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Sonntag, 12. Februar 2012
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Neue Talkshow mit Christiansen und Aust Achtung, jetzt kommt eine Webcam!

24.08.2009 ·  Eine Polittalkshow ganz neuen Zuschnitts soll „Ihre Wahl! Die Sat.1 Arena“ sein. Zum Auftakt sahen die Moderatoren Sabine Christiansen und Stefan Aust und ihr Stargast Karl-Theodor zu Guttenberg aber ziemlich alt aus.

Von Michael Hanfeld
Artikel Lesermeinungen (12)

Etwas Konkurrenz könnte „Anne Will“ am Sonntagabend gar nicht schaden. Auf eingefahrenen Gleisen zieht sie ihre Bahn, der Schlagabtausch im Ersten schlägt einen an vielen Sonntagen nur in Maßen in Bann.

Wie verheißungsvoll klang es da, dass Sat.1, der Sender, der mit dem „Talk im Turm“ einst den Maßstab setzte, einen neuen Polittalk ankündigte - mit ganz neuen Elementen der Zuschauerbeteiligung, zwei Altmeistern ihres Fachs und einem Medien-Shootingstar als erstem Gast: Sabine Christiansen, Stefan Aust und Karl-Theodor zu Guttenberg. Und als zweitem Gast dann auch noch einen Provokateur par excellence: Oskar Lafontaine. Das konnte doch nur gut werden. Dachte man. Wurde es aber nicht.

Ein fades Potpourri

Es wurde das Gegenteil: ein fahriges, ein fades Potpourri, ein sechzig Minuten langer Vorlauf ohne Finale. Als es gerade spannend zu werden versprach, war die Sendung schon vorbei, davor hatte der Bundeswirtschaftsminister - der es immerhin geschafft hat, als CSU-Politiker von der CDU landesweit plakatiert zu werden - so wenig geglänzt wie lange nicht. Und das hatte etwas mit ihm selbst, mit seinem Kontrahenten, vor allem aber mit dem Zuschnitt der Sendung zu tun.

Aus der Nähe - als Gast im Studio in Berlin-Adlershof betrachtet - war noch am spannendsten, was die Zuschauer nicht zu sehen bekamen. Das einstündige Warmlaufen mit Publikumsbefragung zum Beispiel, in dem sich ein Gast als Nichtwähler, ein anderer als hartnäckiger CDU-Parteigänger zu erkennen gab - und das zu begründen wusste. Von Oskar Lafontaine erwarte er nicht viel, sagte der nächste, denn der habe als Superminister nach neun Monaten die Flinte ins Korn geworfen und klopfe seither nur Sprüche.

Vom Superminister zum Supersprüchemacher - solch provozierende Einschätzungen hätte man gerne in der Sendung gehört, ja man hatte sie erwartet, doch sie kamen nicht. Stefan Aust erzählte den Studiogästen, wie lange er gebraucht habe, seine Krawatte zu binden, frohgelaunt schien er vor Beginn, genauso wie seine Mitstreiterin Sabine Christiansen. In der Sendung selbst war von ihm dann nichts mehr zu sehen.

Wild, fahrig, oberflächlich

Es war schon seltsam: Ein Talkshow-Zehnkampf sollte das wohl sein, bei all den Elementen, die eingesetzt wurden, und doch versagte die Wahl-Arena in der Kardinaldisziplin - dem politischen Streitgespräch, dem Widerstreit der Argumente. Es ging noch wilder, noch fahriger und noch oberflächlicher zu, als wir es von den Talkshows gewohnt sind. Entweder dräute die Werbeunterbrechung oder es wollte eine Twitter-Botschaft eingeblendet oder ein Webfilmchen eingespielt werden. „Wir haben jetzt eine Webcam“, sagte Sabine Christiansen. Sie meinte damit, dass nun eine Zuschauerwortmeldung mit Bild käme. Die kam dann auch und unterbrach den mühsam in Gang gehaltenen Redefluss. Sebastian Krumbiegel, der Sänger der „Prinzen“, musste auch noch gehört werden. Der saß in einem erstaunlich altdeutsch eingerichteten (um nicht zu sagen: spießigen) Wohnzimmer und wiederholte ein um das andere Mal, dass die Leute doch bitteschön wählen gehen und ihr Kreuzchen „an der richtigen Stelle“ machen sollten. Es war eine einzige Unterbrechersendung.

