17.08.2010 · Die Intendantengehälter sind nicht länger geheim, dafür hat das sogenannte WDR-Gesetz gesorgt. Es schafft eine Transparenz, die begrüßenswert ist. Jetzt wissen wir, dass fast alle Senderchefs mehr als Kanzlerin Merkel verdienen. Aber was sagt uns das?
Von Michael HanfeldNa also, geht doch. Es musste nur einer beziehungsweise eine den Anfang machen, schon kommt die Lawine ins Rollen. Nachdem durch den Geschäftsbericht des Westdeutschen Rundfunks zwangsweise bekannt geworden ist, wie viel die Intendantin und künftige ARD-Vorsitzende Monika Piel pro Jahr verdient, kommt ein Sender nach dem anderen aus der Reserve.
Da es das neue WDR-Gesetz so will, ist es kein Geheimnis mehr, dass Monika Piel im Jahr 2009 ein Festgehalt von 308.000 Euro und inklusive Zulagen ein Einkommen von 352.000 verzeichnete. Damit liegt sie an der Spitze der ARD-Intendanten, ihr Sender ist auch mit Abstand der größte. Es folgt der NDR-Intendant Lutz Marmor mit einem Gehalt von 286.000 Euro inklusive Aufwandspauschale. Das Jahresgehalt des SWR-Intendanten und derzeitigen ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust beläuft sich auf 273.000 Euro, insgesamt wurde an die Geschäftsleitung des Senders die Summe von 1,578 Millionen Euro ausgezahlt. Man sei zur Bekanntgabe zwar nicht verpflichtet, wolle „der interessierten Öffentlichkeit gegenüber“ aber „Transparenz“ zeigen, teilte der Sender mit.
Keine Verpflichtung zur Veröffentlichung
Passend zur jeweiligen Größe der Sender fallen die Gehälter bei den kleineren Sendern etwas geringer aus. Dagmar Reim, die Intendantin des Rundfunk Berlin Brandenburg, die als erste kein Hehl mehr aus ihren Einkünften machte, bekommt demnach 220.000 Euro pro Jahr, ihr Kollege Fritz Raff vom Saarländischen Rundfunk 210.000 Euro. Radio Bremen gibt an, was der Intendant Jan Metzger und der Programmdirektor zusammen verdienen: 297.000 Euro. Daraus kann man ableiten, dass der Intendant eine Summe von annähernd 160.000 bis 170.000 Euro verdient. Der Intendant der Deutschen Welle, Erik Bettermann, kommt auf 207.000 Euro jährlich, doch wird sein Gehalt nicht aus Rundfunkgebühren, sondern direkt aus Bundesmitteln finanziert.
Weiterhin nicht bekannt sind die Intendantensaläre, die beim Bayerischen Rundfunk, beim Hessischen Rundfunk, Mitteldeutschen Rundfunk, beim Deutschlandradio und beim ZDF bezahlt werden. Dabei wolle man es zunächst auch belassen, heißt es auf Anfrage beim HR, unter anderem aus Datenschutzgründen. Der MDR, der von Politikern schon bedrängt wird, will die Frage im Verwaltungsrat erörtern. So auch der BR. „In der Frage der Offenlegung der Gehälter des Intendanten und der Direktoren“ bleibe man bei der „Auffassung, dass es keine Verpflichtung zur Veröffentlichung gibt“, heißt es beim BR. „Eine Veröffentlichung ist deswegen mit den zuständigen Gremien des BR zu beraten.“ „Unbeschadet dessen dürfen wir mitteilen, dass die Gehälter des Intendanten und der Direktoren im ARD-Vergleich angemessen sind.“
Frau Merkel ist unterbezahlt
Das Gehalt des BR-Intendanten dürfte folglich ähnlich gelagert sein wie etwa dasjenige des Kollegen vom NDR, der einen Sender vergleichbarer Größe führt. Und auch beim ZDF kann man einigermaßen sicher auf die Summe tippen, die der Intendant Markus Schächter vereinnahmt. Man gebe zu Einzelverträgen keine detaillierte Auskunft, doch liege das Niveau der Einkünfte der Geschäftsleitung nicht über dem des WDR, sagt der Sendersprecher Walter Kehr – zur Erinnerung: die WDR-Chefin Monika Piel bezieht ein Festgehalt von 308.000 Euro. Das Gehalt des HR-Intendanten Helmut Reitze schätzt der „Focus“ auf 215.000 Euro.
Das sind mitnichten geringe Summen, vor allem, wenn man zum Vergleich das Jahreseinkommen der Bundeskanzlerin heranzieht, das sich auf 199.000 Euro beläuft. Das ist mitnichten übertrieben viel, schaut man auf die Spitzeneinkünfte in großen Fernseh- und Medienkonzernen oder etwa auch darauf, was der Chef der britischen BBC einkassiert – stolze 800.000 Pfund pro Jahr. Doch was sagt uns das? Doch wohl am ehesten, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel unterbezahlt wird. Und – dass sich die Sender nicht zum ersten Mal mit einer Angelegenheit das Leben selbst schwer machen. Es gibt keinen Grund, Geheimniskrämerei zu betreiben, wenn man mit öffentlichen Geldern umgeht, im Gegenteil, es gibt eine Pflicht zur Transparenz. Zu der waren die Sender von sich aus allesamt bis dato nicht in der Lage – die Sache galt als geheime Chefsache, bis das neue WDR-Gesetz kam, die Offenlegung erzwang und eine Intendantin nach der anderen aus der Reserve kam.