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ZDF-Doku „Die Windsors“ Kronen haben alle einen schweren Zacken

14.04.2009 ·  Niedergang des Geschichtsfernsehens: Die dreiteilige ZDF-Serie über das englische Königshaus dokumentiert in deprimierender Eindeutigkeit, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen von seinen Zuschauern hält.

Von Patrick Bahners
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Die dreiteilige ZDF-Serie über das englische Königshaus dokumentiert in deprimierender Eindeutigkeit, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen von seinen Zuschauern hält. Man rechnet offenbar mit so winzigen Aufmerksamkeitsspannen, dass „Information“ nur durch permanente Wiederholung vermittelt werden kann. Eine Geschichte zu erzählen, die Dinge aufeinander aufbauen zu lassen ist im Geschichtsfernsehen dieses Stils undenkbar. Wohl mit Rücksicht auf Zuschauer, die mittendrin zuschalten, wird auch innerhalb der Folgen nichts als bekannt vorausgesetzt. Alles Erklärungsbedürftige wird fortgelassen. Will man Illustriertenleserinnen ansprechen? Gerade sie erfahren nichts Neues und dürften einige Hauptfiguren der „Seifenoper“, wie das unvermeidliche Klischee lautet, vermissen.

Die drei Folgen - zwei laufen zur sogenannten besten Sendezeit, um Viertel nach acht - mit ihren pathetischen Titeln („Der Fluch des Erstgeborenen“, „Das Schicksal der ewigen Thronfolgers“, „Schreckensjahre einer Königin“) sind austauschbar, kleben immer wieder dieselben Filmschnipsel zusammen. Die Königsfamilie stellt eine „heile Welt“ dar, ein Familienskandal bedroht daher die Existenz der Dynastie: In diesem dürftigen Gedanken erschöpft sich die Aussage.

Welche Macht?

Der dämlich alliterierende Titel „Triumph und Tragödie“ hängt in der Luft. Tragödie - klar, das ist der Tod von Prinzessin Diana. „Triumph“ könnte sich höchstens auf den Umstand beziehen, dass die Windsors im Unterschied zu Habsburgern und Hohenzollern noch herrschen, wäre allerdings hoch gegriffen für diese direkte Folge der simplen Tatsache, dass Großbritannien den Ersten Weltkrieg nicht verloren hat. Der historische Zusammenhang jenseits der Familie kommt jedoch gar nicht vor. Die Historikerin Karina Urbach aus Cambridge gibt mit sympathischer Ironie gelegentlich einen weiterführenden Hinweis: Die Verbindung zum Militär sei sehr wichtig, denn die Engländer führten eigentlich immer Krieg. Mit solchen Winken kann man nichts anfangen, weil in zweieinviertel Stunden kein Grundwissen über die verfassungsrechtliche Funktion und die gesellschaftliche Stellung des Monarchen geboten wird. Nach der Abdankung Eduards VIII. habe dessen Bruder die Macht übernehmen müssen. Welche Macht?

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Als Erzähler agiert ein in eine virtuelle Porträtgalerie montierter Psychologe mit penetrantem bayerischen Akzent. Prinz Charles habe eine unglückliche Kindheit gehabt, weil seine Eltern sich nicht um ihn gekümmert hätten. Es wird nicht gesagt, dass der Rückgriff auf Kindermädchen und Hauslehrer im Adel, ja auch in der nichtadligen Oberschicht das Normale war. Der für „Fachberatung“ verantwortliche Mainzer Militärhistoriker Sönke Neitzel stellt die kühne Behauptung auf, Elisabeth II. habe in der Loyalitätskrise nach Dianas Tod erkannt, dass ihre Lebenshaltung der Pflichterfüllung „nicht in die Zukunft führt“. Die Königin wolle ihr Haus „ein Stück weit“ moderner und bürgerlicher lenken. Neitzel deutet nicht an, wie man sich eine Erbmonarchie vorstellen soll, „die nicht nach hinten schaut“. Gilt Fremdbetreuung heute nicht in bürgerlichen Kreisen als besonders modern?

Falsche Daten

Schon die Daten, die den Rahmen geben, sind falsch. Seit ungefähr zweihundert Jahren herrsche das Geschlecht der Windsors. Gemeint ist seit 1837, seit der Thronbesteigung Viktorias. Diese war aber der letzte Monarch aus dem seit 1714 regierenden Haus Hannover. Nicht mit der Heirat einer regierenden Königin kommt eine neue Dynastie auf den Thron, sondern erst in der folgenden Generation. Seit 1901 herrscht das Haus Sachsen-Coburg und Gotha, das Georg V. während des Ersten Weltkriegs in Haus Windsor umbenannte. Diese Erklärung des Dynastienamens liefert erst die dritte Folge.

Nicht erwähnt wird die Anordnung Elisabeths II., dass ihre Nachkommen den Namen Windsor beibehalten sollen. Nach den Regeln des Adelsrechts stünde nach ihrem Tod der nächste Dynastiewechsel nach 1901 an, mit Prinz Charles bestiege das Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg den Thron. Das Haus Windsor ist eine Kunstdynastie, die jenen Primat der Staatsräson vor der Familie ausdrückt, von dem die ZDF-Serie nichts wissen will.

„Die Windsors - Triumph und Tragödie“. Der erste Teil läuft an diesem Dienstag um 20.15 Uhr im ZDF, Teile zwei und drei folgen am 21. und 26. April.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1967, Redakteur im Feuilleton.

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