Home
http://www.faz.net/-gsc-6l8x3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Hubert Burda im Gespräch Eine neue Währung

In Berlin treffen sich die Zeitschriftenverleger. Der Branche geht es besser, doch der Verteilungskampf im Internet bleibt. Im Interview spricht Hubert Burda über die Gefechtslage zwischen den Verlagen und Google.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Hubert Burda

Die Wirtschaft erholt sich. Spüren das die Zeitschriften und die Verlage?

Soweit ich sehe, bewegen sich die Ergebnisse wieder in die Zeit der Jahre 2006, 2007. Das Anzeigengeschäft liegt über dem Vorjahr. Bei den Publikumszeitschriften sind es immerhin über vier Prozent. Ganz wichtig ist, dass unser Vertriebsmodell funktioniert und die Erlöse stabil bleiben. Die Auflagen vieler großer Blätter gehen leicht zurück, die Nachfrage im Internet steigt. Gleichzeitig beobachtet man in vielen Verlagshäusern, dass sich neue erfolgreiche Printobjekte etabliert haben. Manche Verlage sind dazu übergegangen, eine Multimedia-Reichweite auszuweisen. Also zu Print die Online-Reichweiten dazuzuaddieren.

Mehr zum Thema

Bringt es das wirklich? Clicks zählen statt Auflage verkaufen?

Wir haben ja in Deutschland eine einzigartige Situation, dass alle großen Printverlage rechtzeitig ihre Marken aufs Netz genommen haben. Das sind bis zu zehn Millionen Unique User im Monat, die den Marken eine neue kommunikative Kraft gegeben haben. Das ist eine große Leistung, und sie muss als solche dargestellt werden.

Wie ist die Gefechtslage zwischen den Verlagen und Google? Rechnet der Suchmaschinenkonzern bei den Werbeeinnahmen inzwischen zur Zufriedenheit ab?

Als Google in den Markt kam, waren wir alle fasziniert, was diese Suchmaschine leistet und wie sie sich über Textwerbung refinanziert. Dabei haben wir wenig beachtet, dass Google eine neue leistungsorientierte Währung für Internet-Werbung eingeführt hat: CPC - cost per click. Und click heißt Aktion, das ist aber nur das letzte Glied einer Kette zum Kauf von Produkten. Der Prozess der Kaufentscheidung besteht aus dem Herstellen von Aufmerksamkeit, dem Wecken von Interesse, dem Hervorrufen eines Wunsches (Desire) und der Aktion, dem Kaufen. Das ist die Aida-Formel, die jeder BWL-Student lernt. Die CPC-Währung ist nun das eigentliche Drama, da im Internet schwerpunktmäßig für Kaufimpulse bezahlt wird und nicht wie im Print oder Fernsehen für die Herstellung von Aufmerksamkeit. Wir sehen aber, dass zunehmend großformatige Werbung gebucht wird, bei der der Click nicht im Vordergrund steht. Google wird spätestens bei Google TV auf diesen riesigen Markt lossteuern und dies vermutlich mit der im Fernsehen üblichen Währung GRP (Gross Rating Point), welche die Brutto-Reichweite abbildet. Mit dieser Währung schaut das wirtschaftliche Bild für redaktionelle Portale dann anders aus.

Was wird aus dem von Ihnen reklamierten Leistungsschutzrecht?

Das wird kommen. Wir können nicht Inhalte herstellen, von denen andere am stärksten profitieren. Das sieht auch die Bundesregierung so, und ich wünsche mir, dass auch der Bundesverband der Deutschen Industrie das verstehen wird. Die Verleger brauchen das Leistungsschutzrecht. Es ist ein Recht am Inhalt, ähnlich dem von Patenten.

Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Google & Co. Die Politik will Suchmaschinen zu Neutralität zwingen

Politik und Verbände blasen in Deutschland zur Jagd auf Google. Der Vorwurf: Diskriminierung von Konkurrenten bei den Suchergebnissen. Mehr

10.09.2014, 17:34 Uhr | Wirtschaft
Googles Vision von der totalen Vernetzung

Aktienkurse, Katzenvideos, Nachrichten: Wer im Internet sucht, der findet - und das meist mithilfe der Suchmaschine Google. Doch der Technologiekonzern will längst mehr sein: Das Internetunternehmen hat sich selbst zum Weltverbesserer erklärt. Und schraubt schon heute an einem komplett vernetzten Morgen Mehr

03.09.2014, 11:04 Uhr | Wirtschaft
Apple, Google, Amazon Gabriel nennt Internet-Konzerne asozial

Sigmar Gabriel beschimpft den Silicon-Valley-Kapitalismus. Wie Apple, Amazon und Google ihre Steuern drückten, das müsse seine Partei verhindern. Mehr

20.09.2014, 15:21 Uhr | Wirtschaft
Google testet selbstfahrende Autos

Ohne Steuer und ohne Gaspedal sollen die Wagen mit Hilfe von Videokameras und Radarsensoren durch den Verkehr navigieren. Die Autobranche verspricht sich viel von der Technologie. Mehr

29.05.2014, 09:59 Uhr | Wirtschaft
Bericht des Internet-Konzerns Behörden wollen immer häufiger Daten von Google

Vor allem amerikanische Behörden fordern den Internetkonzern Google immer häufiger zur Zusammenarbeit bei Strafermittlungen auf. Aber auch im Rest der Welt steigen die staatlichen Begehrlichkeiten. Mehr

15.09.2014, 21:22 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.11.2010, 20:22 Uhr

Vom Kater der Kelten

Von Gina Thomas, Edinburgh

Die exaltierte Stimmung auf Edinburghs Straßen wurde nach der Niederlage der Separatisten von reichlich Alkohol begleitet. Schottland bleibt britisch, locker lassen werden aber werden seine Bürger inicht. Mehr 1