeigte.
Koch hält sich augenscheinlich für den Personalchef des ZDF, daran wird wohl auch das Gutachten nichts ändern, das der Intendant Schächter zu den Kompetenzen des Verwaltungsrats in Auftrag gegeben hat, um Zeit zu gewinnen. Dass der Vorsitzende dieses Verwaltungsrats, der Ministerpräsident Kurt Beck, dabei ganz selbstverständlich desselben Geistes Kind ist wie sein Kollege von der CDU, hat er sogar in einer Pressemitteilung festgehalten, die verbreitet wurde, nur wenige Minuten nachdem Schächter sein Aussitzmoratorium verkündet hatte: Er unterstütze den Intendanten in diesem Schritt, teilte Beck mit, bis zum Herbst könnten sich die politischen Mehrheiten im ZDF-Verwaltungsrat schließlich noch ändern. Quod erat demonstrandum, kann man da nur sagen - die Herren Ministerpräsidenten, rote wie schwarze, machen aus ihrem Herrschaftsanspruch über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk keinen Hehl.
Mit einer „Schlammschlacht“ zu rechnen
Und was sagt Schächter? „Es war mit einer ,Schlammschlacht' zu rechnen, die auch vor der Privatsphäre von ZDF-Mitarbeitern nicht haltgemacht hätte“, schreibt er den Fernsehräten und meint damit die Berichterstattung über den Skandal. Zu einer Schlammschlacht aber haben bislang nur diejenigen beigetragen, die fortwährend behaupten, im Sinne des Senders zu handeln.
Dessen Chefredakteur bringt der Intendant ganz nebenbei in eine durchaus missliche Lage. Zwar müssen all jene im Sender, die der frühere Intendant Dieter Stolte „Häusleschleicher“ nannte und die mit den Füßen scharren, eine Zeitlang zurückschrecken, doch weiß der Chefredakteur Brender bis kurz vor dem Ende seiner aktuellen Vertragslaufzeit zum 31. März 2010 nicht, woran er ist. Politiker, die glauben, sie hätten deswegen ein leichtes Spiel mit dem Zweiten, dürften sich freilich irren.
Nicht ungewöhnlich...
Thomas Berger (tberger)
- 18.03.2009, 14:17 Uhr
Galoppierender Treppenwitz
Michael Miller (Bildungswirt)
- 18.03.2009, 15:45 Uhr
ZDF, Medienverschwörung, Opfer Nikolaus Brender?
Günther Janssen (GuGJanssen)
- 18.03.2009, 21:38 Uhr