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Vietnam-Krieg War er der gefährlichste Mann Amerikas?

 ·  Daniel Ellsberg versorgte die Presse mit geheimen Dokumenten zum Vietnam-Krieg aus dem Regierungsstab Richard Nixons. Arte zeigt heute die schillernde Laufbahn dieses Antihelden.

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Wer hat Richard Nixon zu Fall gebracht? Daniel Ellsberg. Wer ist noch mal Daniel Ellsberg? Das ist der Mann, der Ende der sechziger Jahre erst als „Kriegstheoretiker“ im Pentagon arbeitete und später der Presse geheime Dokumente über den Vietnam-Krieg zuspielte. Folgt man den Worten von Henry Kissinger, dann war Ellsberg seinerzeit „der gefährlichste Mann in Amerika“. Schenkt man anderen Glauben, dann ist Daniel Ellsberg ein Held.

Als solchen inszeniert ihn auch die Dokumentation von Judith Ehrlich und Rick Goldsmith, die 2008 in den Vereinigten Staaten gedreht wurde. Erst im Februar dieses Jahres war sie in der Kategorie „Documentary Feature“ für einen Oscar nominiert, aus dem dann nichts wurde. Arte hat den Film trotzdem gekauft und zeigt ihn nun erstmals im Fernsehen. „Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere“ erzählt die Geschichte eines Mannes, von dem hierzulande nie viel die Rede war, der aber während des Vietnam-Krieges eine wichtige Rolle spielte.

Verlustprognose eines Antihelden

Das würde Ellsberg selbst wohl genauso sehen. Denn der Film lässt keinen Zweifel daran, dass sich sein Leben klar unterteilen lässt - und zwar in die Zeit vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens und die danach. Von vorn: Daniel Ellsberg war als Beamter Ende der sechziger Jahre im Pentagon damit beauftragt, Beweise für die Greueltaten der Vietcong zu sammeln. Er fand zwar, was er suchte, aber wenig später brach er selbst nach Vietnam auf, um sich an der Front ein Bild zu machen.

Als ehemaliger Soldat schloss er sich einer Patrouille an, erlebte, wie die Amerikaner ständig in Fallen gelockt wurden, fühlte sich „wie auf dem Präsentierteller“ und kam zu der Überzeugung, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen sei. In der Folge entwarf er für den amerikanischen Präsidenten „Exit-Strategien“ aus Vietnam, von denen Richard Nixon allerdings nichts wissen wollte. Also griff Ellsberg zu einer geheimen Studie. Sie bewies, dass der Vietnam-Krieg eine von Amerika selbst inszenierte Notwendigkeit war, die schon bald nur noch darauf zielte, dass die Regierung nicht das Gesicht verlor.

Schützenhilfe für die Feinde

Ellsberg ließ die siebentausend Seiten umfassende Studie erst der „New York Times“ und der „Washington Post“ zukommen. Als beide nach der Veröffentlichung einstweilige Verfügungen wegen „Angriffs auf die Integrität der Regierung“ erhalten hatten, schickte Ellsberg die Unterlagen an siebzehn weitere amerikanische Zeitungen. Diese druckten das Material ausnahmslos, und so entstand für die Regierung eine Situation, als müsse sie „einen Schwarm Bienen in Schach halten“ - es war unmöglich. Vierzehn Tage lang war in den Medien von nichts anderem die Rede. Ellsberg musste abtauchen, Nixon warf ihm vor, „den Feinden Schützenhilfe“ geleistet zu haben. Der Präsident wurde wiedergewählt. Und der mittlerweile 79 Jahre alte Ellsberg bekennt im Film, davon enttäuscht gewesen zu sein: „Man lernt etwas über seine Mitmenschen, das man gar nicht wissen wollte: Dass sie zwar zuhören, es verstehen und daraus lernen, aber dann weiter ignorieren.“

Ellsberg konnte das nicht. Sein Name war fortan mit dieser Geschichte verbunden. Die gegen ihn erhobene Klage wegen Verschwörung wurde zwar abgewiesen, als herauskam, dass er jahrelang unrechtmäßig abgehört worden war. Ob man deswegen so weit gehen muss, ihn als den Mann zu bezeichnen, der Nixons Schicksal besiegelte, sei dahingestellt. Schließlich gab es noch den Watergate-Skandal, von dem dieser Film wohlweislich nur am Rande spricht. Die Affäre Ellsberg, so heißt es, sei „der Beginn der dunklen Ära“ unter Nixon gewesen - sie ist dankbares Thema für einen guten Film.

Der gefährlichste Mann in Amerika läuft heute um 20.15 Uhr bei Arte.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1979, Redakteurin im Feuilleton.

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