12.01.2009 · Oliver Pocher ist exakt, was er scheint. Harald Schmidt ist eine Projektionsfläche, auf der immer noch die Erinnerung an die Zeiten durchschimmert, als er gut war. Wenn Stefan Niggemeier „Schmidt und Pocher“-Gucker wäre, würde er ab April Pocher vermissen.
Von Stefan NiggemeierWenn ich „Schmidt und Pocher“ gucken würde, würde ich Oliver Pocher vermissen. Als er in dieser Woche Katharina Wagner, die künftige Leiterin der Bayreuther Festspiele, ankündigte, sagte er: „Sie wird uns darüber berichten, wie sie damals die Pizza erfunden hat.“ Ein schlichter kleiner Witz, an dem das Schöne ist, dass er nicht tut, als sei er etwas anderes. Wenn Schmidt so einen Witz macht, bekommt er schon dadurch Fallhöhe, dass er, der große, kluge Schmidt, ihn macht, was die Schlichtheit wahlweise zu einer Scheinschlichtheit oder einer Superschlichtheit macht - da lobe ich mir den unangestrengt schlichten Witz an sich.
Pocher ist exakt, was er scheint. Schmidt ist eine Projektionsfläche, auf der immer noch die Erinnerung an die Zeiten durchschimmert, als er gut war, und die grundlose Hoffnung, dass er wieder so werden könnte. Und die Menschen fallen immer wieder auf dieses Versprechen herein. Dass es besser wird, wenn er häufiger kommt, seltener, länger, kürzer, nach einer Pause, ohne Pause, mit Pocher, ohne Pocher. Schmidts Geschäftspartner Fred Kogel hat gerade den Phantomschmerz noch einmal aufklingen lassen, als er versprach, im Wahljahr „die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt“, dabei spricht nichts dafür, dass es Pocher ist, der sie reißen würde.
Man muss die Dinge ernst nehmen
Natürlich fehlt jemand, der den politischen Wahnwitz mit Gewicht und Leichtigkeit entlarvt, und Kogel hat auch die Referenz genannt: den Amerikaner Jon Stewart mit seiner „Daily Show“. Aber Stewarts Humor ist sichtbar getrieben von eigener Amüsiertheit und eigener Wut, und Voraussetzung für beides ist: Interesse. Die Haltung von Harald Schmidt zu all dem, was in den Niederungen der Politik und des Lebens passiert, ist pure Verachtung. Überhaupt ernsthaft und genau zu verfolgen, was im Wahlkampf passiert, wäre da schon eine unangemessene Adelung des Geschehens.
Es wäre ein Fehler, darauf zu hoffen, dass Harald Schmidt das Wahljahr mit „Anspruch und Intellekt“ begleiten würde. Er hat keinen Standpunkt mehr, von dem aus die Dinge nicht winzig klein aussehen. Man muss die Dinge ernst nehmen, um sich gut über sie lustig machen zu können.
"Schmidt und Pocher" von Stefan Niggemeier
Michael Albers (michaelalbers)
- 12.01.2009, 15:51 Uhr
Harald Schmidt, so wie er nun mal ist, warum nicht?
gisbert heimes (gisbert4)
- 12.01.2009, 17:42 Uhr
pure verachtung genügt nicht...
Uli Kretzschmar (jimmycorrigan)
- 12.01.2009, 17:56 Uhr
Abscheu
Eckhard Freise (kampfstrampler)
- 13.01.2009, 13:38 Uhr
Ohne Schmidt und Pocher
Jan Rutsch (Gursky)
- 13.01.2009, 17:59 Uhr