Die Islamisten haben gewonnen. Sie können sich brüsten, ein weltweit ausstrahlendes Fernsehnetzwerk eingeschüchtert zu haben: Die Folgen 200 und 201 der Zeichentrickserie „South Park“, die in den Vereinigten Staaten Mitte der Woche gelaufen sind, werden nicht mehr gezeigt. Nicht mehr in Amerika und auch nicht in den anderen Ländern, in denen „South Park“ im Programm ist. Auch auf den Internetseiten zur Serie, die eigentlich sämtliche Episoden vorhalten, kann man sich nicht mehr ansehen, welchen Reim sich die Macher von „South Park“, Trey Parker und Matt Stone, auf religiösen Wahn, Intoleranz und fanatische Bilderverbote machen. Dafür haben die Islamisten gesorgt, welche die Internetseite RevolutionMuslim.com bestücken und sich daran reiben, dass bei „South Park“ angeblich der Prophet Mohammed in einem Bärenkostüm auflief.
Der Autor Abu Talhah Al Amrikee hatte den „South Park“-Schöpfern mit Ermordung gedroht: „Wir müssen Matt und Trey warnen, dass das, was sie machen, dumm ist und sie wahrscheinlich enden werden wie Theo van Gogh“, hatte er geschrieben und gleich noch die Büroadresse von Parker und Stone und die ihres Senders „Comedy Central“ angegeben. Der holländische Filmemacher Theo van Gogh war im November 2004 von einem Islamisten ermordet worden.
Sicherheit geht vor: Nach Axt-Angriff beurlaubt
Angeblich sollte das eine Warnung vor möglichen Folgen und keine Drohung sein. In Wahrheit ist es natürlich etwas anderes - eine Handlungsanleitung, wie wir sie vom sogenannten Karikaturenstreit her kennen, der sich nach international geschürten Protesten gegen die Islam-Karikaturen der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ im November 2005 entspann. Die Karikaturisten werden seither mit dem Tod bedroht, Anfang des Jahres entging der Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Anschlag, als ein aus Somalia stammender Islamist, mit einer Axt bewaffnet, in Westergaards Haus eindrang. Mittlerweile hat seine Zeitung den Zeichner zwangsbeurlaubt. Er sei wohl zu einem zu hohen Sicherheitsrisiko geworden, sagte Westergaard.
Kein Risiko eingehen will nun auch MTV, das hinter dem Programm von „Comedy Central“ steht. „MTV Networks hat sich entschlossen, die South-Park-Episoden 200 und 201 nicht auszustrahlen“, hieß es auf Anfrage dieser Zeitung, „wir haben diese Entscheidung mit großem Widerstreben getroffen. Wir glauben fest an kreative Ausdrucksfreiheit: Wir alle profitieren davon, wenn es einzigartigen und tiefgründigen Kreativen wie den Machern von South Park erlaubt ist, sich frei auszudrücken. Allerdings steht die Sicherheit unserer Angestellten für uns stets an erster Stelle, und so haben wir uns zu diesen Vorsichtsmaßnahmen entschlossen.“
Ein Kniefall vor den Feinden der Pressefreiheit
Mit Blick auf die Konsequenz islamistischer Drohungen ist das vielleicht verständlich, vor allem aber ist es ein ebenso bedauerlicher wie schwerwiegender Kniefall vor den Feinden der Pressefreiheit. Um die und nur um die geht es in den beiden ebenso witzigen wie exzellent-kritischen Folgen von „South Park“, die nun nicht mehr zu sehen sind. Und die Einlassung von MTV ist zwiespältig: Wenn wir alle davon profitieren, dass es Kreativen wie Parker und Stone „erlaubt ist“, sich frei auszudrücken, sind wir auch alle davon betroffen, dass es ihnen nun eben nicht mehr „erlaubt“ ist. Erlaubnis heißt in diesem Fall: Die Androhung von Gewalt vernichtet als Erstes die Meinungsfreiheit.
