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Märchenfilm in Sanssouci Ja, der Kaiser ist nackt

11.07.2010 ·  Der WDR verfilmt im Schloss Sanssouci das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Mit Matthias Brandt in der Hauptrolle - und einem Helden, den Hans Christian Andersen so nicht vorgesehen hatte.

Von Johannes Warda
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Am Südwestende von Sanssouci. Links und rechts des aufgerissenen Asphalts gelber Rasen, darauf ein paar preußische Barockbrocken. Als hätten sich die Riesen Friedrichs Neues Palais geschnappt und über dem alten Tempelhofer Flugfeld abgeworfen.

Das ist das Land, in dem die Menschen hungern und die Brücken einstürzen, weil alles Geld für den Kleiderfimmel des Kaisers draufgeht. Den kümmert das wenig. Im Gegenteil: Drinnen im Palais ist der Kaiser (Matthias Brandt) schlechter Laune, weil sich partout kein passendes Gewand für seinen Geburtstag findet. Da kann der treue Minister (Manfred Möck), welcher der Schatulle seines Herrn zuliebe auf eine größere Auswahl an Perücken verzichtet und eine asketische Glatze als Zeichen seines Arbeitseifers durchs Schloss trägt, noch so oft an die drängenden Probleme des Landes erinnern.

Spätestens an dieser Stelle braucht das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ einen Helden, den Hans Christian Andersens so nicht vorgesehen hatte. Und da kommt er auch schon hereingestürmt. Der Weber Jakob (Sergej Moya) und die beiden Schwestern Maja und Greta (Alissa Jung, Audrey von Scheele), die er auf der Straße aufgegabelt hat, wollen dem Kaiser die Augen öffnen für das ganze Elend, das er nicht sehen will. Sie erteilen ihm die bekannte Lektion, an deren Ende er nackt dasteht, in den wunderbaren, kostbaren Stoffen, welche die Dreiergang mit viel Luft und Imagination zusammengesponnen hat.

Bei Andersen spielt der Kaiser die Farce mit, um sein Gesicht zu wahren. In David Ungureits Drehbuch der WDR-Märchenverfilmung nehmen die drei Weber dem Kaiser das Versprechen ab, sein Land zu verändern, ganz selbstlos. „Das ist ein sehr politisches Drehbuch“, sagt Regisseur Hannu Salonen. „Der Film blickt unter der exzentrischen Oberfläche der Mächtigen auf ihre wahren Interessen. Und wird am Ende zum Märchen, wenn der Kaiser die Staatskasse für alle öffnet.“

Dass ja kein Schweißfuß auf den Marmor tappt

„Andersens Märchen ist eine Geschichte, die ich immer sehr gern mochte“, sagt der Schauspieler Matthias Brandt. An der Figur des Kaisers reizt ihn das Problem, das alle hätten, die im Licht der Öffentlichkeit stehen: „Leute, die wissen, dass sie nicht die Größten sind, kaschieren das mit Overacting. Insofern ist die Enttarnung, ob im Märchen oder in der realen Welt, immer aktuell.“ Bis es so weit ist, bis zur Enttarnung und Läuterung des Kaisers, webt das Filmteam eine leichte, einstündige Erzählung voller kleiner Einfälle und mit grandiosen Darstellern.

Wie schon die vorangegangenen Märchenverfilmungen lebt „Des Kaisers neue Kleider“ von einer klugen Mischung aus Werktreue und behutsamer Umdeutung. So entsteht, was etwas abgegriffen „Familienfernsehen“ genannt wird. Für alle Altersgruppen sei etwas dabei, sagt der Produzent Martin Hofmann. Nach dem burlesken „Tischlein deck dich“ und „Rumpelstilzchen“ in der Burgkulisse stehe Andersens Märchen nun für das Höfisch-Absolutistische.

In diesen Tagen wird in den Schlössern und Gärten zwischen Berlin und Potsdam gedreht. Der große Kurfürst in Öl blickt auf das Gewusel der Filmleute im Vestibül. Hofmann ist hochzufrieden mit den Stars vor und hinter der Kamera. Die Ausstattung besorgt Maja Zogg, die auch das Szenenbild des oscarprämierten Kurzfilms „Spielzeugland“ verantwortete.

Kameramann Felix Cramer („Waffenstillstand“, „Unschuld“) war jüngst für den Deutschen Kamerapreis nominiert. Und auch die Drehorte begeistern: „Wir sind hier in einmaligen Motiven, in die man sonst nicht hineinkommt.“ Einfach macht das die Arbeit am Set nicht. Die Dame von der Museumsaufsicht gibt in den Drehpausen nicht nur fachkundige Erläuterungen zur Familiengeschichte der Hohenzollern, sondern achtet auch darauf, dass kein Schweißfuß aus den Schnallenschuhen auf den Marmor tappt. Badelatschen sind angesagt, um die Füße zu entlasten. Die sind hoffentlich nicht mehr zu sehen, wenn der Film zu Weihnachten ausgestrahlt wird.

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