Oskar Lafontaine schlug sich in diesem Ring vielleicht noch am besten. Er setzte - wie stets - nur Slogans ab, denen jeder zustimmen kann. Dass sich Arbeit lohnen muss und es gerecht zugehen soll. Was freilich - nach Lesart der Linken - bedeutet, dass sich der Staat um alles kümmert, denn der weiß es am besten. Bei Lafontaine klingt das selbstverständlich anders. Die Linke müsse der Union erste wieder die soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhardt beibringen, sagte er, ganz genau getaktet vor der Werbepause. Nach der Pause ging es schon mit etwas anderem weiter, Guttenberg hatte nicht einmal die Gelegenheit, darauf ähnlich kernig zu antworten.

Aust war unsichtbar

Und das war schon erstaunlich, vor allem, da mit dem früheren „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust jemand am Tisch saß, der das Wesen der Linkspartei in der gemeinsam mit dem „Frontal 21“-Chef Claus Richter verfertigten ZDF-Dokumentation „Auferstanden aus Ruinen“ in der vergangenen Woche in hervorragender Weise seziert hat. Jetzt, bei Sat.1, kam Aust kaum zum Zuge, Sabine Christiansen erteilte und beschnitt zügig das Wort, hierhin, dahin und am Ende immer ins Nirgendwo. So herzlich unkonkret war die Sendung, wie man es dem Wirtschaftsministers mit seinen Einlassungen immer wieder gerne vorwirft. Nicht einmal die Punkte des von Guttenberg selbst „Stoffsammlung“ genannten Thesenpapiers aus seinem Ministerium, das er sogleich wieder verwarf, wurden halbwegs exakt benannt. Dann ging es - im Gespräch mit einer Unternehmerin - um die Nöte des Mittelstands und das Gebaren der Banken, die vom Staat billig Geld bekommen, es aber nicht weitergeben in einem Basel-2-Fachchinesisch, das den meisten Zuschauern die Ohren geklingelt haben dürften.

Karl-Theodor zu Guttenberg könnte die Sendung trotzdem vielleicht halbwegs unbeschadet überstanden haben. Dank seiner demonstrativen, beständig zur Schau gestellten Bescheidenheit. Und schließlich brachte er wenigstens einen Satz unter, wie jenen, in dem er die „zum Teil absurden Boni“ der Investmentbanker geißelte. Das war es denn aber auch schon. Oskar Lafontaine musste dafür nicht erklären, warum der allgemeine Unmut seiner Partei auf Bundesebene so wenig nützt. Und er musste auch nicht sagen, wie er die Gerechtigkeitssegnungen, die er verspricht, bezahlen will, beziehungsweise wie viel die Steuerzahler dafür aufwenden dürfen. (Wir plädieren an dieser Stelle für das vorgezogene Wahlalter nicht ab sechzehn, sondern ab sechs Jahren, dann könnten bei dieser Bundestagswahl wenigstens diejenigen mit abstimmen, die für die letzte Rentenerhöhung und den gigantischen Schuldenberg vom Erreichen ihrer Volljährigkeit an geradezustehen haben.)

Auf fünf Runden soll es „Die Sat.1 Arena“ bis zur Bundestagswahl bringen. Sie scheint schon nach dem ersten Durchgang angezählt. „Wer an die Macht will, muss hier durch“, sagt Stefan Aust im Vorspann. Das könnte ein Irrtum sein, nach dem Motto: Wer durch diese hohle Gasse geht, kann sich das mit der Macht sparen.

Marktanteil 4 Prozent

In der Zuschauergunst hat „Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena“ einen Fehlstart hingelegt. Nur 830.000 Zuschauer schalteten ein, der Marktanteil lag bei 4,0 Prozent. Die ARD erreichte mit ihrem Polit-Talk „Anne Will“ (21.45 Uhr), der Nachfolgesendung von „Sabine Christiansen“, recht ordentliche 3,19 Millionen Zuschauer (12,8 Prozent).

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr