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Stefan Raab und die ARD Na also, geht doch!

20.07.2009 ·  Für das Musikfernsehen ist es die Sensation des Jahres: Stefan Raab und die ARD machen beim Eurovision Song Contest nun doch gemeinsame Sache. Der Entertainer soll als Produzent und Jury-Vorsitzender fungieren. Sein Kommentar zur Einigung war knapp.

Von Michael Hanfeld
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Man glaubt es kaum, aber der Norddeutsche Rundfunk hat es im zweiten Anlauf doch noch vermocht, eine Zusammenarbeit zwischen der ARD, Pro Sieben und Stefan Raab beim Eurovision Song Contest auf die Beine zu stellen (siehe auch: Raab im Ersten? Nach dem Song-Contest-Debakel grübeln die Gremlins). Der erste Versuch, das ungewöhnliche öffentlich-rechtlich-private Joint Venture zu starten, war an den in der ARD zuhauf anzutreffenden Sandinsgetriebewerfern noch gescheitert (siehe auch: Kein Senderwechsel: Stefan Raab sagt der ARD ab). Jetzt scheinen die Bedenken ausgeräumt. An diesem Montagmorgen teilten die ARD und Pro Sieben mit, dass es einen „Letter of Intent“ gebe, die nationale Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest gemeinsam zu gestalten. Als Produzent beteiligt und Vorsitzender der Jury ist Stefan Raab. Dessen Kommentar fiel knapp aus: „Na also, geht doch!“

Acht Sendungen wird es beim nationalen Vorentscheid geben: In fünf Vorrunden, einem Viertel, einen Halb- und schließlich dem Finale wird ermittelt, wer Deutschland bei dem internationalen Musikwettbewerb vertreten darf. Die fünf Vorrunden wird Pro Sieben im Programm haben, ebenso das Halbfinale, das Viertel- und das Finale laufen im Ersten. Die ARD überträgt anschließend auch den internationalen Wettbewerb aus Oslo. Wann genau die nationalen Vorrunden laufen, steht noch nicht fest, doch werden sich die Präliminarien zum Eurovision Song Contest auf jeden Fall im Frühjahr 2010 abspielen.

Es geht um musikalische Glaubwürdigkeit

Die Auswahl des Interpreten, der für Deutschland in Oslo antritt, obliegt dabei dem Publikum, das per Telefonanruf und SMS abstimmen kann. Die dreiköpfige Jury unter dem Vorsitz Stefan Raabs soll, wie es heißt, ihr Urteil abgeben und beraten, wird aber nicht den Ausschlag geben. Die Kosten des Spektakels teilen sich die ARD und Pro Sieben entsprechend ihren Sendungen: Jeder bezahlt die eigenen Shows selbst, nur bei den Kulissen, welche die Sender gemeinsam nutzen wollen, werden die Kosten hälftig geteilt. Begleitet werden die Fernsehsendungen von den Popradiowellen der ARD, unter anderen NDR 2, Eins Live und SWR 3 bieten allerhand unterstützendes Programm auf.

Es gehe darum, sagen die Organisatoren, wieder möglichst hochkarätige Musiker für den Wettbewerb zu finden und dessen musikalische Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Zugleich sei es ihnen darum zu tun, eine möglichst große Identifikation mit dem Künstler zu erzeugen, dessen Lied für Deutschland in Oslo erklingt. Angesichts des miserablen Abschneidens der hiesigen Interpreten beim Eurovision Song Contest (siehe auch: Moskauer Tagebuch (7): Grand Prix des Mittelmaßes) erscheint die neuer Aufstellung des nationalen Vorentscheids dringend geboten. Dass die ARD dabei auf Stefan Raab und dessen unbestrittene Kunstfertigkeit als Zampano des deutschen Musikfernsehens setzt, könnten Böswillige für einen Offenbarungseid des Senderverbunds halten. Wer Interesse an dem großen musikalischen Euro-Auflauf hat, wird es aber einfach für eine gute Idee halten.

Eine gute Idee ist eine gute Idee

NRD-Intendant Lutz Marmor kommentierte die Einigung: „Wo, wenn nicht beim Grand Prix, macht ein ungewöhnliches senderübergreifendes Experiment Sinn? Wer wagt, gewinnt: Deutschland kann sich auf einen spannenden Grand-Prix-Vorentscheid freuen!“ Auch Andreas Bartl, Fernsehvorstand von Pro Sieben Sat.1, betonte, dass es eine Zusammenarbeit dieser Art zwischen einer privaten und einer öffentlich-rechtlichen Sendergruppe noch nicht gegeben habe: „Wenn es um eine so große Sache geht, müssen Grenzen überwunden werden.“ Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, sagte: „Bin ich froh, dass das klappt: Eine gute Idee ist eine gute Idee.“

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