Für alle, die nun nicht mehr sehen können, was man sehen können sollte, eine kleine Synopsis: Es beginnt mit Tom Cruise, der in einer Süßigkeitenfabrik Schokolade, besser gesagt „Fudge“, verpackt. Er möchte trotzdem nicht als „Fudgepacker“ bezeichnet werden. Da die Jungs aus South Park, die gerade eine Betriebsbesichtigung machen, aber genau das tun, droht er, den ganzen Ort in den Ruin zu klagen, im Verein mit seinen Promi-Freunden - also all jenen, die in der Zeichentrickserie jemals veralbert worden sind, sei es Hillary Clinton, Steven Spielberg oder Tiger Woods.
Der Messias und sein Club der „Super Besten Freunde“
Die Klage will Cruise nur fallenlassen, wenn ihm die Bewohner von South Park ein Treffen mit Mohammed ermöglichen. Denn auf dessen Kräfte hat Cruise es abgesehen, auf die Macht, unantastbar zu sein, nicht beleidigt, ja nicht einmal dargestellt zu werden. Mohammed lässt sich darauf ein, denn er ist ein guter Kerl, genauso wie Jesus.
Gesehen haben die Fans von „South Park“ die beiden schon einmal hundert Folgen zuvor, als der Messias seinen Club der „Super Besten Freunde“ vorstellte: Mohammed, Buddha, Krishna, den Mormonenchef Joseph Smith und einen Witzbold namens „Seaman“. Im Jahr 2001, noch vor den Anschlägen vom 11. September, als diese Folge lief, konnte „South Park“ den Propheten noch zeigen. Seither haben sich die Zeiten radikal geändert, nicht zuletzt durch den international geschürten Karikaturenstreit. Also steht nun an der Stelle, an der zuvor Mohammed wirkte, ein schwarzer Balken mit der Aufschrift „Censored“.
Ein Terminator namens Barbra Streisand
Doch wie nun in den neuen Folgen Mohammed und Tom Cruise zusammenbringen? Die Bewohner von South Park verfallen auf eine Verkleidung, eine Ganzkörperverhüllung, eine Art Burka, bei der man nicht einmal die Füße sieht: Der Prophet steckt in einem Bärenkostüm. Doch zu Tom Cruise kommt er trotzdem nicht, weil eine Horde von Rothaarigen, die „Gingers“ (über die „South Park“ auch gerne Witze macht), die Stadt vermint hat und droht, alles in die Luft zu sprengen. Die Situation ist ausweglos, zumal die von „South Park“ gebeutelten Promis ihre Wunderwaffe scharf gemacht, ihren Avatar entfesselt haben: Barbra Streisand, die als übergroßer Terminator auftaucht. Am Ende stellt sich heraus, dass gar nicht Mohammed im Bärenkostüm steckt, sondern - Santa Claus, der Weihnachtsmann.
Die Islamisten aus dem wahren Leben jagen also einem Phantom nach, sie haben sich einen Bären aufbinden lassen. Sie haben genauso reagiert, wie es „South Park“ in der Jubiläumsfolge beschwört. Im Film allerdings spielen die frechen Zeichentrickjungs die Feinde der Freiheit aus. In der Realität ist es anders.
Eine Religion des Friedens...
Derk Hunne (D.H.H)
- 24.04.2010, 13:54 Uhr
bravo
Robert Klein (strangequark)
- 24.04.2010, 15:30 Uhr
ich glaube die westlichen medien verstehen unter...
Mehmet Mantikli (logisch74)
- 24.04.2010, 16:56 Uhr
ein trauriger tag..
Moses Gabriel (dschibril)
- 24.04.2010, 17:41 Uhr
@Mehmet Mantikli: Jetzt würde mich aber brennend interessieren
Theodor Wedel (TheodorWedel)
- 24.04.2010, 18:15 Uhr