09.05.2010 · Als Tochter eines Theologen in der DDR aufgewachsen, hat die Schauspielerin Stefanie Stappenbeck seit Mitte der neunziger Jahre Kino- und Fernsehkarriere gemacht. Jetzt, nach ihrem letzten Auftritt als Polizeiruf-Kommissarin, sucht sie nach neuen Herausforderungen.
Als Tochter eines Theologen in Potsdam geboren und ausgewachsen in der DDR, hat die Schauspielerin Stefanie Stappenbeck seit Mitte der neunziger Jahre Kino- und Fernsehkarriere gemacht. Jetzt sucht sie nach neuen Herausforderungen.
Eigentlich müssen Sie traurig sein. Sie haben, nachdem Sie mit dem verstorbenen Jörg Hube ein Gespann bildeten, mit Lars Eidinger ein Duo gebildet. Und doch ist Ihr dritter „Polizeiruf“ Ihr letzter.
Stimmt. Lars Eidinger ist wunderbar. Ich war von der Zusammenarbeit mit Jörg Hube, Franz Xaver Kroetz und Lars Eidinger sehr beglückt. Die „Polizeiruf“-Trilogie ist ein großes Geschenk. Ich habe mit drei tollen Regisseuren drei völlig verschiedene und spannende Filme machen können. Das ist eine große Freude, so etwas zu spielen – die Wandlung von einer Bundeswehrsoldatin zur Frau, die entscheidet, dass sie mit all den Strukturen nichts mehr zu tun haben will.
Sie schauen schon auf eine Karriere voller Höhen und wenig Tiefen zurück.
Nun, ich habe früh angefangen zu drehen. Und es gibt schon ein, zwei Filme, von denen ich denke, wenn ich damals nicht das Geld gebraucht hätte, hätte ich sie lieber weggelassen.
Der Tod Ihres Kollegen Jörg Hube war ein Schock.
Es war geplant, dass wir den „Polizeiruf“ mehrere Jahre lang gemeinsam machen. Ich war sehr geschockt. Der Verlust ist schwer zu verkraften. Ich hatte ihn extrem ins Herz geschlossen. Jörg Hube war gerade und ehrlich, warmherzig, frech und lustig, sehr klug und sehr unterstützend. Seine Frechheit war herausfordernd und bereichernd, wir haben am Set Bayer gegen Preuße gespielt. Dabei war Hube ja selbst Preuße, in Brandenburg geboren. Wir hatten viel Spaß. Ich vermisse ihn.
Im „Polizeiruf“ an diesem Sonntag darf man sich über manches wundern. Nicht nur werden die Zustände beim Bund in unappetitlichen Facetten erzählt. Auch Ihre Dialoge sind mehr als handfest.
Ich frotzele gerne, Lars Eidinger ist ein großer Freund der Improvisation, und wir hatten einen Regisseur, der uns ermutigt hat, das zu machen. Manchmal fanden wir selbst, es geht zu weit, dann haben wir es nicht gedreht. Manches haben wir gedreht, und davon ist doch viel übrig geblieben. Aber ich war guter Dinge, denn Cornelia Ackers, die Redakteurin, ist mutig und geht an ungewöhnliche Themen heran.
Man hat den Eindruck, Sie seien lange unterschätzt worden, vielleicht, weil Sie so jugendlich wirken.
Ich bin in einem Alter, in dem ich nicht mehr unterschätzt werde. Das Mädchenhafte ermöglicht mir Rollen, die andere mit Mitte dreißig nicht mehr spielen können, aber ich bin erwachsen genug, um erwachsene Rollen zu spielen. Ich bin an einem guten Punkt. Ich denke nicht übers Alter nach, ich entdecke die Welt mit Reisen und Rollen. Das ist im Moment meine Heimat.
Was hat im „Polizeiruf“ die Uniform mit Ihnen angestellt? Immerhin starten Sie ja als Bundeswehroffizier.
Beim ersten Polizeiruf habe ich noch gedacht: O Gott, Militär, schießen. Das Einzige, womit ich geschossen hatte, war ein Luftgewehr. Dann habe ich die Uniform angezogen und war überrascht, was die mit mir machte. Selbst beim ersten Tragen gab es mir rein körperlich ein Gefühl von Stärke. Ich habe auch gemerkt: Das nimmt einem die Individualität und gibt einem ein Gefühl von Sicherheit. Die Strukturen im Militär machen das Leben auch einfacher. Mir wurde klar, warum einige Menschen es mögen, im Militär zu sein. Am Ende fiel es mir schwer, eine Szene in Privatklamotten zu spielen. Sonst müssen wir uns ja ständig überlegen, was oder wer wir sein wollen. Das Militär vermittelt anfangs ein überraschend befreiendes Gefühl. Aber ich möchte kein Mitglied der Armee sein.
Und was kommt jetzt?
Jetzt wünsche ich mir Rollen, die ich mir selbst kaum zutraue und an denen ich wachsen kann.