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Im Gespräch: Stefan Raab „Das muss ein nationales Event werden“

31.07.2009 ·  Mit Stefan Raab als Jury-Chef suchen die ARD und Pro Sieben nächstes Jahr gemeinsam einen deutschen Repräsentanten für den Eurovision Song Contest. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Raab, wie er den deutschen Vorentscheid zu einem „Casting-Wettbewerb auf hohem Niveau“ umbauen will.

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Die alten Grand-Prix-Zeiten sind endgültig vorbei: Der Eurovision Song Contest ist mit der Zeit gegangen, jetzt will Stefan Raab der ARD helfen, endlich auch den deutschen Vorentscheid zu modernisieren. Statt einer einzigen Show soll es im kommenden Jahr acht Sendungen geben, in denen musikalische Talente zeigen können, was sie drauf haben, um sich vom Publikum nach Oslo wählen zu lassen. Die Vorauswahl läuft bei Pro Sieben, die ARD zeigt das Finale. Und Raab sitzt in der Jury.

Herr Raab - Sie sind der erste Moderator, der von der ARD verpflichtet wurde, ohne seinen bisherigen Sender wechseln zu müssen. Hätten Sie diesen Trick nicht vor zwei Jahren Günther Jauch verraten können?

Es hat mich ja keiner gefragt.

Bisher haben Sie die Zusammenarbeit mit öffentlich-rechtlichen Sendern eher kritisch gesehen - vor allem wegen der komplizierten Entscheidungsfindungen.

Das hat sich ja jetzt auch wieder bewahrheitet. Ich kann durchaus verstehen, dass es bei der ARD wegen der hierarchischen Struktur schwerer ist, Entscheidungen zu fällen. Als sich das aber ewig hinzog, gab es einen Punkt, an dem ich keinen Bock mehr hatte. Wir waren ja schon seit gut einem Jahr in Gesprächen. Nach ein paar Wochen kam die ARD aber nochmal auf uns zu und hatte alle Interna geklärt - warum sollte man's dann nicht probieren? Ich bin ja nicht nachtragend.

Andererseits sind diese Komplikationen keine guten Aussichten für die Shows, die Sie machen wollen, oder?

Ach, bei der ARD ist das wie mit neuen Gesetzen: Wenn die verabschiedet sind, gelten sie. Solange man sich dann daran hält, ist alles ok.

Ihr Wunsch, noch mal beim Eurovision Song Contest mitmischen zu können, muss auf jeden Fall sehr ausgeprägt sein.

Ich war ja schon ein paar Mal dabei: 1998, als ich für Guildo Horn komponiert habe, sozusagen in den Anfangstagen des Fernsehens, dann noch einmal selbst als Interpret und mit Max Mutzke. Jetzt ist es wieder eine ganz andere Konstellation. Mich interessiert diesmal vor allem die Ausarbeitung der Idee, den Vorentscheid zu einem emotionalen Event zu machen. Die Marke 'Eurovision Song Contest' ist ja sehr stark. In diesem Jahr hatte die Show 35 Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe - obwohl es keinen Vorentscheid und keinen Interpreten gab, mit dem man sich hätte identifizieren können.

Und wie wollen Sie das hinkriegen, das Interesse noch zu steigern?

Ich glaube, es kommt nicht darauf an, dass man den größten deutschen Star nach Oslo schickt - den kennt im Ausland eh keiner. Es kommt wirklich darauf an, die Veranstaltung zu emotionalisieren. Bisher gab es meist nur einen einzigen Vorentscheid, bei dem am Ende jemand feststand, der Deutschland repräsentieren sollte. Man muss die Leute da aber stärker heranführen. Daher kam die Idee: Lasst uns das als Casting-Wettbewerb auf hohem Niveau machen! Die Zuschauer müssen den, der da antreten soll, erst mal kennenlernen. Nach acht Sendungen hat das Publikum einen Finalisten, den es kennt, liebt und unterstützt. Das kann so emotional werden, wie es sonst nur bei der Fußball-Weltmeisterschaft geht, weil im besten Fall das ganze Land hinter einem Künstler steht. So ähnlich war das damals ja schon mit Max.

Wie muss denn ein Song gemacht sein, der Chancen hat, in Oslo erfolgreich zu sein?

Eigentlich ist das nur das sekundäre Ziel. Sie können da für Deutschland auch Jennifer Lopez hinschicken, das heißt aber noch lange nicht, dass wir dann auch Erster werden, weil die Zuschauer in irgendeinem Land vielleicht sagen: So kriegt ihr erst recht keinen Punkt. In erster Linie geht es darum, die Veranstaltung in Deutschland wieder wichtiger zu machen. Das deutsche Finale muss schon ein großes Event sein - mit einem größeren Ziel als alle anderen Castingshows in Deutschland das bieten können. Normalerweise gewinnt einer und kriegt einen Plattenvertrag, aber das ist ja pille-palle. Bei uns vertritt der Gewinner Deutschland in Europa - das ist doch mal was!

Und Ihr Bundesvision Song Contest bei Pro Sieben war in den vergangenen Jahren die Vorbereitung?

Den Bundesvision Song Contest wird es auf jeden Fall weiter geben, wir haben ihn ja auch bewusst nicht als direkte Konkurrenz zum Eurovision Song Contest angelegt, sondern als Alternative, bei der es eher um die Förderung deutschsprachiger Popkultur geht. Für Oslo wollen wir einen neuen Künstler entdecken, der musikalisches Potenzial hat. Dass das funktioniert, haben wir bei „TV total“ ja schon bewiesen.

Sehen die Sendungen, die Pro Sieben und das Erste zeigen, auf beiden Sendern gleich aus?

Das Studio wird beide Male dasselbe sein, im Fernsehen ändert sich nur das Senderlogo oben in der Ecke. Wer moderiert, geben wir noch bekannt, soweit sind wir noch nicht. Kann auch sein, dass es ein Moderatorenpaar gibt - auf jeden Fall mach ich's nicht. Ich konzentriere mich darauf, meinen musikalischen Senf dazu zu geben, sozusagen als Mentor.

Am Ende entscheidet aber immer das Publikum - und Sie sind fein raus, wenn's schief geht.

Genau, die Zuschauer bestimmen den Song und den Künstler und wenn's total in die Hose geht, kann ich sagen: Wer hat's denn entschieden? Aber wir werden natürlich alles in unserer Macht stehende unternehmen, um einen glaubwürdigen Künstler zu finden und Erfolg zu haben.

Hat Pro Sieben eigentlich nie gesagt: Du kannst uns ja alle paar Wochen um eine halbe Million ärmer machen, wenn du bei „Schlag den Raab“ verlierst, aber hol uns bloß nicht die ARD ins Haus!

Nein, da gab's keine großen Diskussionen. Als die Anfrage vom NDR kam, habe ich mich mit Andreas Bartl unterhalten, dem Chef der deutschen Sender von Pro Sieben Sat.1, und gefragt: Könnt ihr euch das vorstellen? Und natürlich ist das - wie Thomas Schreiber vom NDR so gern sagt - eine 'Win-Win-Situation' für beide Sender. Die ARD profitiert durch den Vorlauf bei Pro Sieben, weil die Aufmerksamkeit für das Finale viel höher sein wird, und wir profitieren von der Marke Eurovision Song Contest. Das ist wirklich eine historische Zusammenarbeit. Ich sag's mal so: ARD und Pro Sieben - es wächst zusammen, was zusammen gehört.

Das Gespräch führte Peer Schader.

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