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Montag, 13. Februar 2012
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Im Fernsehen: „Annettes Daschsalon“ Schlafes Sangesbrüder

01.08.2010 ·  Wenn die Sopranistin Annette Dasch bei 3sat zum Hauskonzert bittet, kommt es zu einem Karaoke der besonderen Art. Ihre Gäste singen, manche legen sich sogar ins Bett.

Von Irene Bazinger
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Die Sopranistin Annette Dasch, die vor wenigen Tagen bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele als Elsa in „Lohengrin“ gefeiert wurde (siehe Lohengrin in Bayreuth: Schwarze Schwanenkönigin, wohin führst du uns? ), macht auch in kleinerem Rahmen bella figura: Wie im Berliner Radialsystem, wo sie seit Januar 2008 ihre selbst ausgedachten „Hausmusizierabende“ abhält.

Der Schwager spielt Klavier

Das Ambiente bei „Annettes DaschSalon“ ist familiär – so wirken die Schwester und der Schwager am Klavier mit. Von Beginn an wurden diese „Hinhörveranstaltungen“ gestürmt, was neben der Gastgeberin und ihren Gästen vor allem an der anspruchsvollen wie unkomplizierten Art lag, den alltäglichen Gebrauchswert von Kultur am Beispiel „Lied und Lyrik“ zu demonstrieren. Heute ist bei einem Mitschnitt in 3sat wieder zu genießen, wie das gehen und glücken kann.

Im Vorspann radelt Annette Dasch durch ihre Heimatstadt und gelangt mit einer Dschunke über die Spree zum Auftrittsort – stets mit einem aufgespannten weißen Regenschirm in der Hand. Der ziert dann ausgebreitet die Bühne und erinnert natürlich an Mary Poppins. Zumal die junge Künstlerin ebenfalls über magische Kräfte zu verfügen scheint, wie sich im gekonnt ungekünstelten Umgang mit dem Publikum und der Kamera zeigt.

Wie bei einem Hauskonzert

Diesmal sind es die Sujets „Schlaf und Traum“, um die sich die Gedichte, Lieder und Kammermusik von Schumann oder Mussorgski, Heine oder Lasker-Schüler ranken. Trotz der 400 Besucher wirkt alles privat, entspannt und wohltuend unaufwendig: Statt wie in einem Fernsehstudio eben wie bei einem unaufdringlich niveauvollen, klug zusammengestellten und einfach wunderschönen Hauskonzert. Auf dem altmodischen Sofa nehmen Platz: Die Sängerin Elisabeth Kulman, der Geiger Daniel Hope, der Schauspieler Jan-Gregor Kremp, der Jazzer Georg Breinschmid und der Traumforscher Eckart Rüther. Den Themen entsprechend steht ein Bett samt Kuschelteddy bereit. Ein mutiger Zuschauer meldet sich zum Probeschlummern und wird vom Publikumschor mit einem Gute-Nacht-Kanon eingelullt.

Mitmachen ist hier nicht peinlich, sondern amüsant und nett zu betrachten, selbst wenn sich alle auf ein freundliches Kommando hin räkeln und lautstark gähnen. Der „DaschSalon“ lebt von den Impulsen und Inspirationen der Namensgeberin, die allerdings immer gern auch die anderen den Ton angeben lässt. Ihr Stil ist eine hinreißende Mischung aus Charme, Witz und Berliner Schnauze. Wenn Elisabeth Kulman etwa erzählt, dass sie Finnougristik studiert habe, fragt Annette Dasch ungeniert: „Was?!“ Und wenn das Salon-Team ihr als ehemaliger Klarinettistin den Traum erfüllt, einmal mit den Wiener Philharmoniker musizieren zu dürfen, wirken Erschrecken wie Begeisterung ziemlich echt. Am Schluss singen und schunkeln sich die Solisten und der Saal mit „Wien, Wien, nur du allein“ gemeinsam in die Stadt der Operetttenträume. Einschlafen wäre bei dieser Sendung zwar thematisch in Ordnung, ist jedoch praktisch unmöglich.

Annettes DaschSalon läuft heute um 22.25 Uhr bei 3sat.

Quelle: F.A.Z.
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