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Neuerungen bei Premiere Über den Krampf zum Spiel

06.06.2009 ·  Der Bezahlsender Premiere heißt seit dem 4. Juli „Sky“. Was er bietet, mauert das Bezahlfernsehen in Deutschland in jener Nische ein, in der es sich immer noch befindet. Und seine neuen Tarifmodelle sind für Fußballfans die Hölle.

Von Peter Körte
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Leichter kann man die Kunden kaum auf die Palme bringen, auch wenn der Himmel von dort aus noch ein ganzes Stück entfernt ist. „Sky“ nennt sich der Bezahlsender Premiere seit dem 4. Juli, weil es Rupert Murdoch, dem größten Einzelaktionär, so gefällt, und alles ist seither teurer - worüber man sich in einer Wirtschaftskrise mit Recht empören, wogegen man aber auch nicht allzu ausdauernd argumentieren kann, wenn man sich die Preise in Großbritannien oder Italien ansieht.

Das Unerträgliche, das Skandalöse an der neuen Pay-TV-Plattform ist: Es gibt keinen Sport mehr ohne jenes Basispaket, welches auf den albernen Namen „Sky Welt“ hört. Diese sogenannte Welt, das sind bloß jene Kanäle, die es auch schon bei Premiere gab, aber dieser jedem Abonnenten aufgenötigte Bilderballast (von „Focus Gesundheit“ über „Heimatkanal“ zu „Beate-Uhse.TV“) sorgt dafür, dass das Bundesligapaket nun 32,90 statt bisher 19,99 Euro pro Monat kostet, was eine Preissteigerung von fast 65 Prozent bedeutet. Nimmt man, wegen Champions League, DFB-Pokal, Premier League und anderer Sportarten, noch „Sky Sport“ dazu, zahlt man 44,90 (statt bisher 34,99) Euro, was einem fast schon wie ein Schnäppchen vorkommt.

Nicht jeder Kapitalist versteht die Gesetze des Marktes

Lassen wir mal ganz sportlich beiseite, dass die neue Paketstruktur insgesamt derart unübersichtlich ist, als rechnete man mit teuren Buchungsirrtümern; und dass gegen einen Aufschlag von fünf bis zehn Euro pro Monat zwar ein High-Definition-Paket erworben, jedoch kein einziger zusätzlicher Kanal empfangen werden kann - für HD-Kanäle muss ein „Premium-Paket“ her.

„Buy through“ heißt dieses Modell, welches Murdoch bereits bei „Sky Italia“ und dem britischen „BSkyB“ praktiziert, und man sieht daran, dass nicht jeder, der für Kapitalismus und Rendite eintritt, die Gesetze des Marktes auch verstanden hat. Mag ja sein, dass der Namenswechsel keine größeren Probleme bereitet. Zwar wissen laut einer Umfrage neun von zehn Befragten, was „Premiere“ ist, aber wenn an rund 15.000 „Premiere“-Sportbars die Schilder ausgetauscht werden müssen, schafft das wenigstens noch ein bisschen Arbeit, und wenn dem notleidenden Agenturgeschäft ein zweistelliger Millionenbetrag für die „Sky“-Kampagne zufließt, ist das auch in Ordnung.

Die „Sky“-Strategie ignoriert den Markt

Doch wenn ein besonders liebedienerischer Börsenanalyst behauptet, die jüngste Entwicklung von „Premiere“ sei eine „starke Turnaround-Story“, ist das ein ganz schwacher Witz. Dass Mark Williams, der neue Senderchef, tönt, die Kampagne für „Sky“ sei „aufregend und gewaltig“, ist die handelsüblich-dürftige Rhetorik; wie er allerdings bis Ende 2010 aus der Verlustzone kommen will, ist ein Mysterium, da dies ein Wachstum der Abonnentenzahl von derzeit 2,4 auf mehr als drei Millionen voraussetzte. Wo diese eine Million herkommen soll, nachdem bei „Premiere“ unlängst rund eine Million Karteileichen entdeckt wurden und die Abonnentenzahl nach unten korrigiert werden musste, hat Williams natürlich nicht gesagt. Wohl eher ist damit zu rechnen, dass zahlreiche „Premiere“-Abonnenten nach Ende der Laufzeit ihre Verträge nicht zum neuen Tarif verlängern werden. Und dass alle Gastronomen angesichts dieses Preisaufschlags ein „Sky“-Schildchen vor der Tür haben möchten, ist auch fraglich.

Dieses neue Zwangsangebot ist einfach nur eine Unverschämtheit. Es gibt genügend Sportinteressierte, die bei einem vernünftigen Spartenangebot auch mehr bezahlen würden. Es gäbe auch noch Pay-per-view. Das sind Tarifmodelle, die sich am Prinzip von Angebot und Nachfrage orientieren. Die „Sky“-Strategie dagegen ignoriert den Markt; man muss ihr das Scheitern gar nicht erst wünschen.

Wo bleibt die Konkurrenz

Man muss allerdings den Kapitalismus gegen seine Liebhaber verteidigen. Natürlich ist durch GEZ-Zwangsgebühren finanzierter Fußball im Fernsehen kein Menschenrecht, auch wenn manche zu glauben scheinen, er sei schon im Grundgesetz festgeschrieben. Ich würde der „Sportschau“ nicht nachtrauern, das „Aktuelle Sportstudio“ braucht sowieso kein Fußballfreund, und ich würde für den Fußball, den ich sehen will, auch entsprechend bezahlen. Aber ich würde mir ja auch nicht für 35 Euro eine Tribünenkarte bei einem Bundesligaspiel kaufen, wenn man mich dabei zwänge, dem Auftritt einer Volkstanzgruppe beizuwohnen oder eine Heizdecke zu erwerben, ohne welche das Ticket zehn Euro billiger wäre. „Sky Welt“ ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man das Bezahlfernsehen in Deutschland in jener Nische einmauert, in der es sich immer noch befindet.

Was tun? Die Telekom, deren „Liga total“ schon auf der Brust jedes Bayern-Spielers erscheint, hilft mit ihren Internetübertragungsrechten nicht weiter, denn ohne das komplette Telekom-Paket aus Telefon, Internet und Fernsehen für zirka 45 Euro bleiben die Bildschirme leer. Man kann daher nur voller Wut und Ungeduld abwarten, dass „Sky“ mit seiner Strategie schnell abstürzt und dann endlich mal eine Konkurrenz auf dem Fußballrechtemarkt entsteht, welche die Anbieter zwingt, sich in Inhalten und Preisgestaltung an der großen Zielgruppe der Sportinteressierten zu orientieren.

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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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