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Volksmusik-Parodie bei Sat.1 Schöner die Promis nie nerven

19.12.2009 ·  Als Volksmusikduo haben Wolfgang und Anneliese in den vergangenen Monaten eine beispiellose Karriere gemacht. Und das, obwohl sie gar nicht echt sind. In ihrer zweiten abendfüllenden Show bei Sat.1 parodierten Anke Engelke und Bastian Pastewka jetzt wieder die eigene Branche.

Von Peer Schader
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Es kann natürlich sein, dass das ZDF bald zuschlägt. Zu „Wetten dass..?“ waren die beiden ja schon eingeladen, und eigentlich gibt es nichts, dass gegen einen regelmäßigen Auftritt im Programm spräche. Außer vielleicht den Konkurrenten Marianne und Michael, die erst vor Neid grün anlaufen würden und es anschließend mit der Angst zu tun bekämen, weil sie ihre - sowieso bereits leicht geschwächte Position im Zweiten - endgültig in Gefahr sähen. Und natürlich der klitzekleinen Tatsache, dass dieses Volksmusikduo gar nicht echt ist. Aber was heißt das heutzutage schon?

„Wolfgang und Anneliese“ haben in den vergangenen Monaten eine beispiellose Karriere gemacht: erst die Moderation des Deutschen Fernsehpreises, dann der Auftritt bei Gottschalk und jetzt, so kurz vor dem Fest, das sie mit ihrem Hit „Es weihnachtet zur Weihnachtszeit (na klar, es ist ja Weihnachten)“ besingen, ihre zweite abendfüllende Show in Sat.1.

Übel zerstritten neben der Kamera

Langsam müsste das auch Anke Engelke und Bastian Pastewka ein bisschen unheimlich werden. Dass die Parodien, die sie vor zwei Jahren für die Fernseh- und Schunkelsatire „Fröhliche Weihnachten“ erfunden haben, inzwischen beliebter sind als so manches Original.

Aber es hilft ja alles nichts: Im Jahre Null nach Horst Schlämmer, der wochenlang das ganze Land im Griff hatte, scheint sich das Publikum weiterhin lieber für Kunstfiguren als für echte Stars zu interessieren. Dabei haben sich Wolfgang und Anneliese größte Mühe gegeben, authentisch zu wirken. Sie in ihrem feschen Dirndl mit Carmen-Nebel-Gedächtnisfrisur und vorgeschobener Kauleiste, er als trotteliger Oberlippenbartträger mit Florian-Silbereisen-Tolle, beide stets gut gelaunt, so lange die Kamera an ist, und übel zerstritten, sobald sie glauben, nicht mehr im Bild zu sein.

Die Stimmung der Premiere fehlte

Insofern war es von Sat.1 nur konsequent, in diesem Jahr eine Fortsetzung der Weihnachtsshow ins Programm zu nehmen - auch wenn die Neuauflage nun die Schwächen der beiden Figuren offenlegte. Als groß angelegter Angriff auf die TV-Branche funktioniert die Satire natürlich noch immer: Vor weihnachtlicher Freizeitparkkulisse moderierten Wolfgang und Anneliese Einspielfilme an, für die Engelke und Pastewka noch einmal in zig andere Rollen geschlüpft waren. Engelke in die von Gregor Gysi („Sie kennen mich aus nervigen Talkshows, bei denen alle anderen abgesagt haben“), als dauergrinsende Pro-Sieben-Allzweckmoderatorin Annemarie Ochsenkross und als Stargast Whitney Houston, welche die Interpretation ihres Weihnachtssongs derart in die Länge zog, dass sie erst kurz vor dem Ende der Sendung fertig wurde. Pastewka hatte den Jogginganzugträger Ottmar Zittlau aus der „Wochenshow“ wieder ausgegraben und brachte als Gunther Emmerlich mit seinem tiefem Weihnachtsgesang das Studio zum Einsturz.

