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Kündigungs-TV Der Chef kommt heimlich und entlässt live

24.04.2009 ·  Nach den Plänen der Sender CBS und Fox soll die amerikanische Kündigungswelle Thema zweier neuer Live-Fernsehsendungen werden: Vor laufender Kamera werden die „unqualifiziertesten“ Mitarbeiter bestimmt und gefeuert. Im Herbst soll es losgehen, Arbeitsrechtler protestieren schon jetzt.

Von Nina Rehfeld, Phoenix
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Die Wirtschaftskrise erreicht das Reality-Fernsehen: Nach den Plänen der Sender CBS und Fox soll die Kündigungswelle in amerikanischen Unternehmen Thema zweier neuer Reality-Sendungen werden, die voraussichtlich im Herbst debütieren. Vor laufender Kamera sollen darin die „unqualifiziertesten“ Mitarbeiter bestimmt und gefeuert werden. Arbeitsrechtler warnen schon, dass sich die Sender damit in Teufels Küche begeben könnten. Doch die Networks, die die entsprechenden Verzichtserklärungen für ruhmsüchtige Angestellte wahrscheinlich längst formuliert haben, finden es nur zeitgemäß, den enger werdenden Arbeitsmarkt zu einem Circus Maximus der Fernsehunterhaltung umzufunktionieren.

CBS hat mit „Undercover Boss“ eine Realityshow in Auftrag gegeben, in der in jeder Folge ein Unternehmensmanager Maulwurf bei den Angestellten spielt. Die Serie basiert auf einem britischen Format gleichen Namens, das beim englischen Channel 4 der Ausstrahlung harrt. Darin soll der Chef, als Kollege auf der Einstiegsebene posierend, seine ahnungslosen Angestellten aus nächster Nähe kennenlernen sowie ihre berufliche Eignung und ihren Einsatz für das Unternehmen unter die Lupe nehmen.

„Someone's gotta go“

Die Serie soll ihren Reiz offenbar sowohl aus der Tatsache ziehen, dass ein Anzugträger sich in einer möglich „trostlosen und unbeliebten Position“ (so der Werbetext von Channel 4) seines Unternehmens wiederfindet und Anweisungen von Untergebenen entgegennehmen muss, als auch daraus, dass die Angestellten dem unerkannten Boss arglos ihre Meriten und Mankos enthüllen. Am Ende des zehntägigen Ausflugs an die Basis muss der jeweilige Chef Entscheidungen zur Verbesserung der Unternehmensstruktur treffen - darunter auch die Belohnung von besonders wertvollen, bisher übersehenen Angestellten und die Bestrafung solcher, die ihrer Position nicht gerecht werden. „Unerkanntes Talent wird gewürdigt oder befördert - und schwache Leistungen können nicht länger versteckt werden“, heißt es bei Channel 4.

Wie nah die amerikanische Variante dem englischen Format ist, bleibt abzuwarten. CBS will zu dem von Stephen Lambert produzierten Format bislang nur sagen, dass zunächst ein einstündiger Pilot bestellt worden ist und noch kein Sendetermin feststeht. „Es ist eine Show mit versteckter Kamera, in der ein Top-Manager eines großen Konzerns als Mitarbeiter der eigenen Firma undercover geht, um einen unverstellten Blick auf Mitarbeiter und Abläufe der Firma zu gewinnen“, sagte CBS-Sprecher Phil Gonzales.

Fox plant unterdessen mit „Someone's gotta go“ („Einer muss gehen“) ein ähnliches Format: Anstelle des Chefs sollen hier die Angestellten mittelständischer Unternehmen entscheiden, wer aus der Belegschaft seinen Hut nehmen muss, nachdem die Gehälter der Mitarbeiter sowie andere vertrauliche Informationen aus der Personalakte offengelegt werden. Die Angestellten sollen dann bestimmen, wer seinen Posten am wenigsten verdient und gefeuert wird. Mike Darnell, der Realityshow-Chef des Senders, sagte gegenüber dem Fachblatt „Variety“, es handele sich um eine Kombination aus „Survivor“, der überaus erfolgreichen Wildnis-Olympiade von CBS, und „The Office“, der vielfach preisgekrönten satirischen Büroserie von NBC. „Wenn jemand seinen Job verliert, lautet die Frage doch oft: Wieso haben sie den entlassen, anstatt den anderen Idioten da drüben? Hier können endlich einmal die Angestellten die Entscheidung treffen.“ Die Idee sei ihm gekommen, als er eine Fernsehreportage über einen unter Druck geratenen Unternehmer sah, der beschloss, seine Belegschaft über die Opfer der notwendigen Schrumpfkur entscheiden zu lassen.

Juristische Bedenken

Produziert wird „Someone's gotta go“ von Endemol North America unter der Ägide von David Goldberg. Die Ankündigung der Serie rief zwar empörte Reaktionen bei amerikanischen Arbeitsrechtlern hervor. So gab auf der Website des „National Law Journal“ die Arbeitsrechtlerin Tara Aschenbrand zu bedenken: „Das könnte schnell in Prozessen wegen Verleumdung, Vergeltung oder Diskriminierung enden.“ Auch die üblichen Verzichtserklärungen der Beteiligten könnten das Allgemeinrecht nicht aushebeln, so der Entertainment-Anwalt Leonard Rubin. „Diskriminierung am Arbeitsplatz ist gegen das Gesetz.“ Vor allem aber muss man wohl den ethischen Wert einer Sendung in Frage stellen, die die Anstiftung zum Kollegen-Mobbing zum Kern hat.

Doch Fox äußerte sich bislang zu juristischen Bedenken nur insoweit, dass man Arbeitsrechtler und Anwälte konsultiert und sich sorgfältig abgesichert habe. Und ethische Einwände mag der Produzent David Goldberg nicht gelten lassen. Er glaubt, den Finger auf den Puls des Zeitgeistes zu legen. „Was könnte aktueller sein als die Finanzkrise und der Umgang mit der Realität von Kündigungen?“, fragte er in „Variety“. Die Serie sei ja bloß eine „Erweiterung dieser wirklichen Erfahrungen“, so Goldberg. Bei der Rekrutierung williger Kandidaten habe er jedenfalls keine Schwierigkeiten gehabt.

Wie bereits von „Someone's gotta go“ wird es auch von „Undercover Boss“ demnächst eine europäische Version geben. Endemol entwickelt eine Adaption der Serie für den französischen Markt. Virginie Calmels, Geschäftsführerin von Endemol France, sagte in der Zeitschrift „Télé-Loisirs“: „In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen sich viele Firmen von Angestellten trennen müssen, wirft dies ein Schlaglicht auf die Verdienstvollen im Schatten.“ Das Blatt spottete im Gegenzug: „Wie schön, dass Endemol den einfachen Franzosen zu Hilfe eilt!“

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr