12.01.2010 · Pro Sieben Sat.1 will den konzerneigenen Sender N24 veräußern. Dies sei eine Option, die man nun prüfe, sagt der Vorstandschef Thomas Ebeling. Mögliche Käufer gibt es schon: Den N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann gemeinsam mit dem ehemaligen „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust.
Von Michael HanfeldDer Nachrichtensender N24 soll verkauft werden. Das bestätigte der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, Thomas Ebeling, im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Eine von mehreren Optionen ist, den Sender zu verkaufen. Wir sehen uns jetzt genau an, welche potentiellen Interessenten es für N24 gibt und ob es möglich wäre, den Sender zu angemessenen Bedingungen zu veräußern“, sagte Ebeling.
Eine Schließung des Senders sei keine Option. Auch könne keine Rede davon sein, dass Pro Sieben, Sat.1 und Kabel eins künftig ohne Nachrichten auskommen müssten: „Natürlich werden Sat.1, Pro Sieben und Kabel eins weiterhin Nachrichten zeigen. Dazu stehen wir.“
„N24 macht einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr Verlust“
Was den Verkauf von N24 angehe, werde man Ende des ersten Quartals schlauer sein: „Wir gehen davon aus, dass wir zum Ende des ersten Quartals eine Bewertung der verschiedenen Optionen vornehmen können. Erst danach werden wir entscheiden, ob ein Verkauf der richtige Weg ist oder ob wir eine der anderen Alternativen wählen.“
Es gelte, die Kosten zu reduzieren, so Ebeling: „Wenn Sie sich N24 in seiner heutigen Form ansehen und allein betrachten, dann macht der Sender einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr Verlust. Andreas Bartl, der Chef unserer deutschen Sendergruppe, ist überzeugt, dass er adäquate Nachrichten für Pro Sieben, Sat.1 und Kabel 1 auch günstiger einkaufen kann. Wir müssen uns also überlegen, wie wir angesichts der wirtschaftlichen Gesamtsituation eine tragfähige Basis finden.“
Rossmann und Aust haben ein Konzept
Eine Verkaufsvariante wäre ein Management-Buy-Out, für den der N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann parat steht. „Der Geschäftsführer Torsten Rossmann hat uns mitgeteilt, dass er gemeinsam mit dem ehemaligen Spiegel-Chef Stefan Aust ein Konzept für einen Management-Buyout entwickelt, um N24 möglicherweise zu übernehmen“, sagte Ebeling im Gespräch mit der F.A.Z.
„Wir wollen für N24 eine gute Lösung finden, die die Interessen der Mitarbeiter, der Zuschauer und unseres Unternehmens, aber auch der Gesellschaft und der Politik berücksichtigt.“ Wenn es sich ergäbe, dass Pro Sieben Sat.1 mit dem dann verkauften Sender N24 noch intensiver zusammenarbeitete, „mit neuen, interessanten Formaten für unsere Gruppe“, sagte Ebeling, „würden wir das unterstützen, aber natürlich werden und müssen wir alle Konzepte und Angebote intensiv und ergebnisoffen prüfen.“
Dienstvertrag für Pro Sieben Sat.1?
Mit einem hohen Preis rechnet Ebeling für N24 nicht, möglichen Käufern will er den Sender sogar durch einen Vertrag schmackhaft machen, der N24 die Produktion der Nachrichten von Pro Sieben Sat.1 zusicherte: „Wir müssen realistisch bleiben“, sagte Ebeling. „Es geht primär darum, eine Lösung und eventuell einen Partner zu finden, der auch inhaltlich ein gutes Konzept hat. Je nachdem wäre auch ein mehrjähriger Liefervertrag für Nachrichten für unsere Free-TV-Sender denkbar.“
Ebeling hatte Ende des vergangenen Jahres die Debatte über den zu seiner Gruppe gehörenden Nachrichtensender mit der Ankündigung eröffnet, dass der Etat von N24 deutlich reduziert werden müsse. Von einem Drittel der bestehenden Kosten wurde berichtet. Der Etat von N24 beläuft sich nach Branchenschätzungen auf 60 bis 70 Millionen Euro pro Jahr, der Sender beschäftigt knapp 250 Mitarbeiter.
Auf der Suche nach neuen Produktionsmodellen
Auch mochte es manchen scheinen, Ebeling wolle nicht nur die Kosten für N24, sondern gleich das gesamte Nachrichtenprogramm von Pro Sieben Sat.1 reduzieren. Davon aber könne keine Rede sein, sagte Ebeling der F.A.Z.: „Wir wollen auf unseren großen Sendern weiterhin Nachrichten im jetzigen Umfang zeigen und unserem gesellschaftspolitischen Auftrag gerecht werden. Aber wir denken auch über die Zukunft der Information im TV nach. Dazu muss ich das Problem unseres defizitären Nachrichtensenders N24 lösen. Die derzeit laufende Diskussion über Fernsehnachrichten ist von unserer Seite aus nicht eine über den Sinn von Nachrichten, sondern über die wirtschaftliche Situation von N24. Es ist doch unbestreitbar, dass Nachrichten heute beinahe zu einem öffentlichen Gut geworden sind, das vielerorts erhältlich ist, vor allem im Internet. Vor diesem Hintergrund sehen wir uns an, ob es zu traditionellen Produktionsmodellen gute Alternativen gibt.“
Die Direktoren der Landesmedienanstalten, welche die Privatsender rechtlich beaufsichtigen, beraten derweil gerade über eine Vorlage, derzufolge den Sender vorgeschrieben würde, ihre Nachrichten selbst zu produzieren und auch, wie viel Geld sie dafür einsetzen. Davon hält Ebeling nichts: „Für mich stellt sich die Frage, ob es verfassungsrechtlich überhaupt zulässig ist, privaten Sendeunternehmen die Art und Weise vorzuschreiben, in der sie Nachrichten produzieren. Die zweite Frage ist, wie man 'Nachrichten' definiert. Und zum Dritten: Ist es sinnvoll, dem Privatfernsehen Nachrichtenquoten oder Investitionsquoten für Nachrichten vorzuschreiben, die es nicht einmal für den öffentlich-rechtlichen, aus Gebühren finanzierten Rundfunk gibt?“ (Siehe auch: Landesmedienanstalten sorgen sich um N24)
Der Nachrichtensender N24 war gegründet worden im Jahr 1999 als hundertprozentige Tochter von Pro Sieben Sat.1, im Jahr darauf nahm N24 den Sendebetrieb auf. N24 bestreitet ein eigenes Nachrichten- und Dokumentarprogramm und beliefert die Sender der Pro Sieben Sat.1-Gruppe mit Nachrichtensendungen. Im vergangenen Jahr kam N24 bei den jüngeren Zuschauern im Alter bis 49 Jahre auf einen Marktanteil von 1,3 Prozent und beansprucht damit unter den Nachrichtensendern die Marktführerschaft für sich.
N24 - Nachrichtensender?
Mike aus Mainz (8GradOst50GradNord)
- 12.01.2010, 17:45 Uhr
Stefan Aust will es noch einmal wissen.
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 12.01.2010, 17:46 Uhr
Die Mitarbeiter tun mir ein wenig leid
Gerhard Schraube (GehherGerd)
- 12.01.2010, 19:19 Uhr
Leider war N24 von Anfang an eine Totgeburt.
Michael Arndt (Mikel1962)
- 12.01.2010, 22:15 Uhr