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„Tatort - Herrenabend“ im Ersten : Zwei Herren im Dreivierteltakt

Kommissar Thiel (Axel Prahl) ist auch als Radfahrer nicht zu bremsen, Professor Boerne (Jan Josef Liefers) mag da gestikulieren, wie er will Bild:

Denn sie wissen, was sie aneinander haben: Axel Prahl und Jan Josef Liefers brillieren im Münsteraner „Tatort“. Es geht beim „Herrenabend“ um einen toten Herrn im Schnee und womöglich gar um einen Fehler des unfehlbaren Professors Boerne.

          Vor nicht allzu langer Zeit, es war im Februar dieses Jahres, sind Axel Prahl und Jan Josef Liefers bei einer Veranstaltung in Berlin mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet worden. Es war jener denkwürdige Abend, an dem auch die Fernsehmoderatorin Monica Lierhaus nach ihrer krankheitsbedingten zweijährigen Abwesenheit vom Fernsehen erstmals wieder vor die Kamera trat, und weil das so erschreckend war, wie es eben war, wurde danach vor allem von ihr gesprochen und von dem Heiratsantrag, den sie ihrem Lebensgefährten auf der Bühne gemacht hat.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Von Prahl und Liefers redete man nicht. Dabei hatten sich die beiden über ihren Preis für das „beliebteste Ermittlerteam“ so gefreut, dass sie beinahe knutschend auf der Bühne standen und Schwierigkeiten hatten, sich wieder einzukriegen.

          Die Hautevollee ist verachtenswert

          Vor allem Axel Prahl sah glücklich aus. Man ahnte, wie gern er seinen Kommissar Thiel hat, und das lässt er auch jetzt wieder in dem neuen Fall erkennen, den Thiel und Boerne in Münster lösen. In „Herrenabend“ (Regie: Matthias Tiefenbacher, Drehbuch: Magnus Vattrodt) ist alles angerichtet, um vor allem Thiel einen schönen Tag zu machen und das voranzutreiben, was die beiden am besten können: feine Spitzen gegeneinander austeilen, wobei sich hinter der zur Schau getragenen Antipathie eine immer größer werdende Freundschaft verbirgt. Thiel ist nicht denkbar ohne Boerne, Boerne nicht ohne Thiel.

          Ist dies die hübsche junge Dame aus dem Finanzamt, über deren Besuch sich Thiel so freut? Szene mit Ulrike Tscharre und Axel Prahl

          Als an einem kalten Wintermorgen auf einem verschneiten Feld die Leiche eines Mannes gefunden wird, schmettert Thiel jedem, der da so steht, ein fröhliches „Moinsen“ entgegen, auch Boerne, der wie stets als Erster am Platz ist. Der Tote war ein Geschäftsmann aus den besseren Kreisen der Stadt, was für Thiel schön ist, weil er, der sein St..Pauli-Shirt in diesem „Tatort“ niemals zu wechseln scheint, der Hautevolee einmal mehr zeigen kann, wie sehr er sie verachtet.

          Hinzu kommt, dass sich am Tatort Fingerabdrücke von Rüdiger Klarbach (Stephan Schad) finden, den Professor Boerne jedoch höchstpersönlich vor achtzehn Monaten schon für tot erklärt hatte. Während der Professor also fortan damit beschäftigt ist, seine „Reputation als unfehlbarer Rechtsmediziner“ zu retten, versucht Thiel die Verbindungen zu durchschauen, die Klarbach mit dem Münsteraner Geldadel unterhielt.

          Auch im Finanzamt gibt es hübsche Frauen

          Der Zugang fällt ihm naturgemäß nicht leicht. Sogar die Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) steht ihm dabei anfangs im Weg, seit Studientagen pflegt sie zu dem Agrarunternehmer Lüdinghaus, genannt „Kartoffelkönig“ (großartig: Michael Wittenborn), eine intensive Freundschaft. Tagein, tagaus sitzt der im Münsteraner Edelrestaurant „Ratskeller“, um sich herum die übrigen Strippenzieher der Stadt, und hält Audienz. Es ist ein wunderbar gezeichneter Klüngel, der gerade wegen des bis in die letzte Nebenrolle gut besetzten Ensembles fabelhaft funktioniert.

          Wie fast immer aber, wenn nicht nur das Ermittlerteam, sondern auch das Drehbuch stimmt, ist es irgendwann nicht mehr so wichtig, wer sich wann was hat zuschulden kommen lassen. Ein Mörder findet sich, wo man ihn nicht vermutet, ein Motiv auch. Wichtig ist, und das gelingt in diesem Fall ausgesprochen gut, dass Thiel und Boerne weiter umeinander kreisen wie zwei Königskinder.

          Und dass, obwohl sich Thiel offensichtlich in die hübsche junge Frau vom Finanzamt verknallt, die Boerne auf den Zahn fühlen will, was sie für den Kommissar natürlich nur noch attraktiver macht. Und so ist es zwar gut möglich, dass man die Geschichte dieser beiden Ermittler eines Tages wird weiterdrehen müssen, weil ja keine Beziehung, welcher Art sie auch ist, immer so bleiben kann, wie sie ist. Aber so weit ist es noch nicht.

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