Dazu durfte Reporterin Inka Pallaske (mit täuschend echt nachgebildetem Inka-Bause-Haupthaar) wieder ins Erzgebirge reisen, um dort in MDR-Manier die Begabungen der Brüder Brömseklöten für die Nachwelt festzuhalten. Statt Dochtdrehern und Weihnachtspyramidenbauern traf sie diesmal auf Uhu-Uhren-Tüftler, Pommes-aus-Holz-Schnitzer und Eselblender. Völlig gaga - aber so ist Fernsehen ja oft tatsächlich.
Und doch mochte diese zweite Ausgabe „Fröhliche Weihnachten“, die Sat.1 am Freitagabend zeigte, nicht so ganz die Stimmung der Premiere von vor zwei Jahren wiederbringen. Das mag daran liegen, dass der Überraschungseffekt weg ist, dass man die Klassiker der ersten Ausgabe seitdem schon zig mal auf Youtube gesehen hat oder dass diesmal ein Leit-Sketch wie der mit Josef, Maria und ihrem neugeborenen Kind fehlte, die nacheinander von der Super-Nanny, Dekoexpertin Tine Wittler und Schuldenberater Peter Zwegat besucht werden („Ochs UND Esel - muss das wirklich beides sein?“). Vielleicht haben es Engelke und Pastewka aber auch mit Parodien von so genannten Prominenten übertrieben, die diese Ehre eigentlich gar nicht verdient haben.

Sie können auch improvisieren

Es ist bewundernswert, wie echt Engelke den Nervensägentonfall und die Eitelkeit von Desireé Nick imitieren kann, ebenso wie Pastewka bei seiner Parodie des Schlagersängers Michael Wendler die ganze Kraft seines Spiels in die Augenbrauen legt - aber nach ein, zwei Szenen passiert mit der Parodie dasselbe wie mit dem Original: sie nervt. Ähnlich wie die erfundene Charity-Aktion „Aua am Finger“, die sich zwar konsequenterweise durch die ganze Sendung zog, deren Witz aber spätestens nach dem ersten Einspielfilm verpufft war und anschließend bloß aufgewärmt wurde.

Auch die beiden Hauptprotagonisten Wolfgang und Anneliese haben kein uneingeschränktes Repertoire parodiegeeigneter Eigenschaften: Das Für-die-Kamera-Strahlen, das Gezanke untereinander, wenn beide nicht merken, dass sie schon wieder auf Sendung sind, die aufgesetzte Fröhlichkeit - das alles funktioniert hervorragend. Sofern es sich nicht permanent wiederholt.

Gut möglich auch, dass die Konfrontation mit den echten Stars das Projekt Wolfgang und Anneliese noch einmal auf eine ganz andere Ebene gehoben hat: Beim Deutschen Fernsehpreis Ende September machten sich Engelke und Pastewka in ihren Rollen so unverschämt über die Veranstaltung und die Teilnehmer lustig, dass das eigentlich kaum steigerungsfähig war, zumal bei dieser Gelegenheit auch die Reaktionen der im Publikum sitzenden Promis, die gerade durch den Kakao gezogen wurden, dazu eingeblendet werden konnten. Und das Volksmusikduo zwischendrin immer wieder Pause hatte, weil ja auch noch ein paar Preise vergeben werden mussten. Seitdem die beiden Komiker bewiesen haben, dass sie in ihren Rollen auch improvisieren und eine Sendung wie „Wetten dass..?“ mühelos durchstehen, müsste der Konkurrenz wirklich Angst und Bange werden.

Die moderiert in der kommenden Woche am Heiligabend erst einmal die Show „Weihnachten mit Marianne und Michael“ im ZDF (deren Ankündigung sich auch schon wie eine Parodie liest). Mit ein bisschen Glück bemüht sich das ZDF fürs nächste Jahr ja vielleicht um eine Doppelmoderation der beiden Paare. Mal sehen, ob sich dann noch auseinander halten lässt, was Parodie ist - und was echt.

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