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„Niemand ist eine Insel“ im ZDF : Medea auf Rügen

Im Diven-Modus: Iris Berben als Sylvia Moran Bild: Stephanie Kulbach/ZDF

Johannes Mario Simmel war der Großmeister des kritischen Unterhaltungsromans zwischen den fünfziger und achtziger Jahren. Das ZDF verfilmt nun seine Stoffe erstmals oder aufs Neue. Heute schlüpft Iris Berben dafür in die Rolle einer Diva.

          Seit 2008 gibt es unter der Ägide des Produzenten Oliver Berben und im Auftrag des ZDF neue oder erstmalige Verfilmungen von Stoffen des am 1. Januar 2009 im Alter von vierundachtzig Jahren gestorbenen Johannes Mario Simmel. Simmel war der Großmeister des weltanschaulich ambitionierten und menschenfreundlich engagierten Unterhaltungsromans zwischen den fünfziger und den achtziger Jahren. „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ sowie „Gott schützt die Liebenden“ waren in den vergangenen Jahren bereits im ZDF zu sehen.

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          Zu Pfingstmontag nun also „Niemand ist eine Insel“, jenes Melodrama um die Starschauspielerin Sylvia Moran, die an ihrer Egomanie, aber eben auch an der Kälte und der Gnadenlosigkeit der Film- und Medienbranche zugrunde geht.

          Ein Denkmal für die Callas

          Das Dilemma der bisherigen Adaptionen und nun auch dieser neuen Verfilmung: Sie kommen zu spät. Unterhaltungsschriftstellerei, so handwerklich gekonnt sie auch immer sein mag, muss stofflich entweder aus den Tiefen der Historie schöpfen oder eine jeweils unmittelbare Aktualität aufgreifen. Letzteres war Simmels ureigenes Metier.

          Am vergangenen Freitagabend erhielt die Berben den Ehrenpreis zum Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk.

          In „Niemand ist eine Insel“ schilderte er 1975 neben dem Schicksal seiner Heldin eben auch die Machenschaften der inzwischen mächtig gewordenen Boulevardmedien der Bundesrepublik und setzte mit der Figur des Sylvia Moran überdies einer Künstlerin ein Denkmal, die er zeitlebens sehr verehrt hat: der Sängerin Maria Callas, die zwei Jahre nach dem Erscheinen von Simmels Roman starb.

          Knapp vier Jahrzehnte danach sind beide, Handlung wie Stoff, durchaus wohlfeil geworden. Also haben sich sowohl der Produzent Oliver Berben, der die Filmrechte zu Simmels Büchern besitzt, als auch der Regisseur Carlo Rola dafür entschieden, die sehr in die Jahre gekommene Vorlage für unsere Gegenwart zu aktualisieren. Das Drehbuch von Knut Boeser siedelt das Ganze also im heutigen Berlin und auf der Insel Rügen an, lässt Mobiltelefone klingeln und seine Darsteller Aktualjargon sprechen. Das aber frischt die Vorlage nicht auf. Vor allem sichtbar wird der Staub, der sich inzwischen dauerhaft auf sie gelegt hat.

          Das Pathos der Diven-Rolle

          Das Fernseh-Melodram „Niemand ist eine Insel“ bietet also seinerseits einer berühmten Schauspielerin unserer Tage eine Rollenplattform: Iris Berben, an diesem Wochenende für ihr filmisches Wirken mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet und im realen Leben die Mutter des Produzenten, ist also die immerjunge Schauspielerin Syliva Moran. Sie zieht dabei alle Register zwischen Hysterie und Depression, zwischen strahlender Aura, exzentrischer Launenhaftigkeit und völligem Verlassensein.

          Ein solches Charakter- und Gefühlsensemble verbindet man denn auch landläufig mit dem Begriff der Diva. Aber Iris Berbens Spiel wirkt durchgängig so, als glaube sie selber nicht mehr an das Pathos, das die Diven-Rolle im Grunde verlangt - und das sich eben inzwischen reichlich abgenutzt hat.

          Dass sie dann auf der Insel Rügen auch noch in die Rolle der rächenden Kindsmörderin Medea schlüpfen muss, um einer Neuverfilmung der antiken Tragödie des Euripides Glanz zu verleihen, überfrachtet den Film vollends. Niemand würde in ein solches Projekt heute noch Millionen investieren. Der letzte große „Medea“-Film stammt übrigens von Pier Paolo Pasolini und aus dem Jahr 1969. Die Hauptdarstellerin war Maria Callas.

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