Home
http://www.faz.net/-gsc-16sin
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hilflos Die Sprache der Kanzlerin

 ·  Angela Merkels jüngste Reden strotzen nur so von blutleerer Abstraktheit. Fast schon wünscht man sich die üblichen Verschleierungs- und Beschönigungstaktiken herbei. „Wege beschreiten“, „Zukunft gestalten“: Die Bundeskanzlerin findet keine Worte mehr.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (20)

Man müsste die Menschen inzwischen davon abhalten, versehentlich Sender wie Phoenix einzuschalten. Nicht auszudenken, welchen Einfluss es auf die Politikverdrossenheit im Land hat, wenn eine größere Zahl von Bürgern häufiger die Bundeskanzlerin im ungekürzten Original reden hören würde – wie neulich nach der Sparklausur der Bundesregierung vor der Bundespressekonferenz: „Wir haben ganz klar gesagt, wir müssen jetzt zeigen, 2011, 2012, 2013, 2014, die gesamte mittelfristige Finanzplanung muss überschaubar sein, und damit kommt Stabilität und Verlässlichkeit auch in diese Dinge hinein. Trotz aller schwieriger Entscheidungen sage ich: Dieses ist notwendig. Notwendig für die Zukunft unseres Landes. Auch wenn, das will ich ganz deutlich sagen, es ernste Stunden waren und ich es auch für eine durchaus ernste Situation für unser Land halte, aber ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können, wenn wir das jetzt auch so umsetzen, und das ist uns in harter Arbeit gelungen.“

Die Arbeitsvermittlung zielgerichteter ausrichten

Man sehnt sich fast nach abgegriffenen Bildern wie einem enger zu schnallenden Gürtel, nach irgendeinem Appell, nach etwas Scheinkonkretem, einem Substantiv, an dem man sich festhalten könnte anstelle der ganzen dürren „das“ und „dieses“ und „diese Dinge“. Selbst ihr vermeintliches „Machtwort“, das sie Tage später sprechen wird, mündet in die hilflose Formulierung, es gehe jetzt darum, „dass wir das jetzt Realität werden lassen“.

Das einzig Konkrete, auf das sich Merkel einlässt, ist die Dauer der Verhandlungen. Die siebzehn Stunden müssen den Ernst der Lage symbolisieren und die Ernsthaftigkeit des Lösungsversuches beweisen. Sie dienen als Scheinbeleg dafür, dass es unvernünftig wäre, jetzt noch über den Inhalt des beschlossenen Paketes zu streiten.

Merkel sagt: „Wir haben uns vorgenommen, Deutschland zu einer Bildungsrepublik zu entwickeln. Wir wissen, dass wir auf einem guten Niveau aufbauen können. Aber wir wissen auch, dass noch eine lange Strecke zurückzulegen ist, bevor wir unser Ziel erreichen können.“ Merkel sagt: „Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren Energien erreichen.“ Merkel sagt: „Wir haben im Rahmen der Neujustierung von Sozialgesetzen vor allem darauf geachtet, wie wir die Arbeitsmarktpolitik auch effizienter gestalten.“ Merkel will „die Arbeitsvermittlung zielgerichteter ausrichten können, und wir veranschlagen auch durch diese zielgerichtetere Arbeitsmarktpolitik ausgerichtet auf bestimmte Gruppen dann, dass wir in den Jahren 2013 und 2014 dann auch sichtbare Erfolge sehen in Form von geringeren Leistungen für Hartz-IV-Empfänger“. Merkel will „nach der Bewältigung der Krise in die Exit-Strategie einsteigen“. Und Merkel will „die Bundeswehr zukunftsfähig machen. (. . .) Hier werden wir natürlich auch in den nächsten Monaten sehr intensiv darüber sprechen müssen, was das bedeutet und welche notwendigen Strukturänderungen hier vorgesehen sind.“

Eine hohle, technokratische, abstrakte, phantasielose Sprache

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
  Weitersagen Kommentieren (5) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Merkel im Bundestag „Die Ukrainer müssen über ihr Schicksal selber entscheiden“

Kanzlerin Merkel hat Moskau aufgefordert, sich endlich mit der neuen ukrainischen Regierung an einen Tisch zu setzen. Zudem zog sie eine positive Bilanz der Arbeit der großen Koalition. Ein ausgeglichener Haushalt liege in greifbarer Nähe. Mehr

09.04.2014, 10:13 Uhr | Politik
Edward Snowden Putins bester Agent

Häppchenweise versorgt Edward Snowden die Welt mit neuen Enthüllungen. Das nutzt vor allem den Russen und den Chinesen. Im Zuge des NSA-Skandals hat man deren Geheimdienstaktivitäten aus den Augen verloren. Mehr

05.04.2014, 19:32 Uhr | Politik
Krise in der Ukraine Putin warnt Organisationen vor „destruktiven Taten“

Präsident Putin droht in einer Rede vor dem Inlandsgeheimdienst den Nichtregierungsorganisationen in Russland. Sie hätten in der Ukraine nationalistische Gruppen finanziert und den Machtwechsel in Kiew forciert. Mehr

07.04.2014, 13:59 Uhr | Aktuell

12.06.2010, 18:33 Uhr

Weitersagen
 

Haben ist Sein

Von Mark Siemons

Ein Frau wurde verlassen und weiß nicht warum: Sie hat doch einen guten Job und zwei abbezahlte Wohnungen. Warum in Peking das Eigentum und die Liebe einander bedingen. Mehr