19.08.2011 · Die ARD schenkt Fritz Wepper zum siebzigsten Geburtstag einen Film, in dem er Derrick spielen darf. Den Machern der Krimikomödie „Lindburgs Fall“ geht es aber weniger um eine Hommage, als um die Quote.
Von Henning PeitsmeierHorst Tappert war 35 Jahre lang Stephan Derrick. Als er es satthatte, den Serienhelden zu spielen, schenkte ihm das ZDF im Jahr 2000, zwei Jahre nach der letzten „Derrick“-Folge, ein großes Melodram. Tappert war „Der Kardinal“, doch das Schmachtwerk um einen katholischen Würdenträger in Gewissensnöten fiel bei den Kritikern durch.
Fritz Wepper war 35 Jahre lang Harry Klein, assistierte Derrick in allen 281 Folgen der Krimiserie. Auch privat stand Wepper dem vor drei Jahren verstorbenen Tappert sehr nahe. Zum „Kardinal“ hätte Wepper, der durchaus Sinn für Humor hat, seinem Freund gewiss nicht geraten. Wepper hat auch eigentlich keine Probleme mit seinem Seriendasein. Längst ist er überaus erfolgreich in seiner Rolle als Bürgermeister Wöller in „Um Himmels Willen“ mit knapp acht Millionen Zuschauern jede Woche im Ersten. Und doch ist der Serienschauspieler Wepper nun selbst angetreten, einen besonderen Film zu machen. Genauer: Es ist ein Film im Film, ein Schauspieler spielt einen Schauspieler. Die Idee dazu ist gut: Wepper gibt den Derrick.
„Fünfte Staffel, dritte Folge!“
Am Mittwoch ist der gebürtige Münchner siebzig Jahre alt geworden, der Film, der am heutigen Freitag läuft, ist ein Geburtstagsgeschenk der ARD. In „Lindburgs Fall“ spielt Wepper also den Schauspieler Peter Lindburg, der als „Kommissar Kämpfer“ in der Krimireihe „Blaulicht“ seit genau 280 Folgen Verbrecher jagt. Natürlich hat dieser Fernsehkommissar einen Assistenten, den labilen Conny alias Mike Häusl, der sich regelmäßig den Satz „Conny, hier stimmt was nicht“ anhören muss. Es ist eine von zahlreichen, mitunter nur schwer erträglichen Anspielungen auf die „Derrick“-Vorlage. Im Original hat Derrick nie „Harry, hol schon mal den Wagen“ gesagt, und doch ranken sich Legenden um diesen einen Satz. Also darf so etwas auch nicht in der „Blaulicht“-Reihe fehlen. Hier fällt der Satz gleich fünfmal, damit auch dem letzten Zuschauer das Augenzwinkern nicht entgeht.
Leider stimmt auch in „Lindburgs Fall“ so einiges nicht. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: „Blaulicht“-Kommissar Peter Lindburg wird abgesetzt, die 281. Folge nicht mehr gedreht. Enttäuscht zieht sich der Schauspieler, der eigentlich Peter Schmidt heißt, in seine thüringische Heimatstadt zurück, die ihm, warum auch immer, seinen Künstlernamen gab. Lindburg will an seinem Comeback arbeiten, bevor er sich, wie es ihm sein Manager anbietet, auf das neue Format einer Hundeshow mit dem Titel - Achtung, Augenzwinkern! - „Colliewood“ einlässt. Wie es Zufall und Drehbuch wollen, gerät der „Blaulicht“-Kommissar nun in einen realen Kriminalfall. Lindburg wird bei einem Parkspaziergang Zeuge eines vermeintlichen Mordes in einem nahe gelegenen Wohnhaus. Genau sehen kann er es nicht, aber seine Unfehlbarkeit als Fernsehkommissar sagt ihm - genau: „Hier stimmt was nicht.“ Natürlich muss „Blaulicht“-Partner Conny (gespielt von Bernd Michael Lade, sechzehn Jahre lang der Kommissar Kain an der Seite von Peter Sodann im MDR-“Tatort“) auch hier assistieren. Als der Fall geklärt scheint, fragt Conny, dieser stets ergebene Sancho Pansa alias Harry Klein, alias Mike Häusl seinen Kollegen Lindburg in der wohl stärksten Szene: „Wie biste darauf gekommen?“ Lindburgs Antwort: „Fünfte Staffel, dritte Folge!“ Das wäre eigentlich eine schöne Schlusspointe. Doch leider läuft „Lindburgs Fall“ von da an noch zwanzig Minuten weiter.
Echte Satire hat am Freitagabend keine Chance
Die ARD ist ziemlich stolz auf diese Produktion, die sie sich 1,4 Millionen Euro hat kosten lassen - fast so viel wie einen „Tatort“. Von einer „gelungenen Hommage für Fritz Wepper“ schwärmt die Pressestelle. Die Zuschauer, behauptet ARD-Programmdirektor Volker Herres, dürften sich auf diese Krimikomödie wirklich freuen. Krimikomödie für den freitäglichen Zuschauer trifft es vermutlich am ehesten, was „Lindburgs Fall“ sein will. „Wer schaut sich so was eigentlich noch an?“, fragt der Sohn seine Mutter während einer „Blaulicht“-Folge. Für die Weppersche Hommage ist die Antwort schnell gefunden. Es werden all jene sein, die Fritz Wepper gern in „Um Himmels Willen“ sehen. Den Sendeplatz am Freitagabend um 20.15 Uhr hat die ARD als „unterhaltungsaffin“ definiert. Hier geht es nur um die Quote. Auf so einem Sendeplatz hat echte Satire keine Chance. Den Machern von „Lindburgs Fall“ fehlte dazu leider auch der Mut, Fritz Wepper hätte ihn garantiert gehabt.
Geschenk!
Ulrich Frommelt (vatervonw)
- 19.08.2011, 21:29 Uhr