31.01.2010 · Im Osten Thüringens betreibt der MDR ein geheimes Labor, in dem Moderationsroboter gezüchtet werden. Aber kaum einer erreicht die Qualität von Inka Bause, die jetzt auf RTL eine Realityshow namens „Die Farm“ moderiert.
Von Stefan NiggemeierEs ist nicht so leicht zu beschreiben, was Inka Bause so unerträglich macht. Die Haare allein können es ja nicht sein – obwohl die schon viel erklären: Sie trägt sie, als sei ihr Föhn explodiert, aber das wilde In-alle-Richtungen-Stehen wirkt bei ihr so plastikhaft perfekt, als hätte sie jede Strähne einzeln in die dafür vorgesehene Richtung festbetoniert. („Beste Voraussetzung“ für ihre Frisur sei, dass ihre Haare mittlerweile „relativ klinisch tot sind“, erklärt sie in erfreulicher Offenheit auf ihrer Homepage.)
Es ist diese gezwungene Lockerheit, die vollkommen künstliche Nachahmung von Natürlichkeit, die Inka Bause ausmacht. Damit ist sie nicht allein: Der MDR betreibt im Osten Thüringens in einer ausgedehnten Kelleranlage ein geheimes Labor, in dem solche Moderationsroboter gezüchtet werden. Aber kaum einer erreicht die Qualität Inka Bauses. Bei „Bauer sucht Frau“ muss sie Sätze sagen wie: „Der humorvolle Pfundskerl Mike stellt für seine Liebsten eine richtige Krippe vors Bauernhaus.“ Und sie schafft es, in das Wort „richtig“ eine Inbrunst zu legen und dazu ein Leuchten in ihren Augen anzuknipsen, dass es furchteinflößend überzeugend wirkt.
Man muss sie dafür bewundern
Sie kann viele Male hintereinander den frommen Milchbauer Josef den „frommen Milchbauer Josef“ nennen, ohne einen Hauch von Distanz oder gar Ironie andeuten zu müssen. Und dann geht sie immer drei Schritte auf die Kamera zu, und wenn jemand das nachmäße, würde er sicher feststellen, dass deren Abstand auf den Millimeter genau gleich groß ist. Weil sie seit vergangenem Jahr eine „resolute Fitnesslehrerin“ auf dem „Traumschiff“ spielt, musste sie in endlosen Promotionfilmen neben Produzent Wolfgang Rademann herlaufen, während er so tat, als zeige er ihr das Schiff.
Man muss sie dafür bewundern, wie sie es schaffte, dessen nicht enden wollenden Redeschwall über sich hinwegspülen zu lassen, ohne auch nur einen Nerv in ihrem Gesicht zucken zu lassen, und zugleich ist genau das so beunruhigend. Selbst wenn sie nicht als Schlagersängerin auftritt, hat man das Gefühl, das halbe MDR-Fernsehballett bewege sich gerade im makellosen Gleichschritt hinter ihr.
Von diesem Sonntag an moderiert sie auf RTL eine Realityshow namens „Die Farm“, auf der Kandidaten in der norwegischen Wildnis gegeneinander kämpfen. Eigentlich ist dieses Genre seit Jahren tot. Sollte sich herausstellen, dass es nur untot war, muss das an ihr liegen.